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In Ludwigsdorf steht eine der schönsten Mühlen Deutschlands

Eine Serie widmet sich den bestehenden und den vergessenen Denkmalen. Heute: Mühle Ludwigsdorf

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Von Erich Feuerriegel

Dort, wo der Neißearm in Ludwigsdorf am dichtesten an die Neißetalstraße heranführt, befindet sich Haus Nummer 33. Es ist ein besonderes Gebäude und ein technisches Denkmal zugleich – die Kunstmühle. Ihre Bezeichnung verdankt sie der Tatsache, dass sie mit fünf Mahlwerken und fünf Wasserrädern ausgestattet ist.

Im Gegensatz zu anderen Orten, wo die Mühle meist etwas außerhalb zu finden war, liegt diese Kunstmühle innerorts. Diese Besonderheit ist darauf zurückzuführen, dass das von der Neiße kommende Wasser ein Gefälle von drei Metern hat und daher die nötige Fließgeschwindigkeit erreicht.

In Ludwigsdorfer alten Urkunden ist schon immer auch von einer kleinen Wassermühle die Rede. Entsprechende Unterlagen von 1584 weisen einen Erweiterungsbau des Neißewehres nach, während 1606 erstmals die Renovierung der Mahlmühle erwähnt wird. Wie eine Zeichnung nachweist, wurde dann 1649 das Wehr erneuert. An dem wurde 1800 ein großes, per Wasserrad angetriebenes Knochenstampfwerk errichtet, welches später zu einer Graupenmühle umgebaut wurde. Diese findet 1879 bei einer Verpachtung Erwähnung. Im gleichen Jahr wurde neben der heutigen Kunstmühle ein Spinnereigebäude erbaut.

Für die Witwe Schiller fertigte der königliche Wasserbau-Inspektor 1853 die Wert-Taxe der Wasserkraft an. Ihrer fünf französischen Mahlgänge wegen wird die Mühle 1857 erstmals als Kunstmühle bezeichnet. Bei der 1858 erfolgenden Mühlenkonstruktion erhält sie die fünf Wasserräder. Außerdem wird zur gleichen Zeit die Existenz einer Dampfmühle erwähnt. 1899 kauft Robert Pohl die Mühle, deren Sicherstellungsurkunde für Wasserkraft 1920 im Wasserbuch hinterlegt wird. Bei einem Brand 1929 wurde die Mühle vollständig vernichtet und ein Jahr später durch den Mühlenbau Dresden mit einer Tagesleistung von 15 Tonnen neu aufgebaut. Die dem technischen Stand von 1920 entsprechende Mühleneinrichtung ist in einem nicht durch Brandmauern getrennten Gebäude untergebracht. Im Erdgeschoss befindet sich die Haupttransmission, über welche alle Maschinen und Untertransmissionen angetrieben wurden. Im ersten Obergeschoss ist der das Herz einer Mühle bildende Walzenboden untergebracht, wo die Zerkleinerung des Getreides erfolgte. Die darüberliegende Etage beherbergt den Rohrboden, wo die Produkte über Rohre zusammengeführt wurden. In der vierten Etage schließlich wurde das zerkleinerte Mahlgut durch Sieben und Sichten in Fraktionen getrennt, die dann teilweise getrennt vermahlen wurden. Nachdem 1956 eine größere Wehrreparatur und Uferbefestigung am Wehr erfolgt war, übernahm 1978 Dietmar Dörfer die Mühle von seinem Schwiegervater, um 1993 eine neue Mahlungsanlage für Weizen mit einer Tagleistung von 45 Tonnen einzubauen. 1997 stellte er aus wirtschaftlichen Zwängen heraus die Produktion von Mehl ein und verkaufte die Weizenmühle nach Litauen. 2000 errichtete er ein neues Kraftwerk an der Neiße.

Inmitten der funktionstüchtigen Mühlentechnik aus den 1920er Jahren nutzt er seit 1999 den Walzenboden sowie auch die darüberliegenden Räume für vielseitige Veranstaltungen, die großen Anklang finden. In technischer Hinsicht stellt die Mühle heute eine der schönsten in Deutschland dar und zieht bis zum heutigen Tag auch fast täglich viele interessierte und begeisterte Touristen an.