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Invasion der Waschbären jetzt auch im Oberland

Die Zahl der kleinen Raubtiere nimmt deutlich zu, auch in Cunewalde. Die Gemeinde geht dagegen an – vorerst mit Worten.

Von Katja Schäfer

So eine Schweinerei! Warum räumen die Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht weg? So ärgerten sich einige Gartenbesitzer in Weigsdorf-Köblitz, als wiederholt große Kothaufen in der Gartenanlage Talaue lagen. Doch inzwischen hat sich herausgestellt: Die stinkenden Häufchen stammen gar nicht von Hunden, sondern von Waschbären. Die kleinen Raubtiere entwickeln sich mancherorts zur Plage. Auch im Gebiet der Gemeinde Cunewalde werden sie immer häufiger gesichtet, vor allem in Weigsdorf-Köblitz. „Als ich mal abends im Garten war, habe ich fünf Waschbären gesehen, die vergnügt rumkämpften, zwei große und drei kleine“, erzählt Klaus Eckl, der in der Talaue eine Parzelle bewirtschaftet. Bürgermeister Thomas Martolock (CDU) hat selbst noch keins der Tiere erblickt. Aber immer wieder berichten ihm Einwohner davon, zum Beispiel, dass sie Waschbären auf Pflaumenbäumen gesehen haben.

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Dass sich Procyon lotor – so der lateinische Name – auch in Cunewalde immer mehr ausbreitet, bestätigt Manfred Ressel. Er ist seit 53 Jahren Jäger und jetzt für eins von vier Jagdgebieten in der Gemeinde zuständig. „Die Zahl der Waschbären hat deutlich zugenommen“, sagt er. Im aktuellen Jagdjahr (ein Jagdjahr geht immer von Anfang April bis Ende März) hat allein er schon drei Waschbären erlegt. Im Vorjahr war es nur einer. Das entspricht dem aktuellen Trend. Wurden im Landkreis Bautzen in der Saison 2008/2009 nur 250 Waschbären abgeschossen, waren es in der aktuellen Saison schon 850. Gernot Schweitzer von der Pressestelle des Landratsamtes sagt dazu: „Waschbären haben sich in den letzten Jahren flächendeckend über den ganzen Landkreis verbreitet, wobei Teichgebiete und Flussniederungen ihr bevorzugter Lebensraum sind. Dem Waschbär und dem Amerikanischen Nerz, auch als Mink bezeichnet, wird der Niedergang vieler Wasservogelarten angelastet. Das macht ihn aus Naturschutz-Sicht zum Problem.“

Doch nicht nur deshalb soll die weitere Ausbreitung des 40 bis 70 Zentimeter großen Allesfressers verhindert werden. Waschbären wühlen überall nach Essbarem, räumen Mülltonnen aus, ernten Obstbäume ab, verwüsten Beete, verursachen beim Einrichten von Schlafplätzen oft Schäden an Gebäuden, können Krankheiten übertragen und auch aggressiv werden. Einige Leute wissen das nicht und füttern die possierlich wirkenden Tiere sogar – manche ganz unbewusst. Draußen herum stehendes Katzenfutter ist für die Waschbären wie ein gedeckter Tisch. „Man sollte im Freien keine fressbaren Abfälle lagern, zum Beispiel auf Komposthaufen. Außerdem muss man aufpassen, auf Grundstücken und an Gebäuden keine Möglichkeiten zum ungehinderten Unterschlupf zu bieten“, empfiehlt Gernot Schweitzer.

Der Cunewalder Bürgermeister wird noch deutlicher: „Ein Füttern dieser Tiere ist zu unterlassen! Stellen Sie kein Katzenfutter in offenen Näpfen vor ihren Wohnungen ab!“, schreibt er auf einem Merkblatt, das er jetzt extra herausgegeben hat. „Der Waschbär ist bei uns zwar noch keine richtige Plage. Aber ich sage immer: Wehret den Anfängen“, äußert Thomas Martolock dazu.

Was derjenige tun soll, der Waschbären auf seinem Grundstück antrifft, steht allerdings nicht auf dem Merkblatt. „Am besten wendet man sich an einen ausgebildeten Jäger“, empfiehlt Manfred Ressel. Zwar darf jeder auf seinem eigenen Grundstück Fallen aufstellen. Doch dabei müssen die Gesetze eingehalten werden. Und die besagen, dass Waschbären nur lebend gefangen und nur von befugten Personen getötet werden dürfen. „Wir Jäger besitzen Kastenfallen. Damit fangen wir den Waschbären und töten ihn dann fachgerecht“, erklärt Manfred Ressel.