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Hugo Meyer machte Görlitz weltweit bekannt

Der Pionier der Fotoindustrie wurde vor 150 Jahren geboren. Noch heute sprechen Kenner von „Meyer-Optik“.

Von Ralph Schermann

Seit 1991 gibt es in Görlitz kein Feinoptisches Werk mehr, dennoch ist der Name Meyer-Optik weiter stadtbekannt. Jener Optiker Hugo Meyer wäre jetzt 150 Jahre alt – er kam am 21. Mai 1863 zur Welt. Im April 1896 gründete er zusammen mit dem Kaufmann Heinrich Schätze die Görlitzer Optisch-Mechanische Industrie-Anstalt Hugo Meyer & Co., eingetragen im Gesellschaftsregister des königlichen Amtsgerichtes Görlitz unter der Nummer 477. Ihre Werkstatt richteten die beiden zunächst in der Löbauer Straße 7 ein – einem Gebäude, in dem mehrere Kamerahersteller ansässig waren und das heute deshalb aus gutem Grund Sitz des Fotomuseums Görlitz ist.

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Zunächst hatte der kleine Betrieb sieben Mitarbeiter, die einfache Objektive herstellten. Alle namhaften Görlitzer Hersteller von Fotogeräten verwendeten Meyers Erzeugnisse. Auch die Dresdener Hüttig AG, unter den Fotofreunden als Zeiss Ikon bekannt, setzte auf die Objektive der Meyer Optik, so dass es mit dem Betrieb schnell bergauf ging. Bald schon meldete Hugo Meyer Patente an, und als die Mitarbeiterzahl die 24 überschritt, sah er sich nach neuen Räumen um. Er fand sie 1901 in einem Hinterhaus der Biesnitzer Straße 22.

Meyer leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod 1905. Doch er hatte einen Grundstein dafür gelegt, dass seine Witwe Elise Meyer und seine Söhne die Firma erfolgreich weiterführen konnten. Der Name Meyer Optik blieb über Jahrzehnte ein guter Begriff. Vieles baute unter anderem auf früheren Erfindungen auf. So hatte Meyer zum Beispiel noch 1903 ein Produkt entwickelt, bei dem das Objektiv im Ganzen, aber auch jede seiner Komponenten einzeln verwendet werden konnten. Damit konnten mit einem Objektiv verschiedene Brennweiten eingestellt werden – für die Zeit vor 110 Jahren war das eine Sensation.

1911 erwarb Meyer Optik die Fotoanstalt Schulze und Billerbeck. 1918 nahm eine eigene Abteilung für Kino- und Projektionsobjektive ihre Arbeit auf. Der bedeutende Jenaer Physiker Dr. Paul Rudolph arbeitete 1920 mit der Görlitzer Meyer Optik zusammen und bot ihr ein komplett neues Objektivsystem an, den Doppel-Plasmat. Damit wurde Meyer nun auch weltweit bekannt. Trotz der Inflatuon gelang es, die Firma weiter auszudehnen, und im Juli 1923 wurde das große Gebäude auf der Fichtestraße 2 bezogen. Die Entwicklung des Foto- und Filmwesens erforderte eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Es stiegen die Ansprüche an die Qualität aller Objektive. Bei Meyer wurden 1936 eigene Versuchsreihen gestartet und zu diesem Zweck viele Ingenieure eingestellt. Jährlich verließen rund 100 000 Objektive das Werk, das entsprach einer täglichen Produktion von etwa 3 000 einzelnen Linsen in hoher Präzision. Selbst 1938 wurden noch Werbekataloge für England, Afrika und Australien herausgegeben. Dennoch blieb es der Firma nichrt erspart, beim Fortgang des Zweiten Weltkrieges auf Rüstungsproduktion umzustellen, vor allem auf Zielfernrohre für Waffen.

Ab Anfang der 1950er Jahre war Meyer-Optik wieder in der Lage, ein umfangreiches Objektivprogramm anzubieten. 1968 wurde der Betrieb Bestandteil des Kombinates Pentacon Dresden, 1985 des Kombinates Carl Zeiss Jena. In all diesen Jahren blieb Meyer Optik immer ein Begriff für Görlitz und den Export. Um alle Aufträge zu schaffen, wurden zahlreiche polnische Gastarbeiterinnen beschäftigt, neue Räume an der Arndtstraße angebaut.

Nach 1990 war die Zeit zu kurz, als freies Unternehmen weiter zu bestehen. Der Markt hatte sich verändert, auch durch Produkte aus Fernost. Am 30. Juni 1991 liquidierte die Treuhandanstalt die bekannte Firma. Hugo Meyer brauchte das zum Glück nicht mehr erleben.