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Im Geiste des Ehrenbürgers

Der Hoyerswerdaer Künstler Jürgen von Woyski wäre im März 90 Jahre alt geworden.

Jürgen von Woyski und die erste Stiftungsvorsitzende Angret Gläsel.
Jürgen von Woyski und die erste Stiftungsvorsitzende Angret Gläsel. © Rico Hofmann

Als der im Jahr zuvor mit der Hoyerswerdaer Ehrenbürgerschaft gewürdigte Künstler Jürgen von Woyski am 23. März 1999 seinen 70. Geburtstag feierte, weihte man im Schloss einen Raum nur mit seinen Werken ein. „Die Ausstellung, das ist wirklich so etwas Tolles – das hätte ich mir nie zu träumen gewagt“, zeigte sich der Jubilar damals gerührt. Die entsprechende Sammlung war 1998 im Zusammenhang mit der Ehrenbürgerschaft in die Jürgen-von-Woyski-Stiftung eingebracht worden.

Deren Kuratoriumsvorsitzender Heinz Auerswald ist durchaus traurig, dass der Raum im vorigen Jahr der Neugestaltung der Dauerausstellung des Stadtmuseums weichen musste und alle Ausstellungsstücke so im Depot landeten. „Das schönste Geschenk zum 90. Geburtstag ist das nicht“, meint Auerswald. Der Sinn der Stiftung ist es schließlich unter anderem, das Werk des im Jahr 2000 verstorbenen Künstlers zu pflegen, zu erhalten und eben auch dauerhaft zu präsentieren. Vor reichlich einem Jahr hat die Stiftung, die elf Mitglieder zählt, die Unternehmerin Claudia Niemz zur neuen Vorsitzenden gewählt. Anders als ihre langjährige Vorgängerin Angret Gläsel hat sie Woyski persönlich nicht gekannt, sagt aber: „Er ist Ehrenbürger, hat der Stadt viel hinterlassen und das muss man bewahren.“ Die Stiftung hat dazu in den zwei Jahrzehnten ihres Bestehens eine ganze Reihe von Aktivitäten unternommen. Das wohl teuerste Unterfangen war im Jahr 2004 mit Kosten in Höhe von 13 000 Euro die Reaktivierung des Sorbischen Osterbrunnens im Zoo.

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Die Stiftung rettete aber beispielsweise auch ein Kunstwerksfragment aus Bad Saarow, das heute vor dem Neuen Rathaus steht, koordinierte die Umsetzung des Taubenbrunnens aus dem Gewerbegebiet Nardt vor den Firmensitz der LebensRäume-Genossenschaft oder ließ das nach einem Diebstahl an der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule in der Dillinger Straße auf eine von drei Bronzeplatten minimierte Relief „Ehrfurcht vor dem Leben“ im Klinikums-Park aufstellen. Im vergangenen Jahr schenkte die Stiftung der Stadt zu deren 750. Geburtstag eine Reinigung der Plastiken im Jürgen-von-Woyski-Park samt einem Relief, das Woyskis Kopf zeigt.

Zugleich gab es in Kooperation mit der KulturFabrik einen Kunstkurs für Jugendliche, bei dem Woyskis Tochter Sabine Fiedler-Mohrmann mit den jungen Künstlern arbeitete. Es entstanden Zeichnungen und Drucke von Arbeiten ihres Vaters, die auf dem Zoo-Gelände stehen. Fiedler-Mohrmann und die KuFa arbeiten aber auch darüber hinaus zusammen.

Die Finanzierung all dieser Aktivitäten ist im Mindesten mühselig. Heinz Auerswald erinnert sich, dass es schon nicht ganz einfach war, das Stammkapital zusammenzubekommen. Und da die Stiftung nur von dessen Zinsen leben darf, dank der aktuellen Geldpolitik aber kaum Zinsen anfallen, ist man dringendst auf Sponsoren angewiesen. Wie Sand am Meer gibt es diese freilich nicht. Und so sind auch die Aktivitäten im Jahr des 90. Geburtstages Jürgen von Woyskis eher beschränkt. Die Stiftung unterstützt das Stadtmuseum, das eine Ausstellung mit drei Aspekten plant: 60 Jahre Zoo und 90 Jahre Jürgen von Woyski geben die Möglichkeit, auch auf die Bildhauersymposien zurückzublicken, die ab 1975 im Tierpark unter von Woyskis Leitung stattfanden. Die Zoo, Kultur und Bildung gGmbH plant zudem Symposium Nr. 12. Im Zwei-Jahres-Rhythmus der Neuauflagen wäre es schon voriges Jahr an der Reihe gewesen. Wegen des 90. Geburtstages wartete man zu. Im Juni sollen nun nicht wie zuletzt immer sechs Künstler im Zoo arbeiten, sondern acht.

Die Hauptaufgabe, vor der die Stiftung laut ihrer Vorsitzenden Claudia Niemz steht, ist nun tatsächlich, eine neue Möglichkeit zu finden, um die verpackte Dauerausstellung wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um für die Aktivitäten ein wenig Geld einzunehmen, wurden jetzt tönerne Replika der Bronze-Taube verkauft, die auf der Anti-Kriegs-Säule an der Johanneskirche sitzt. Es handelt sich um eine der letzten Arbeiten des Ehrenbürgers. Auch sie hat 2019 ein Jubiläum. Im November ist ihre Einweihung 20 Jahre her.

Vor zwanzig Jahren wurde im Schloss ein Raum ausschließlich mit Werken Jürgen von Woyskis gestaltet. Bei der jüngsten Neugestaltung der Ausstellung zur Stadtgeschichte wurde der Platz gebraucht.
Vor zwanzig Jahren wurde im Schloss ein Raum ausschließlich mit Werken Jürgen von Woyskis gestaltet. Bei der jüngsten Neugestaltung der Ausstellung zur Stadtgeschichte wurde der Platz gebraucht. © Uwe Schulz