merken
PLUS

In Pohlacks Haus

Das Haus des Ex-OBs auf der Meißner Freiheit hat neue Eigentümer. Die wohnen schon dort – und haben viele Pläne.

© hübschmann

Von Anna Hoben

Sie konnten nur gewinnen: Kurz nach ihrem Einzug gingen Martin Lehmann und seine Frau Stephanie Bogin mit selbst gebackenen Keksen in der Nachbarschaft von Haus zu Haus. Sie ist Amerikanerin und hatte Cookies gemacht, mit Schokoladenstückchen drin.

Technische Universität Dresden
TU Dresden News
TU Dresden News

Was passiert an der Exzellenzuniversität TU Dresden? Aktuelle News und Informationen finden Sie in unserer Unternehmenswelt.

Der Erker ist der markanteste Teil des Gebäudes. Das Fachwerk wurde bei einer Untersuchung auf 1347 datiert. Die andere Haushälfte kam in der Renaissance dazu.
Der Erker ist der markanteste Teil des Gebäudes. Das Fachwerk wurde bei einer Untersuchung auf 1347 datiert. Die andere Haushälfte kam in der Renaissance dazu. © hübschmann

Seit April wohnt das Paar mit Lehmanns achtjährigem Sohn im Domherrenhaus auf der Freiheit Nummer 6. Beide sind von Beruf Restauratoren und haben das Haus schon Anfang 2012 erworben. Die erste Etage ist bereits komplett saniert, hier sind die Privatwohnung der Familie und das gemeinsame Büro untergebracht. Die übrigen Etagen werden jetzt ausgebaut; jeweils zwei Miet- und Ferienwohnungen sollen entstehen. Alles nach und nach, wie die Finanzen es zulassen – und die Zeit. Denn außer Elektrik und Heizung machen die neuen Eigentümer das meiste selber. „Und bei einem solchen Objekt sollte man nichts überstürzen“, sagt Martin Lehmann.

Aus jeder Epoche etwas

Das herrschaftliche Haus mit etwa 700 Quadratmetern Wohnfläche hatte zuvor jahrelang leer gestanden. Es gehörte einst der Familie des ehemaligen Meißner Oberbürgermeisters Thomas Pohlack, der dort allerdings nie wohnte. Wegen des Kaufpreises in den 1990er Jahren, Vorwürfen der Kungelei und umstrittener Fördermittelzahlungen war das Denkmal-Objekt wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Zuletzt hatte eine Dresdner Maklerin die Immobilie für 330 000 Euro angeboten.

„Es gab wohl Befürchtungen, dass ein Hotel reinkommen soll“, sagt Martin Lehmann. Das ginge allerdings gar nicht, allein schon wegen des Brandschutzes, da hätte man zu viel verändern müssen. Es sei der früheren Eigentümerin Rosemarie Pohlack – sie arbeitet als Landeskonservatorin des Freistaates – wichtig gewesen, dass die Restaurierung gewissenhaft weitergeführt werde. „Und wir hatten schon immer den Traum, ein älteres Haus zu erwerben und auszubauen.“ Dass es Meißen wurde, sei Zufall gewesen, das Domherrenhaus bezeichnet Lehmann als „Glücksfall“.

Ein Rundgang mit dem neuen Eigentümer. „Das Fachwerk ist der älteste Teil des Gebäudes“, erklärt er. Dessen Decke sei bei einer Untersuchung auf das Jahr 1347 datiert worden. Vor Kurzem hat die Familie dort einen Adventsstern aufgehängt. „Wir wollen zeigen, dass das Haus wieder bewohnt ist“, sagt Lehmann und lächelt. Die andere Hälfte des zweigeteilten Gebäudes kam während der Renaissance dazu. Auch drinnen kann man die unterschiedlichen Epochen nachvollziehen. Zum Beispiel an den Stuckdecken – Barock.

Martin Lehmann stammt aus Chemnitz und hat in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste studiert. Mit seiner Frau hat der 38-Jährige sich auch beruflich zusammengeschlossen, als „Freie Restauratoren Meißen“, spezialisiert auf Wandmalereien und Denkmalpflege. Während Stephanie Bogin oft im Ausland unterwegs ist, etwa in Indien oder Tadschikistan, arbeitet Lehmann zurzeit an der Restaurierung der Kapelle von Schloss Colditz bei Grimma mit. In Dresden  war er zuletzt an den Arbeiten im Zwinger beteiligt.

In der Freizeit wird dann an der eigenen Baustelle in Meißen weitergewerkelt. „Wir haben vor allem den vergangenen Winter genutzt“, sagt der neue Hausherr. Als die erste Etage schließlich fertig war und es an die Einrichtung der Wohnung ging, verkaufte das Paar erst einmal seine Ikea-Möbel. „Wir haben gemerkt, die Sachen passen hier einfach nicht rein.“ Fortan stöberten sie nach passenden Antikmöbeln, die sie dann aufarbeiteten.

Der Eingangsbereich: „Hier müssen wir uns am meisten Zeit lassen“, sagt Martin Lehmann. Denn es sind noch wahre Schätze zu entdecken, zum Beispiel Wandmalereien. Um sie freizulegen, will er Fördermittel beantragen. „Ansonsten bleiben sie erst einmal unter dem Putz bewahrt.“ An der Decke deutet sich außerdem ein Wappenfries an – ein Hinweis auf den ursprünglichen Besitzer.

Projekt zweite Etage

Aus dem Wohnbereich heraus: ein atemberaubender Blick auf Dom und Burgberg. Eine große amerikanische Küche, auf dem Tisch liegen Exemplare der Zeitschrift „The New Yorker“. Auf der anderen Seite, im Fachwerk-Bereich, befindet sich das Büro. „Ich ärgere mich, dass ich kaum Fotos von davor habe“, sagt Martin Lehmann. „Der Zustand war furchtbar.“ Jetzt sind hier Schreibtische, Ordner, Bücher – und sogar Mikroskope für Untersuchungen. Irgendwann wollen die beiden im Erdgeschoss ein richtiges Labor einrichten.

Als nächstes aber bauen sie die zweite Etage aus: Schon im Juni soll die Wohnung fertig sein, dann wird ein Mieter gesucht. Der Grundriss ist gleich wie im ersten Stock, 150 Quadratmeter. Nur der Blick ist vielleicht noch besser. „Wir sind auch schon ein bisschen neidisch“, sagt Martin Lehmann. Auch im Erdgeschoss soll eine Mietwohnung mit zwei Räumen entstehen. Dazu sollen zwei Ferienwohnungen kommen, „mit höherem Standard“.