merken
PLUS

Insolvenz mit Happy-End

Das Druckhaus Central in Rammenau hat einen neuen Eigentümer. Er sieht gute Chancen – auch weil er das Unternehmen breiter aufstellen wird.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Begeistere deinen Verstand!

Wissensdurst? Wir stillen ihn - im deutschen Hygienemuseum.

Rammenau. Die Beschäftigten des Druckhauses Central mit Sitz in Rammenau schauen wieder nach vorn: In ihrem Unternehmen geht es mit einem neuen Eigentümer weiter. Der Dresdner Carsten Puhlmann kaufte den Betrieb aus der Insolvenz heraus. „Wir haben sehr gut zu tun. Die Auftragsbücher sind voll“, sagte Carsten Puhlmann in dieser Woche der SZ.

Er übernahm acht von zuletzt elf Mitarbeitern der vorherigen Eigentümergesellschaft. Die Auswahl, wer bleiben darf, habe nicht er, sondern der Insolvenzverwalter getroffen, sagte der neue Eigentümer. Er möchte zum einen das Druckhaus Central mit seinem bisherigen Portfolio – dem Drucken von Formularen, wie zum Beispiel Briefköpfen, Überweisungsträgern, Schecks und Wertgutscheinen, Kunden- und Visitenkarten – fortführen. Zum anderen sollen mit dem Digitaldruck neue Geschäftsfelder hinzukommen. Dadurch ist es möglich, künftig auch Broschüren, Faltblätter, Mappen und Bücher in Rammenau zu drucken. Das geht von großen bis zu ganz kleinen Auflagen. „Wir runden damit unser Leistungsspektrum ab und wollen den Betrieb zukunftssicher aufstellen“, sagt Carsten Puhlmann.

Er sieht sich als Teamplayer. Nicht er, sondern der Betrieb stehe im Vordergrund, sagt er mehrfach im SZ-Gespräch. Und er fügt hinzu: „Unser wichtigstes Kapital sind unsere Kunden und unsere Mitarbeiter.“ Die Kunden, die in ganz Deutschlands zu Hause sind, hielten der Druckerei auch während der Insolvenz die Treue. Zudem gelang es dem Insolvenzverwalter, in kurzer Zeit einen Käufer zu finden. Ende April hatte die Druckhaus Central GmbH Insolvenz angemeldet. Carsten Puhlmann kaufte nicht die Gesellschaft, sondern den Betrieb. Eigentlich war er nur auf der Suche nach einer Halle, berichtet er. Doch der Insolvenzverwalter habe ihn davon überzeugt, dass es in Rammenau „einen Super-Betrieb“ mit gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern gibt. Die IHK und ein Beratungsunternehmen halfen mit ihrem Know-how bei der Übernahme.

Kleine Auflagen produzieren

Lange Tradition

In den 1930er-Jahren wurde an der Neustädter Straße in Bischofswerda die Druckerei Petzold gegründet.

In der DDR wurde die Firma verstaatlicht und als Industriedruck geführt.

Nach der Wende wurde der Betrieb dem früheren Eigentümer rückübertragen. Der hatte maßgeblichen Anteil daran, dass das Unternehmen ab 1992 als Druckhaus Bischofswerda den Übergang zur Marktwirtschaft erfolgreich bewältigte.

2013 verkaufte Rolf Petzold Haus und Grundstück an Friedrich Kirchner, Miteigentümer einer Parkettschleifmaschinenfabrik.

Ende 2015 zog das Druckhaus nach Rammenau um.

Seit Herbst 2017 trägt die Firma den Namen Druckhaus Central.

Im April 2018 meldete die Druckhaus Central GmbH Insolvenz an.

Seit dem 2. Juli 2018 ist Carsten Puhlmann Inhaber des Betriebes.

1 / 8

Carsten Puhlmann besitzt in Dresden eine Druckerei. Beide Unternehmen, CP Werbung mit sechs Mitarbeitern in der Landeshauptstadt und das Druckhaus Central in Rammenau, ergänzen sich. Von der Zusammenarbeit verspricht er sich Synergien. Zu den Kerngeschäften seiner Dresdener Firma gehört ein Lettershop. Geschäfts- und Behördenpost, Werbemailings, Bank- und Scheckvordrucke, Tagungsunterlagen und andere Drucksachen werden – auch personalisiert – dort gedruckt, adressiert, kuvertiert und versandt. Künftig soll es hier eine Arbeitsteilung geben: der Druck in Rammenau, der Versand in Dresden. Dort sitzt CP Werbung in Nähe der Autobahn 4. „Wenn die frei ist, fährt man 20 Minuten vom einen zum anderen Betrieb“, sagt der 48 Jahre alte Unternehmer. Trotz wachsender Digitalisierung aller Lebensbereiche ist er zuversichtlich: Dienstleistungen, wie sie seine Firmen anbieten, werden auch in Zukunft gebraucht. Das Drucken von Formularen, das in Deutschland kaum noch eine andere Druckerei anbietet, und die Möglichkeit, auch kleine Auflagen kostengünstig zu produzieren, sind Stärken, die man nutzen und ausbauen möchte.

Das Unternehmen in Dresden stößt räumlich an seine Grenzen. Deshalb sollen in den kommenden Monaten rund 20 Maschinen nach Rammenau umgesetzt werden. Bei steigender Auftragslage könnte in Zukunft auch die Belegschaft wachsen. Aktuell sucht Carsten Puhlmann einen Offsetdrucker – und noch für das bevorstehende Ausbildungsjahr einen Lehrling in diesem Bereich. Der Firmenchef selbst erlernte das Druckereihandwerk von der Pike auf. Er ist von Haus aus Schriftsetzer.

Das Druckhaus Central ging aus dem Druckhaus Bischofswerda hervor. Mehrere Mitarbeiter sind mit dem Unternehmen seit Jahrzehnten verbunden. Ende 2015 zog das Druckhaus ins Rammenauer Gewerbegebiet um. Seit dem Jahr 2017 firmiert es als Druckhaus Central – in Anlehnung an den einstigen Hauptgesellschafter, das Handelshaus Central Weimar, das wiederum mehrheitlich dem Trägerwerk Soziale Dienste in Dresden gehört. Das Trägerwerk ist und bleibt Eigentümer der Immobilie in Rammenau. Das Druckhaus mietet die Räume. Am Namen Druckhaus Central hält Carsten Puhlmann fest. Bei den Kunden sei dieser Name eingeführt, sagt er. Bald vielleicht nicht mehr nur in Deutschland. Es gibt mittlerweile auch eine Anfrage von einer Schweizer Bank, die in Rammenau Formulare drucken lassen möchte.

www.druckhaus-central.de