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ImkersuchenAlternativezu Genmais-Anbau

Zwei Probleme machen den Imkern im Großenhainer Raum zu schaffen: der Einsatz von gebeiztem Saatgut und der Anbau von genverändertem Mais. Beizmittel, wie das Nervengift Chlotianidin, schädigen ihre Bienenvölker direkt.

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Zwei Probleme machen den Imkern im Großenhainer Raum zu schaffen: der Einsatz von gebeiztem Saatgut und der Anbau von genverändertem Mais. Beizmittel, wie das Nervengift Chlotianidin, schädigen ihre Bienenvölker direkt. Bei der Blüte von so genanntem Bt-Mais gelangt Gen-Pollen in den Honig – mit bisher kaum abschätzbaren Folgen für die Bienen, aber auch für den Verbraucher.

Boden gezielt düngen

Um die Problematik auszudiskutieren, hatte der Nebenerwerbs-Imker Christian Opelt kürzlich zu einem Forum nach Thiendorf eingeladen. Im Gasthof Schurig wollte er unter der Überschrift „Bienenhaltung und Landwirtschaft“ beide Parteien an einen Tisch bringen. Im Grunde ging es darum, den Agrarbetrieben der Großenhainer Pflege eine Alternative zum Genmais-Anbau und zum Einsatz giftiger Pflanzenschutzmittel anzubieten.

Obwohl der Bienenzüchter aus Brößnitz alle Landwirte der Region direkt eingeladen hatte, fanden sich im Vereinszimmer nur etwa ein Dutzend Leute ein. Bis auf wenige Bauern, die ohnehin ökologisch wirtschaften, bleiben die Angesprochenen der Veranstaltung fern.

Opelts Trumpf sollte der Chef der Dittmannsdorfer Agrargenossenschaft Rainer Kirste werden. Der konventionelle Landwirt aus dem Raum Freiberg hat Schritt für Schritt auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichtet. Stattdessen setzt er auf eine gezielte Düngung des Bodens, die es den Kulturen ermöglicht, die Nährstoffe auch wirklich aufzunehmen.

Gesunde Böden bringen gesunde Pflanzen hervor, die den Schädlingen ausreichend Widerstand entgegensetzen, so das Credo Rainer Kirstes. So könne man auch ohne Pflanzengifte hohe Erträge erzielen. Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais etwa, der die Resistenz gegen den Maiszünsler zum Ziel hat, sei damit überflüssig.

„Einige Bauern aus der Region behaupten, sie hätte keine Alternative, wenn sie stabile Erträge erzielen wollen“, sagt der Waldaer Diplom-Landwirt Günter Bennewitz. „Wir wollen zeigen: Es gibt eine.“ Bennewitz zielt damit vor allem auf Genmais-Pionier Manfred Engelmann von der Agrargenossenschaft Skäßchen. Engelmann schwört auf den Anbau von Bt-Mais, weil er damit Ertragssteigerungen von bis zu 20 Prozent erzielt. Jetzt suchen die Genmais- und Pflanzengift-Gegner in der Region nach einem Landwirt, der Kirstes bodenschonende Anbaumethode anwendet.

Finanzielle Argumente nötig

Die Forderung vieler Bienenzüchter, die konventionellen Agrarbetriebe müssten wieder naturnäher wirtschaften, fand allerdings auch bei Kirste keinen Widerhall. Die wirtschaftliche Situation gestatte es nicht, auch noch an die Artenvielfalt zu denken. Wolle man die Landwirte überzeugen, auf gentechnisch veränderte Pflanzen zu verzichten, dann eher mit finanziellen Argumenten. Etwa damit, dass die Haftpflichtversicherung keinen Cent erstattet, wenn ein benachbarter Biobauer einen Genmais-Anbauer erfolgreich auf Schadensersatz verklagt. M. Müller