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Hundertwasser in alter Kaufhalle

Strehlens Plattenviertel soll ein Stadtteilzentrum bekommen. Ein neuer Anlauf, den Wiener Künstler nach Dresden zu holen.

© Heinz M. Springmann

Von Nora Domschke

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In diesen trüben Wintertagen wirkt das graue Plattenbauviertel am Otto-Dix-Ring noch ein wenig trister als sonst. Die Blöcke der Gagfah sind unsaniert, in den preiswerten Wohnungen leben vor allem sozial benachteiligte Dresdner. Dabei ist gerade dieses Wohngebiet hier am Koitschgraben eigentlich so bunt. Menschen aus unterschiedlichen Nationen leben hier zusammen, Probleme mit Flüchtlingen gibt es nur selten. Zwar ist der Geldbeutel vieler Bewohner schmal – trotzdem nutzen sie die kulturellen Angebote von Vereinen und Initiativen des Stadtteils.

Bernd Zschaschel und Angela Schlott haben im alten Konsumgebäude am Otto-Dix-Ring den idealen Standort für ihr Architekturprojekt gefunden. © Norbert Millauer
Die Pläne für ein Hundertwasserhaus in der Neustadt liegen seit Jahren auf Eis). © Jürgen Lösel

Bereits seit 2006 kümmert sich der Verein Sozialpädagogischer Projekte (VSP) verstärkt um die Familien im Stadtteil, unterstützt sie bei Problemen, fördert die Kleinsten mit kostenlosen Angeboten wie einer Malwerkstatt und hilft Schülern bei den Hausaufgaben.

Weil die Nachfrage so groß ist, wird der Platz in den beiden umgebauten Erdgeschosswohnungen in der Walter-Arnold-Straße 13 zunehmend knapp. Die VSP-Kontaktstelle hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt – ein Ort für größere Veranstaltungen, mit genug Raum für Kunst und Kultur fehlt allerdings. „Wir träumen von einem Haus der Begegnungen“, sagt Bernd Zschaschel, Leiter der Kontaktstelle. Die Vision: Neben der Kontaktstelle könnten dort auch eine Kita, ein Tanzsaal und vielleicht sogar ein kleines Café einziehen. „Das Haus soll eine Art Stadtteilzentrum werden.“ Gemeinsam mit seiner Kollegin Angela Schlott machte er sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort. Und fand ihn in dem alten Konsumgebäude direkt neben dem Otto-Dix-Center. Dort gibt es derzeit einen Bäcker, einen Getränkemarkt und eine Fahrschule. Zschaschels Angaben zufolge sei die Konsum-Genossenschaft bereit, das Haus zu verkaufen.

Davon beflügelt überlegten die beiden Sozialarbeiter, wie das Projekt zugleich helfen könnte, das schlechte Image des Stadtteils aufzupolieren. „Schnell waren wir uns einig, dass das Gebäude bunt werden muss – wie die Häuser von Hundertwasser.“ Der VSP-Chef hatte die Idee, für den Umbau die Wiener Hundertwasser-Stiftung ins Boot zu holen. Das hatte er schon einmal für die Sanierung des Plauener Bahnhofs probiert, als er dort den Kinder- und Jugendtreff leitete. Damals, Ende der Neunzigerjahre, lehnte Friedensreich Hundertwasser das Vorhaben allerdings ab. Ganz überraschend signalisierte die Stiftung auf Zschaschels Anfrage vor zwei Jahren nun Interesse an dem Projekt für das Wohngebiet am Koitschgraben. Schon im April 2013 besuchte der Architekt Heinz M. Springmann im Auftrag der Stiftung das Dresdner Viertel. Springmann begleitete den Künstler schon zu dessen Lebzeiten bei der Umsetzung seiner ungewöhnlichen Architekturideen, unter anderem 1990 bei einem Wohnhaus in Plochingen und 1999 beim Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen.

Mit seinen Entwürfen hat Friedensreich Hundertwasser eine ganz eigene Formensprache geschaffen. 1928 in Wien als Friedrich Stowasser geboren, machte er sich ab den Fünfzigerjahren einen Namen als Maler, der sich vor allem von den Eindrücken seiner Reisen inspirieren ließ. In den Siebzigerjahren verwirklichte er in Neuseeland zum ersten Mal seinen Traum vom Leben mit und in der Natur. Dort entwickelte er unter anderem sein mit Gräsern begrüntes Dach, das auch auf dem Gebäude in Strehlen zu finden sein soll. Im Sommer 2014 stellte Springmann erste Entwürfe dafür vor, die er nach Skizzen von Hundertwasser angefertigt hat. Markant sind seine geschwungenen Formen, die gerade Linie bezeichnete er gar als gottlos. Und so kreierte Springmann schräge und begrünte Dachflächen mit geschwungenen Wegen. Runde Formen finden sich auch im Entwurf für einen Turm, der auf der Fläche am Otto-Dix-Ring entstehen soll. Was das Projekt genau kostet, ist noch offen. Zschaschel rechnet mit einer einstelligen Millionensumme. Nun geht es darum, einen Finanzierungsplan zu entwickeln. Allein schaffen Zschaschel und Schlott das aber nicht und suchen deshalb weitere Mitstreiter.

In Dresden gab es schon einmal Pläne für ein Hundertwasserhaus in der Neustadt. 2001 sollte das 35 Millionen Euro teure Haus „Hohe Haine“ an der Bautzner Straße neben Pfunds Molkerei fertig sein. Das Projekt scheiterte allerdings an der Finanzierung.

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