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Ihre Arbeit geht unter die Haut

Stephanie Edenhart hat in Wilthen ein Tattoo-Studio eröffnet. Sie entwirft alle Motive selbst – erfüllt aber nicht jeden Kundenwunsch.

Als Tätowiererin arbeitet Stephanie Edenhart schon seit mehreren Jahren. Jetzt hat sie ihr eigenes Studio in Wilthen eröffnet. Bevor sie die Tätowiermaschine ansetzt, zeichnet sie das Motiv per Hand auf Papier.
Als Tätowiererin arbeitet Stephanie Edenhart schon seit mehreren Jahren. Jetzt hat sie ihr eigenes Studio in Wilthen eröffnet. Bevor sie die Tätowiermaschine ansetzt, zeichnet sie das Motiv per Hand auf Papier. © SZ/Uwe Soeder

Wilthen. Der Schmuck, den sie gestaltet, hat eine Besonderheit. „Es ist der Einzige, den die Leute mit ins Grab nehmen“, sagt Stephanie Edenhart. Die schlanke Frau mit den langen dunklen Haaren ist Tätowiererin und betreibt seit Kurzem ihr eigenes Studio in Wilthen. Dafür hat sie Ladenräume an der Neukircher Straße unweit vom Haus Bergland entsprechend eingerichtet, die einst von einem Autohaus genutzt wurden, später von einer Bäckerei, dann von einem kleinen Lebensmittelgeschäft und zum Schluss leer standen.

„Ich wohne gleich um die Ecke. Immer wenn ich mit unseren beiden Hunden an dem Geschäft vorbei gelaufen bin, habe ich mir gedacht: Das wäre ein guter Platz für ein Tattoo-Studio“, erzählt Stephanie Edenhart, die seit anderthalb Jahren in Wilthen lebt; zusammen mit ihrem Freund. Inzwischen hat sie den Gedanken in die Tat umgesetzt und empfängt in den Räumen ihre Kunden. Bedenken, dass der Standort zu abgelegen ist, die Kleinstadt ungeeignet, um in der Branche erfolgreich zu sein, hat die 31-Jährige nicht. „Wer mit seinem Tätowierer zufrieden ist, fährt gern auch ein Stück, um zu ihm zu kommen“, sagt sie.

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Erst zeichnen, dann stechen

Ihr Vorteil ist, dass sie nicht bei null anfängt, sondern sich schon einen Namen gemacht hat. Rund vier Jahre lang arbeitete Stephanie Edenhart zuvor im Studio Dobermann Tattoo und Piercing in Bautzen. Dadurch hat sie sowohl Stammkunden als auch Mundpropaganda. Sogar aus der Schweiz kam schon jemand zu ihr nach Wilthen. „Sie ist eine super Tätowiererin“, sagt zum Beispiel Rico Pietsch, der sich dieser Tage schon das fünfte Motiv von Stephanie Edenhart stechen lässt – einen Phönix. Zufrieden schaut er auf seinen rechten Arm. „Ich hatte eine ungefähre Idee, was ich will, aber wusste nicht genau wie. Sie hat es besser umgesetzt, als ich es mir je vorstellen konnte“, lobt der Kunde.

Jedes Tattoo fertigt die Wilthenerin von Anfang bis Ende selbst an, vom Entwurf bis hin zum Stechen. Jedes ist einmalig. Bei Stephanie Edenhart kann man sich keine Vorlagen aus Katalogen aussuchen. „Ich will nicht, dass zwei Leute das gleiche Tattoo haben“, sagt sie dazu. Sie entwirft den dauerhaften Hautschmuck für jeden Kunden individuell. Am Anfang steht jedes Mal ein mindestens halbstündiges Beratungsgespräch. Dann zeichnet die 31-Jährige entweder am Schreibtisch in ihrem Studio oder zu Hause einen Entwurf. Erst wenn der Kunde mit dem Motiv rundum zufrieden ist, wird die Vorlage auf ein spezielles Papier gedruckt, damit auf die Haut übertragen und dann tätowiert.

„Ich zeichne sehr gern und wollte schon immer kreativ tätig sein“, sagt Stephanie Edenhart. Nach der Schule erlernte sie jedoch erstmal den Beruf der Bäckerei-Fachverkäuferin; bei der Bäckerei Kloßmühle in Schirgiswalde. Für Tattoos begeisterte sie sich aber damals schon. Ihr Erstes ließ sie sich mit 14 Jahren stechen. Das kleine chinesische Schriftzeichen trägt sie bis heute auf der Schulter. „Das würde ich nie covern, also mit einem anderen Motiv überdecken“, betont die Wilthenerin, die auch als Tattoo-Model tätig ist. Denn im Laufe der Jahre sind auf ihrem Körper viele andere Tattoos hinzu gekommen. Einige davon – und zwar an den Beinen – hat sie sich selbst gestochen. Das handwerkliche Können lernte die Tätowiererin, die mehrere Jahre in den alten Bundesländern lebte, bevor sie in die Oberlausitz zurück kehrte, dort vom Mann einer Kollegin. „Es ist leider kein anerkannter Ausbildungsberuf“, bedauert Stephanie Edenhart. Auf die Frage, was sie am Tätowieren so begeistert, antwortet sie mit einer kleinen Geschichte: „Ich kenne eine Frau, die hat einen Arm verloren und den Stumpf immer versteckt. Ich konnte sie zu einem Tattoo überreden und habe ihr inzwischen den kompletten Stumpf tätowiert. Jetzt zeigt sie ihn stolz. Während sie vorher immer streng und verschlossen wirkte, ist sie jetzt sehr offen.“

Das Alter stets im Blick

Menschen mit Tattoos glücklich zu machen – das bereitet der Wilthenerin Freude. Ebenso das Kreativsein. Auch wenn die Wünsche der Kunden bei ihr an erster Stelle stehen, erfüllt sie nicht jeden. 14-Jährige tätowiert sie – trotz Einwilligung der Eltern – nicht, obwohl sie sich selbst in diesem Alter ihr erstes Motiv stechen ließ, 18-Jährige nicht auf Hand, Hals oder andere Stellen, die man kaum verbergen kann. „In dem Alter wissen die jungen Leute noch nicht, wo es beruflich für sie mal hingeht, ob sie im Job vielleicht keine Tattoos zeigen dürfen“, begründet die Wilthenerin. Apropos Alter: Zu alt für ein Tattoo sei man nie, betont die Selbstständige, die auch schon Kunden über 70 hatte. Dann wendet sie sich wieder dem Phönix zu, setzt mit der Tätowiermaschine letzte Akzente unter die Haut von Rico Pietsch. Er ist sich schon jetzt sicher, dass der Feuervogel nicht das letzte Tattoo sein wird, das er sich von Stephanie Edenhart gestalten lässt.