SZ +
Merken

Ihr Schicksal bewegt viele in der Stadt

Sebnitz. Die Mädchen und Jungen vom Haus „Kinderglück“ und viele andere wollen Oma Brauner helfen.

Teilen
Folgen

Von Heike Sabel

Als sie die traurige Oma am Mittwoch in der Zeitung sahen, wurden auch viele Kinder im Haus „Kinderglück“ in Sebnitz traurig. Drei Erzieherinnen kamen beim Saunabesuch spontan auf die Idee: „Der Oma muss geholfen werden“, berichtet Kerstin Gottfried, die Leiterin der Einrichtung des Deutschen Kinderschutzbundes. „Das Schicksal der Frau hat uns sehr erregt und bewegt.“

Die AOK hatte Angelika Brauner den Antrag auf orthopädische Schuhe abgelehnt. Sie sei pflegebedürftig und könne sowie nicht mehr auf die Straße. Das hat sich jetzt sowie so erledigt. Denn Frau Brauners letzte Schuhe sind über fünf Jahre alt und fallen bald auseinander. Auch aus fachlicher Sicht sind sie inzwischen unzumutbar, hatte Orthopädie-Schuhtechniker Gerald Maaz festgestellt.

Der erste Gedanke der Kinder und Erwachsenen vom „Kinderglück“ war, Geld für die Schuhe zu sammeln. Schnell waren 85 Euro zusammen. Doch über 850 Euro, so viel kosten die Schuhe, sind kein Pappenstiel. Außerdem wolle man die AOK auch nicht ganz aus ihrer Verantwortung entlassen.

Fernsehen dreht Beitrag

Deshalb überlegen die Kinder und Erzieherinnen nun, wie sie Oma Brauner eine Freude machen können. Entweder sie besuchen sie und singen ihr ein Lied oder laden sie zu sich ein. Parallel dazu soll dennoch weiter gesammelt werden, kündigt Kerstin Gottfried an. „Wir wollen einen großen Schuh basteln und die Eltern bitten, etwas hinein zu tun.“ Ob es am Ende für die Schuhe oder etwas anderes ist, was Angelika Brauner benötigt – „Wir wollen einfach helfen“, sagt Kerstin Gottfried. „Wir sind so ein reiches Land, da dürfte so etwas eigentlich nicht passieren.“

Das hat sich auch der MDR gedacht, als er den Beitrag las. Voraussichtlich am Montag wird ein Team in Sebnitz sein, um einen Beitrag für die Sendung „Hier ab Vier“ zu drehen. Ausgestrahlt werden soll der Film am Mittwoch oder Donnerstag, kündigt der zuständige Redakteur an. Auch er war empört, wie mit der alten Frau umgegangen wird. Der Dresdner AOK-Pressesprecher hatte zu verstehen gegeben, wer Pflegegeld erhalte, brauche nicht auch noch Schuhe.

Bei Maaz ist das Thema inzwischen ständig Gespräch. Kaum ein Kunde, der ihn nicht darauf anspricht. Gestern kam wieder eine Frau und sagte, 100 Euro würde sie auch zu den Schuhen dazu geben. „Ich denke, Frau Brauner wird ihre Schuhe bekommen, so oder so.“