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Im Segelboot über den Atlantik

Ringsum ist nur Wasser. Soweit das Auge reicht, nichts als Meer. Reichlich drei Wochen lang hat Wolfgang Schulze das erlebt und ist glücklich darüber. Denn er hat sich damit einen großen Traum erfüllt: Im Segelboot den Atlantik zu überqueren.

© privat

Von Katja Schäfer

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Ringsum ist nur Wasser. Soweit das Auge reicht, nichts als Meer. Reichlich drei Wochen lang hat Wolfgang Schulze das erlebt und ist glücklich darüber. Denn er hat sich damit einen großen Traum erfüllt: Im Segelboot den Atlantik zu überqueren. Der Schirgiswalder nahm an der ARC teil, der Atlantik Rallye für Croiser, die jedes Jahr im November/Dezember stattfindet und offen für jedermann ist. Von Gran Canaria aus geht es über mehr als 5 500 Kilometer zur Insel Saint Lucia, die zu den Kleinen Antillen gehört.

Wolfgang Schulze, der das Landhotel Thürmchen in Schirgiswalde führt, saß mit sieben Mitseglern in einem gemieteten 15 Meter langen Boot. Vor dem Start hatten die Männer es mit all dem beladen, was sie für die Tour brauchten. „Es gibt Erfahrungswerte, was man pro Tag an Lebensmitteln und Trinkwasser benötigt. Daran orientiere man sich“, sagt der 62-Jährige und berichtet, dass das Team sich für eine Woche mehr als die geplante Reisezeit ausrüstete. Apropos Erfahrung: „Wir sind alle erfahrene Skipper. Aber für jeden von uns war’s die erste Atlantik-Überquerung“, betont Wolfgang Schulze.

Er selbst segelt seit 40 Jahren. Seine Eltern waren Dauercamper am Knappensee bei Hoyerswerda. „Schon als Kind habe ich immer ganz interessiert zugeguckt, was die Segler machen“, erinnert er sich. Mit Anfang zwanzig kaufte er sich ein kleines gebrauchtes Boot. Den Umgang damit brachte sich Wolfgang Schulze anfangs mit Hilfe von Büchern selbst bei. Um auf öffentlichen Gewässern und später auf dem Meer unterwegs sein zu dürfen, erwarb er bei Lehrgängen die notwendigen Berechtigungen. „Bis zur Wende bin ich jedes Jahr auf dem Knappensee rumgesegelt“, erzählt Wolfgang Schulze. Dann unternahm er mit Bekannten mit einem gecharterten Schiff die erste Tour auf der Ostsee.

Das Segeln auf dem offenen Meer mit den Wellen und Strömungen begeisterte ihn noch mehr als das Kreuzen auf dem ruhigen Knappensee. Seitdem schippert er zweimal pro Jahr eine Woche lang auf einem Meer herum; anfangs immer wieder auf der Ostsee; zum Beispiel nach Schweden und um die dänische Insel Fünen. Heute ist er öfter mal im Mittelmeer oder der Gegend von Kroatien anzutreffen. Am Segeln auf See begeistert ihn vor allem „das Erleben der Natur in ihrer reinsten Form“. „Der Weg ist das Ziel“, sagt der Thürmchen-Wirt dazu. Bei einer Tour durch die Kanarischen Inseln lernte der Schirgiswalder vor acht Jahren erstmals den Atlantik kennen. „Damals war es ziemlich stürmisch“, erinnert er sich. Für ihn war das eine gute Vorbereitung. Denn auch die ARC 2014 begann mit sehr starkem Wind und hohen Wellen. Deshalb wurde der Start von der Rallye-Leitung sogar um einen Tag verschoben.

„Als wir dann mit 200 anderen Schiffen losgesegelt sind, das war ein Wahnsinnsgefühl. Der Hafen war voller Menschen, die uns zujubelten“, schwärmt Wolfgang Schulze. Das Starterfeld zerstreut sich schnell. „Spätestens am zweiten Tag sieht man kein anderes Boot mehr. An zwölf Tagen waren wir völlig allein“, berichtet der Schirgiswalder. Denn jedes Team nimmt seine eigene Route. Wolfgang Schulze und seine Mitstreiter richteten sich bei der Streckenwahl vor allem nach den Hinweisen eines Wetterexperten, der selbst Segler ist und ihnen vom Land aus übers Satellitentelefon detaillierte Vorhersagen zukommen ließ. So konnten sie auch kleinere günstige Wetterfenster nutzen, um immer möglichst schnell zu sein. „Anfangs wollten wir eigentlich nur heil über den Atlantik kommen und nicht gerade Letzter werden. Aber nachdem wir am vierten Tag erfahren hatten, dass wir in unserer Bootsklasse zu der Zeit auf dem dritten Platz liegen, packte uns alle heftig das Regatta-Fieber“, erzählt der 62-Jährige.

Auch einige kritische Situationen gab es zu bewältigen. In der zweiten Nacht hätte beinahe ein Katamaran das Boot gerammt. Wolfgang Schulze, der zu dieser Zeit Wache hatte, konnte die Kollision durch geschicktes Ausweichen gerade noch verhindern. Ein andermal fiel die Lichtmaschine des Bootes aus; wodurch kein Strom mehr produziert wurde. Um die Batterien zu schonen, wurde der Energieverbrauch so weit wie möglich reduziert – zuerst der Kühlschrank ausgeschaltet, dann nach und nach die Navigationsinstrumente, der Funk und die Lichter. „Zwei Tage lang ging es im totalen Blindflug über den Atlantik. Dann hatten wir die Lichtmaschine endlich wieder zum Laufen gebracht“, berichtet Wolfgang Schulze. Auch einen plötzlichen Wassereinbruch im Boot konnte die Crew glücklicherweise ziemlich schnell beseitigen.

Nach 18 Tagen auf See und einem packenden Schluss-Duell mit einem anderen Boot belegten Wolfgang Schulze und seine Mitsegler schließlich den vierten Platz in ihrer Klasse und den 50. in der Gesamtwertung. „Das muss uns erst mal jemand nachmachen mit einem ganz normalen Tourenboot, wo doch viele Rennboote dabei waren“, sagt der Schirgiswalder stolz. Viel wichtiger als die Platzierung sind ihm jedoch die unvergesslichen Erlebnisse. „Die unendliche Weite des Atlantiks ist so beeindruckend. Es gibt da Wellentäler, die sind so groß wie ganz Schirgiswalde. Die eigene Geringfügigkeit in diesem großen Raum zu spüren, tut gut“, sagt Wolfgang Schulze. Er ist sich mit der Crew einig: „So etwas machen wir wieder mal.“

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