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Internet, Eierlaufen und Cannabis

Das Weiße Haus in Radebeul wurde politisch. Am Freitag trafen Jugendliche und Politiker bei der U-18-Wahlparty aufeinander.

Martin Wengenmayr (Grüne) (2.v.l.) und Berthold Pursche (FDP) (re.) mit Jugendlichen beim Eierlaufen zur U-18-Wahlparty im Weißen Haus.
Martin Wengenmayr (Grüne) (2.v.l.) und Berthold Pursche (FDP) (re.) mit Jugendlichen beim Eierlaufen zur U-18-Wahlparty im Weißen Haus. © Arvid Müller

Von Beate Erler

Mit 15 Jahren wollten beruflich alle etwas anderes machen: Übersetzer statt Social-Media-Manager, Auslandskorrespondentin statt einem Job bei den Johannitern, Grafikdesignerin statt Pharmazeutin. 

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Die Jugendlichen vorm Weißen Haus in Radebeul hören, dass auch bei Politikern nicht alles nach Plan läuft. Sie erfahren, dass Gräfin Cosel das Vorbild der CDU-Abgeordneten Daniela Kuge ist: „Die hat schon damals gerne die Männer gequält“, sagt sie, lacht und ergänzt noch, dass sie oft unglaublich lustig ist.

Die Vorstellungsrunde zu Beginn der U-18-Wahlparty am Freitagabend im Radebeuler Jugendzentrum soll die Berührungsängste zwischen den Jugendlichen und den anwesenden Politikern etwas abbauen. Leger stehen die Kandidaten mit Limo- oder Bierflaschen, alkoholfrei natürlich, auf der Bühne aus Euro-Paletten.

Das Jugendforum im Landkreis Meißen hat die U-18–Wahlparty organisiert. Insgesamt neun Politiker von CDU, FDP, Grünen, AfD, Die Linke und SPD sind gekommen. Shuttlebusse fuhren drei Routen im Landkreis ab, damit die Jugendlichen von außerhalb bequem zur Veranstaltung kommen konnten.

Für jeden gab es einen Essens-, Getränke- und Eisgutschein. Trotzdem sind die Jugendlichen an diesem Abend, eine Woche vor der Landtagswahl, nicht gerade zahlreich erschienen. Dabei gehen doch viele freitags auf die Straße, um sich politisch zu zeigen.

Saskia Dürr darf am 1. September bei der sächsischen Landtagswahl zum ersten Mal wählen und hat die Wahlparty mitgeplant und organisiert: „Wir sind froh, dass überhaupt jemand gekommen ist“, sagt die 18-jährige Weinböhlaerin. Sie wird den Abend moderieren und hat sich auch eine Frage für die FDP-Kandidaten überlegt. Sie will von ihnen wissen, was sie von der Fridays-for-Future-Bewegung halten. Aber interessieren sich die Jugendlichen, abgesehen von diesem allgegenwärtigen Thema, politisch auch für andere Dinge?

Nach der Spaßolympiade, in der Jugendliche gegen Politiker im Zungenbrechen, Dosenwerfen und Eierlaufen antreten, wird sich das zeigen. Denn jetzt startet die Diskussionsrunde, in der die jungen Leute die Politiker löchern dürfen. „Wann haben wir endlich überall Internet und nicht nur E-Netz oder gar kein Netz?“, will ein Jugendlicher wissen. 

Sophie Koch von den Jusos Sachsen will mehr Fördergelder für den Ausbau bereitstellen. „Das ist ein Grundbedürfnis unserer aktuellen Zeit“, sagt Martin Bahrmann von der FDP. Die Politik habe ihre Arbeit aber gemacht, denn es hänge derzeit deshalb, weil sich keine Firmen für die Erschließung finden.

Sollte Cannabis nicht besser legalisiert werden? Ist die Lohnanpassung Ost-West nicht längst überfällig? Wären die Klimastreiks am Wochenende, würden sie dann überhaupt jemanden interessieren? Gibt es andere Möglichkeiten der Bewertung im Kunst-, Musik- und Sportunterricht? Das sind die Fragen an diesem Abend.

Seit Juli gab es für Jugendliche in Sachsen, die noch nicht offiziell wählen dürfen, außerdem die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Der Kinder- und Jugendring Sachsen e. V. hat die U-18-Landtagswahl mit 214 Wahllokalen in Jugendtreffs, Schulen und Museen organisiert. Am Freitag war Wahlschluss: 25 Wahllokale haben die Teilnahme bereits veröffentlicht. Hier haben 950 Jugendliche ihre Stimme abgegeben. 

Im Weißen Haus in Radebeul wären an einem Tag immerhin 76 Jugendliche da gewesen, um sich an der Wahl zu beteiligen, sagt Petra Seipolt vom Kreisjugendring Meißen. Die Ergebnisse werden am Mittwoch in einer Pressekonferenz zur U-18-Wahl bekannt gegeben.

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