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Ist Dippoldiswalde älter als gedacht?

Das Stühlchen aus einem Dippser Stollen begeistert Archäologen. Was so ein Holzstück zur Stadtgeschichte erzählen kann.

© Christian Juppe

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Vor 800 Jahren taucht der Priester Johannes von Dippoldiswalde auf einer Urkunde des Bischofs von Meißen mit auf. Damit ist Dippoldiswalde zum ersten Mal ins Licht der Geschichte getreten. Und das ist Anlass für das große Stadtjubiläum. Aber wenn Dippoldiswalde 1218 schon einen Pfarrer hatte, muss es ja eine Ansiedlung mit Kirche gewesen sein. Über die Geschichte der Stadt vor dieser Zeit existieren keine Urkunden oder Chroniken. Aber archäologische Funde geben Auskunft, und davon hat Dippoldiswalde so viel wie kaum eine vergleichbare Stadt: Balken aus Bergwerken, Werkzeuge, eine Haspel – und seit wenigen Wochen ein Hauerstühlchen. Sie sagen klar: Dippoldiswalde war schon deutlich vor 1200 eine Bergstadt.

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Das Hauerstühlchen, das am Freitag Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) vorgestellt wurde und anschließend beim Landesamt für Archäologie in die Konservierung ging, kann auch eine Geschichte erzählen. Es stammt aus der Zeit zwischen 1200 und 1250. Ullrich Botzenhard von der Bergsicherung Freital, der bei der Sicherung der Hohlräume unter der Brauhofstraße mitarbeitet, hat es im April gefunden. Ein Brett mit drei Löchern und zwei Holzbeine lagen im Abraum 22 Meter unter der Erdoberfläche. Grabungstechnikerin Heide Hönig vom Landesamt für Archäologie erkannte schnell, dass es sich um einen Hocker handelt. Ein solches Hilfsmittel in dieser Tiefe: So weit war der Bergbau in Dipps damals schon.

Archäologen können Hölzer mithilfe der Baumringe oft genau bestimmen. Sie erkennen, wann ein Baum geschlagen wurde. Das älteste Holz, das aus dem Dippser Bergbau stammt und mit dieser Methode bestimmt wurde, stammt von 1152. „Ob es sofort im Bergwerk eingesetzt wurde, ob es eventuell vorher woanders verwendet wurde, können wir nicht mehr sagen. Aber mit Sicherheit steht fest, dass wir um 1180 Bergbau in Dippoldiswalde hatten“, sagt Christiane Hemker, Leiterin des EU-Forschungsprogramms Archaeomontan.

So kann ein Stück Holz für die historische Forschung den gleichen Wert bekommen wie eine kunstvolle Urkunde. Die Dippser können mit Spannung den Fortgang der Forschungen verfolgen. Womöglich müssen sie auf ihre 900-Jahr-Feier gar keine 100 Jahre mehr warten.