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„Ich sehe den Fußball als Sprintsport“

Philippe Hasler ist Dynamos neuer Fitnesscoach. Wie er die Spieler besser machen will, sagt er im Interview mit der SZ.

© Ronald Bonß

Von Sven Geisler

Er ist Dynamos „Kracher“, genauso bedeutsam wie ein Neuzugang im Spielerkader: Philippe Hasler. Der 43 Jahre alte Schweizer kommt aus Zürich nach Dresden und soll die Schwarz-Gelben als Athletik- und Konditionstrainer in Schwung bringen. Entdeckt wurde er sozusagen nebenbei. Dynamos Scout Felix Schimmel hatte im Trainingslager des FC Zürich eigentlich Stürmer Moussa Koné beobachtet, dabei war ihm aufgefallen, wie Hasler mit dem Team arbeitet. Jetzt ist er hier – und erklärt im Interview mit der SZ, wie er seine Aufgabe sieht.

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Herr Hasler, was reizt Sie als Schweizer an Dresden?

Die 2. Bundesliga ist per se attraktiv, Dresden erstens eine schöne Stadt und zweitens fußballverrückt. Wenn man in der Stadt unterwegs ist, atmet man überall Dynamo. Es gibt nichts Schöneres, als für so einen Traditionsverein zu arbeiten.

Sie sind Athletik- und Konditionstrainer – worin liegt der Unterschied?

Ich denke, unter Kondition verstehen viele die Ausdauer. Bei uns geht es aber nicht nur um Ausdauer, sondern um Schnellkraft, Schnelligkeit, Kraft.

Und für Dynamo darum, nicht wie in der Vorsaison in der Schlussphase zu viele Gegentreffer zu kassieren. Hatten die Spieler keine Kondition?

Es lässt sich nicht so einfach schlussfolgern, wenn man nach 75 Minuten Gegentore kassiert, dass die Beine müde sind. Das hat auch viel mit dem Kopf zu tun, die mentale Verfassung einer Mannschaft hat darauf einen großen Einfluss. Ich würde mich hüten, zu sagen, nur weil eine Mannschaft in der Schlussphase oft Gegentore bekommt, ist sie in puncto Ausdauer schlecht trainiert.

Wie definieren Sie Kondition?

Als Ermüdungsresistenz, also nie müde zu werden. Ich kann in der letzten Minute dasselbe abrufen wie in der ersten. Das wäre eine schöne Sache.

Ist das möglich?

Nein, natürlich nicht. Aber man möchte möglichst nahe rankommen. Wir versuchen, das Optimum aus jedem Spieler herauszuholen. Dabei bin ich nur ein kleines Puzzleteil, ein Zubringer für die Leistung, die er erreichen kann.

Früher gab es Trainer, die mit Medizinbällen arbeiteten oder die Spieler einen Schanzenauflauf hochrennen ließen. Sind solche Methoden noch zeitgemäß?Jede Methode hat ihre Berechtigung, es gibt keine guten oder schlechten. Als Trainer muss ich wissen, was ist das Ziel und wie komme ich am schnellsten hin. Wenn ich Läufe ansetze, um die Grundlagen zu trainieren, ist das ein probates Mittel. Ich bin jedoch nicht davon überzeugt, dass wir über die gesamte Saison die Grundlagen trainieren müssen. Ich sehe den Fußball als repetitiven Sprintsport. Das heißt, die Spieler laufen nicht in einer gleichmäßigen Geschwindigkeit, sondern in Stop-and-go-Bewegungen und vielen Sprints. Das sind hoch intensive Aktionen. Deshalb ist meine Intention, dass wir im Training intensive, schnelle Sachen machen.

Wie ist Ihr erster Eindruck vom Zustand der Mannschaft?

Nach den Ferien, die sie hatten, ist der Zustand gut, wie die Tests gezeigt haben.

Waren die Ferien mit knapp fünf Wochen zu lang?

Ich finde es gut, dass es in Deutschland diese Möglichkeit gibt für die Spieler, sich in der Sommerpause zu erholen: mental wie körperlich. In der Schweiz sind es nur zwölf bis vierzehn Tage, das ist zu wenig. Die Jungs hatten aber ihre Sommerpläne, mussten ihre Läufe machen. Deshalb gibt es gar keine Probleme.

Es wird also diesmal alles besser …

Ich bin jedenfalls noch nie in eine Saison gegangen und habe gedacht: Diesmal machen wir es ein bisschen schlechter. Wir haben uns Gedanken gemacht, was wir ändern können, um erfolgreich zu sein. Ich bin nicht von Zürich hierhergekommen, habe dort mein Leben aufgegeben, um nicht erfolgreich zu sein. Dem werde ich alles unterordnen. Fußball ist aber auch immer Glückssache, entweder der Ball geht rein oder er prallt vom Pfosten ab.

Was muss sich denn ändern?

Ich weiß nicht, wie es vorige Saison war, aber wir haben einiges angeschoben. Die Jungs kommen zum Frühstück, wir bieten Mittagessen an. In der Trainingsmethodik haben wir etwas umstrukturiert. Ich habe einen guten Austausch mit Cheftrainer Uwe Neuhaus und den anderen Assistenten, um die Belastungssteuerung zu optimieren. Ich will aber nicht sagen, dass es vorher nicht der Fall war. Aber wenn einer von außen kommt, gibt das vielleicht noch mal einen neuen Impuls.

Die Belastungssteuerung war vorige Saison auch wegen der vielen Muskelverletzungen als Problem erkannt worden. Was kann oder muss man dagegen tun?

Als Athletiktrainer habe ich immer das Ziel, dass sich kein Spieler verletzt. Wenn sie dann noch kräftig, schnell und ausdauernd sind, kann ich mir auf die Schultern klopfen. Manche Situationen kann man natürlich im Fußball nicht beeinflussen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie nächste Woche im Trainingslager im pfälzischen Herxheim?

Antritte, Sprintserien, eben diese repetitive Schnelligkeit – daran werden wir arbeiten, Kraft wird ein großer Teil sein. Aber eine Woche ist kurz, zudem haben wir zwei Spiele, können also die Jungs nicht ins Loch trainieren. Dann gehen sie in die Zweikämpfe und holen sich eine Verletzung.

Gibt es für Sie als Athletiktrainer Erkenntnisse aus der WM?

Athletik spielt eine große Rolle, und die Bedeutung wird steigen. Schnelligkeit wird unabdingbar sein. Für Spieler, die heute noch dabei sein können, wird es in zehn Jahren unmöglich sein, in der höchsten Liga zu spielen, weil sie in der Geschwindigkeit nicht mitkommen.

Sind dieser Entwicklung denn keine Grenzen gesetzt?

Nein, glaube ich nicht. Es wird immer ein bisschen schneller gehen. Irgendwann läuft einer die 100 Meter in 9,2 Sekunden.

Ohne Doping?

Warum nicht? Ich weiß nicht, ob die Zeiten jetzt ohne Doping gelaufen wurden. Ich kann es mir schwer vorstellen, nicht, weil ich es für unmöglich halte, sondern weil sehr viel Geld dahintersteckt. Da habe ich ein pragmatisches Menschenbild.

Im Fußball geht’s auch um viel Geld …

Ja, klar. Ich habe es nie angetroffen und werde mich dieser Mittel nicht bedienen. Das entspricht nicht meinem Ehrenkodex. Ich bin aber nicht so blauäugig, zu denken, im Fußball wird nicht gedopt. Bei uns kann ich es ausschließen.

Wie halten Sie sich fit?

Ich gehe sehr gerne Windsurfen, das wird in Dresden ein bisschen schwierig. Ansonsten trainiere ich ab und zu im Kraftraum. Aber ich bin Spielsportler. Alleine Ausdauer zu bolzen, sagt mir weniger zu. Einfach im Becken hin und her zu schwimmen oder auf der Bahn Runden drehen, das war schon im Sportstudium nicht so mein Ding. Es muss ein Spiel dabei sein.