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Meißen hat mehr Potenzial

30 Jahre Tourimusverein: Im Interview erzählt Vorsitzende Jeanette Ender, wie die Stadt noch stärker Touristen locken kann.

Jeanette Ender wünscht sich vor allem, dass vermehrt jüngere Leute nach Meißen kommen.
Jeanette Ender wünscht sich vor allem, dass vermehrt jüngere Leute nach Meißen kommen. © Claudia Hübschmann

Frau Ender, wann haben Sie das letzte Mal Urlaub in einer Kleinstadt gemacht?

Im April in Rüdesheim am Rhein. Wir hatten eine Reise nach Krakau geplant, anlässlich des Geburtstags von August dem Starken vor 350 Jahren. Aufgrund der Corona-Situation war uns das jedoch zu unsicher.

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Was macht Kleinstädte wie Rüdesheim, aber auch Meißen in Ihren Augen so anziehend?

Eine Großstadt ist anonym, eine Kleinstadt nicht. Wenn Sie nach Meißen gehen, haben Sie überall kleine Geschäfte. Da gibt es zum Beispiel den Weinhandel in der Elbstraße. Oder die Geschäfte in der Burgstraße, die wirklich noch zum Teil privat geführt werden. Die ums Überleben kämpfen, teils seit mehreren Familiengenerationen. Das ist das Besondere und zeichnet die Einzigartigkeit einer Kleinstadt aus.

 In der Großstadt gibt es eher große Ketten und Kommerz. In Meißen gibt es das Individuelle, das andere Flair, das Familiäre. Viele sagen vielleicht verächtlich, das ist kleinstädtisch oder dörflich. Aber genau das Ambiente genießen die Besucher Meißens.

 Da fühlen sich die Gäste geborgen und willkommen. Sie sitzen auf dem historischen Markt, und es ist einfach schön. Die Frauenkirche mit dem Porzellanglockenspiel ist im Blick. Die Restaurants sind überschaubar, dafür aber sehr individuell. Mit einer sehr guten Qualität, weil es nicht so viele gibt. Man legt viel Wert auf Regionalität. Ich bin 2014 von Dresden mit meinem Mann bewusst nach Meißen gezogen. Hier wohnen wir im Paradies.

Was hat sich in den vergangenen Jahren im Tourismusgeschäft geändert?

Christian Friedel, der Amtsleiter des Amtes für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur, ist sehr bemüht. Er stellt Meißen breit auf. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit dem Elbland-Tourismusverband und mit dem Kunstverein. Meißen präsentiert sich bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin. 

Meißen ist überregional im Gespräch. Es gibt viele Aktionen. Der Grafik-Markt, der Grünmarkt, Mit Zahnrad und Zylinder, die Lange Nacht der Kunst und Kultur, die Neuen Burgfestspiele, der Tag der offenen Weingüter, das Weinfest, der Elbtalweinlauf und so weiter. Alles wird fleißig beworben, um Gäste zu motivieren, Meißen zu besuchen. Es geht schon voran. Meißen hat ein großes touristisches Potenzial.

Welche Ideen haben Sie denn, Touristen in Meißen zu halten?

Wir müssen Projekte schaffen, die einmalig sind und überregionales Interesse wecken. Der Weltkulturerbe-Titel ist dabei ein wichtiger Baustein. Eine weitere Aufgabe sehe ich darin, Gäste zu werben, die einen längeren Aufenthalt in Meißen erwägen. Dafür benötigen wir noch Infrastruktur, um auch die Pauschalreisenden für einen längeren Meißen-Besuch gewinnen können. 

Auch unsere unmittelbaren Nachbarn sind dabei von touristischem Interesse. Für einen Kurztrip in die Porzellan- und Weinstadt an der Elbe, eine Shoppingtour, ein Wein-Wochenende, einen Museums- oder Theaterbesuch. Für diese Akquise sind vor allem die neuen Medien interessant, um gezielt die jüngere Generation zu gewinnen. Dabei ist an erster Stelle eine Zusammenarbeit mit den kleinen, individuellen Leistungsträgern wichtig.

Welche Potenziale gibt es noch in der Stadt?

Wir möchten auch die Begeisterung bei den Meißnern für ihre eigene Stadt entfachen. Dass sich die Bürger auf die Werte besinnen, die sie umgeben. Wo ihr Lebensmittelpunkt ist. Wir wollen mehr junge Menschen gewinnen, auch für unseren Verein. Sie sind die zukünftigen Wegbereiter und Konsumenten. 

Dafür benötigen wir nachhaltige und effektive Konzepte. Die Beach-Bar allein genügt nicht. Früher gab es Jugendreisen. Wir müssen attraktive Projekte entwickeln, um Jugendliche zu inspirieren, nach Meißen zu reisen. Die Albrechtsburg als Wiege der Sachsen gehört zur Allgemeinbildung. 

Da kann man vielleicht landesweit ein touristisches Bildungskonzept entwickeln, um die wichtigsten, geschichtlichen Orte kennenzulernen. Bildungsreisen zum Beispiel. Natürlich gibt es die Kinderführungen, oder den Ferienkalender. 

Die Stadt bemüht sich sehr. Es gibt das Konzept, der Neugestaltung des Siebeneichener Parks und der Elbwiesen. Darin sehe ich zum Beispiel auch eine gute Perspektive.

Welche Konsequenzen hat die Insolvenz der Sächsischen Dampfschiffahrt?

Das ist sehr schade. Alle Beteiligten und davon Betroffenen sollten sich an einen Tisch setzen, um zu überlegen, wie die Sächsische Dampfschiffahrt mehr ausgelastet werden kann. Wir sind in Meißen ein wenig abgehängt. Die Gäste fragen danach. 

Am meisten leidet Diesbar-Seußlitz. Es gibt einen Schaufelraddampfer „Diesbar“. Das Schiff müsste schon bis dahin fahren. Dort gibt es das Schloss mit einem wunderschönen Ambiente und die Weinstraße. Die Schaufelraddampfer müssen auf der Elbe bleiben. Das ist jahrzehntelange Tradition, die gilt es zu bewahren und effektiv zu vermarkten.

Warum engagieren Sie sich für Meißen?

Ich bin Künstlerin und mit meinem Mann sehr viel gereist. Wir betreiben seit 1999 ein Tournee-Theater und haben schon viele Städte besucht. Warum ist vielen außerhalb das Kleinstadt-Flair bei uns bewusst? Vergleichbar mit Rothenburg ob der Tauber, Bad Wimpfen oder Heidelberg. Meißen liegt im Elbtal, mit unverbauten Elbhängen. Das ist sensationell. 

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Das Gespräch führte Martin Skurt.

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