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Innenminister sollten verbal abrüsten

über verschärfte Auflagen für Fußball-Fans

Sven Geisler

Kreisende Hubschrauber, berittene Polizei im Wohngebiet, mit Einsatzwagen vollgeparkte Straßen, heulende Sirenen – das erlebten Anwohner am Sonnabend wieder rund um das Dynamo-Spiel gegen Kaiserslautern. Um es vorwegzunehmen: Weder im Stadion, in dem der Fußball ein Fest feierte, noch außerhalb kam es zu nennenswerten Vorkommnissen. Ob das Großaufgebot dafür notwendig war, sei dahingestellt.

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Unangenehm ist es für alle – unbescholtene Fußall-Fans, unzufriedene Beamte und vor allem unbeteiligte Stadtbummler. Deshalb wirft mal wieder ein Politiker einen Vorschlag in die Runde, fordert bei sogenannten Risikospielen mehr Kontrollen für Anhänger, die ihren Verein bei Auswärtsfahrten begleiten. Boris Pistorius, Vorsitzender der Innenminister-Konferenz, fordert nach niederländischem Modell, die Karten erst nach Identifizierung am Spielort auszugeben. Also personalisierte Tickets und Personenkontrollen am Einlass.

Er begründet das mit unfassbarer Gewalt, die immer wieder passiere. Das ist unbestritten. Die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen in Dresden waren zweifellos eine Vorsichtsmaßnahme aus Sorge vor Racheakten der Gäste-Anhänger für die widerlichen Angriffe Krimineller im Dynamo-Gewand in Kaiserslautern beim Hinspiel im Februar. Das Problem: Kein einziger Täter konnte überführt und bestraft werden. Das aber wäre der Sache dienlicher, als alle Fans unter Generalverdacht zu stellen und sie ans Gängelband legen zu wollen.

Pistorius meint, wer die Vorfälle sehe, fühle sich wie im Krieg. Das mag der Einzelne so empfinden, angemessen ist ein solcher Vergleich trotzdem nicht. Wie wäre es deshalb, erst einmal verbal abzurüsten? Es geht nicht etwa darum, irgendwelche Vorkommnisse zu bagatellisieren, aber sie sollten sachlich analysiert und differenziert beurteilt werden. Die pauschale Behauptung, es werde immer schlimmer, dient jedenfalls weder der Ursachenforschung noch der -bekämpfung.

Immerhin hat Pistorius erkannt, dass Fanprojekte den Kern der Straftäter nicht erreichen können. Das wirft jedoch die Frage auf, was die Politik tut, außer Maßnahmen zu fordern, die alle Fans und damit auch unzählige Unschuldige treffen. Darauf sollten die Innenminister Antworten geben können.