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Leben und Stil

Ist Handyverbot eine geeignete Strafe?

Weil andere Strafen nichts mehr nützen, entziehen Eltern ihren sechs und acht Jahre alten Kindern Handy und Tablet. Ist das sinnvoll? Veit Rößner gibt Rat.

© Matthias Rietschel

Für ein Fehlverhalten unserer Kinder (6 und 8 Jahre ) sprechen wir jetzt oft ein Tablet- und Smartphone-Verbot aus. Eine andere Strafe zieht leider nicht mehr. Das stört uns.

Früher war der Stubenarrest eine beliebte Strafe. Heute ist das Smartphone- oder Tabletverbot die Sanktion, die Kinder zu einer Verhaltensänderung bewegen kann. Es ist schon fast schade, dass die meisten Kinder heutzutage über einen verhängten Stubenarrest ohne Medienentzug wahrscheinlich sogar froh wären.

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Das Tänzeln um das Smartphone und Tablet sowie eine generelle Unzufriedenheit über zu lange Mediennutzungszeiten hat längst bei vielen zu Frust, Spannungen und Enttäuschungen im Familienleben geführt. Deshalb lohnt es sich für fast jede Familie, das Medienthema generell, also auch mal unabhängig von seiner Nutzung als Sanktion oder Belohnung, zu betrachten, um den Medienkonsum aller Familienmitglieder immer wieder kritisch zu betrachten.

So sollten Sie, bevor Sie Smartphone oder Tablet gut dosiert als Erziehungsmittel einsetzen, zunächst überlegen, ob Sie alle zusammen schon einmal darüber gesprochen haben, was konkret geschieht, wenn Kinderzimmer unaufgeräumt bleiben, Ihr Kind lügt oder seine Hausaufgaben nicht erledigt. Im Umgang mit Konsequenzen ist es wichtig, dass es in der Familie klar definierte, bestenfalls konstante Regeln und Konsequenzen gibt, die alle Familienmitglieder kennen. Optimal wäre es, wenn Ihr Kind bei der Anwendung von Familienregeln immer wieder spürt, dass es selbst mit seinem Verhalten bestimmte Situationen positiv wie negativ beeinflussen kann. Formulieren Sie daher in einer spannungsarmen Situation nachvollziehbare, logische und passende Konsequenzen für immer wieder auftretende Konfliktsituationen wie Regelbrüche, unerledigte Aufgaben etc. Denn Konsequenzen, die akut aus Ärger oder Wut heraus ausgesprochen werden, sind nicht selten unangemessen und/oder ungerecht und damit wenig bis gar nicht wirksam. Wenn Kinder beispielsweise nicht sorgfältig mit ihren Schulsachen umgehen, ist die Versuchung groß, ein Medienverbot zu verhängen. Eine nachvollziehbarere Konsequenz wäre es jedoch, Ihr Kind die Dinge reparieren oder von seinem Taschengeld ersetzen zu lassen, um den Schaden selbst in Ordnung zu bringen.

Und wenn doch ein Tablet oder Smartphone entzogen wird, weil die Hausaufgaben unsauber oder unvollständig sind, muss auch ein Zusammenhang herstellbar sein. Nur dann ist eine Wirkung zu erwarten.

Ein Handyverbot ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn sich Kinder nicht an Vereinbarungen im Zusammenhang mit Mediennutzung halten, zum Beispiel zu lang oder heimlich spielen oder etwas unerlaubt herunterladen. Auch wenn Schulleistungen unter einer zu ausdauernden Mediennutzung leiden, ist eine Medieneinschränkung sinnvoll und gut begründbar. Dabei gilt immer: Überlegen Sie, ob Ihre Sanktionen umsetzbar sind, denn nicht kontrollierbare Konsequenzen machen Sie als Eltern unglaubwürdig und führen dazu, dass Kinder Drohungen der Eltern irgendwann gar nicht mehr ernst nehmen. Und versuchen Sie, Sanktionen durch positive Konsequenzen für gutes Verhalten zu ersetzen.

Zum Schluss noch eine allgemeine Bitte: Bevor Smartphone, Tablet und Co aufgrund ihrer momentanen Allgegenwärtigkeit zum Erziehungsmittel Nummer eins in Ihrer Familie werden, sollte ihnen generell mit allen Mitteln wieder die Randposition im Familienleben bei Kindern und uns Erwachsenen eingeräumt werden, die ihnen gebührt.

Haben auch Sie eine Frage an Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die SZ, Nutzwerk, 01055 Dresden oder eine Mail an [email protected]

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