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Ist hier Platz für Freitals Umgehungsstraße?

Die Trasse endet derzeit im Nichts. Nun gibt es einen neuen Vorschlag für deren Fortsetzung.

Von Tobias Winzer
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Wird dieses Gleis noch gebraucht? Stadtrat Lars Tschirner hockt an der Hüttenstraße. Er schlägt vor, dass anstelle der Gleisanlagen hinter ihm eine Entlastungsstraße für die parallel verlaufende Poststraße entsteht.
Wird dieses Gleis noch gebraucht? Stadtrat Lars Tschirner hockt an der Hüttenstraße. Er schlägt vor, dass anstelle der Gleisanlagen hinter ihm eine Entlastungsstraße für die parallel verlaufende Poststraße entsteht. © Andreas Weihs

Dieses Ende könnte der Anfang sein. Da ist sich Lars Tschirner sicher. 

Der Stadtrat der Bürger für Freital hockt an der Hüttenstraße – westlich der Bahngleise, die durch Freital führen. Ein altes Nebengleis, das früher vom Edelstahlwerk genutzt wurde, ist hier vor Kurzem gekappt worden. Lars Tschirner bringt das auf eine Idee, die ein altes Problem endlich lösen könnte. „Hier könnte doch eine Straße gebaut werden, die die Poststraße entlastet“, sagt er. Es könnte der Anfang für die seit Langem geplante Vollendung der Freitaler Umgehungsstraße sein.

Die Trasse, die 2006 fertiggestellt wurde, führt komfortabel an Teilen von Potschappel und Döhlen vorbei und entlastet dort die Dresdner Straße. Doch die Straße endet abrupt an der Poststraße auf Höhe des Edelstahlwerks. Wer weiter Richtung Tharandt will, muss zurück auf die Dresdner Straße.

12,8 Millionen Euro hat der Bau der Straße damals gekostet. 10,8 Millionen Euro davon kamen als Zuschuss vom Land.

Dass die Straße so abrupt endet, hängt mit der damaligen Finanzierung des Straßenbaus zusammen. Der Bau der Straße wurde aus einem Topf der Wirtschaftsförderung unterstützt. Deswegen heißt die Umgehungsstraße offiziell auch nicht Umgehungsstraße, sondern „Erschließungsstraße gewerbliche Wirtschaft“. Sie bietet dem Edelstahlwerk oder den Firmen im Technologiepark eine gute Infrastruktur. Da es aber südlich des Edelstahlwerks an Firmen mangelt, waren aus diesem Topf keine weiteren Fördermittel zu bekommen.

„Keine weitere Zeit verlieren“

Seit der Fertigstellung der Straße arbeiten verschiedene Stadträte und auch die Stadtverwaltung mal mehr, mal weniger emsig an einer Weiterführung der Trasse. Die Stadt hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die 2009 fertig geworden ist. Untersucht wurden dabei insgesamt acht Varianten für eine Weiterführung. 2011 hat die Stadt entschieden, dass von den acht Varianten zwei machbar wären. Beide sehen vor, dass die Poststraße verlängert wird. Die Umgehungsstraße würde dann auf Gelände entlangführen, das heute der Bahn gehört.

Die eine Variante sieht vor, dass die Trasse der heutigen Straße Zum Güterbahnhof folgt und dann wieder auf die Dresdner Straße führt. Acht Millionen Euro würde der Bau nach den damaligen Berechnungen kosten. Die andere Variante sieht einen Brückenschlag über die Bahngleise bis zur Südstraße vor. Die Umgehungsstraße würde dann am Backofenfelsen auf die Tharandter Straße treffen und aus Freital herausführen. Diese Variante ist die Vorzugsvariante der Stadtverwaltung, weil sie die Engstelle unter der Bahnunterführung in Hainsberg umgeht. 12,4 Millionen Euro wären dafür nach den damaligen Berechnungen nötig. Das Vorhaben scheiterte bislang an der Höhe der Summe – auch wenn der Bau wohl gefördert werden könnte.

Das Problem ist jedoch auch, dass der Verkehr bei beiden Varianten über die enge und dicht bewohnte Poststraße geführt würde. „Das ist nicht optimal“, sagt nun auch Stadtrat Tschirner. Er will deshalb lieber westlich der Bahnschienen eine Entlastungsstraße bauen. Diese könnte bis zum Parkplatz des Edelstahlwerks geführt werden. Von dort könnte es geradeaus weiter Richtung Südstraße oder per Links-rechts-Kombination über die Güterbahnhofstraße und weiter, wie von der Stadt geplant, mit einer Brücke zur Südstraße.

© Grafik: SZ-Grafik

Tschirner betont, dass es sich bei dem Vorschlag lediglich um eine Idee handelt, die noch geprüft werden muss. Er und seine Fraktion, die im neuen Stadtrat mit drei Sitzen vertreten sein wird, wollen vor allem erreichen, dass das Thema Umgehungsstraße auf der Agenda bleibt. „Ich denke, alle Fraktionen im Stadtrat sind sich einig, dass hier etwas passieren muss“, sagt Tschirner. Er und seine Fraktion haben deswegen im Stadtrat einen Antrag eingebracht, wonach die Verwaltung spätestens im November alle Stadträte auf den aktuellen Stand der Dinge in puncto Umgehungsstraße bringen soll. „Es geht darum, keine weitere Zeit zu verlieren“, sagt Tschirner.

Ob das tatsächlich so kommt, ist noch offen. Eine Mehrheit des Stadtrates muss dem Antrag der Bürger für Freital erst noch zustimmen.

Ziemlich sicher ist jedoch, dass die von Tschirner vorgeschlagene Neubau-Straße westlich des Bahndamms kaum Chancen haben wird. Denn obwohl die Gleise auf Höhe der Hüttenstraße gekappt sind, wird die Strecke weiter südlich nach wie vor vom Edelstahlwerk gebraucht. Das sagt der Aufsichtsratsvorsitzende des Werkes, Sönke Winterhager.

„Die Bahnanbindung unseres Schrottplatzes ist nach wie vor wichtig für uns. Diese Verbindung verläuft eben über das Gleis, welches Herr Tschirner für den Straßenverlauf nutzen möchte“, so Winterhager. Er findet es schade, dass man erneut mit Planungen an die Öffentlichkeit geht, die das Privatgelände des Werks betreffen, ohne vorab auf direktem Wege darüber zu sprechen. Eine Straßenführung durch das Gelände des Edelstahlwerks war zuletzt vor etwa einem Jahr als mögliche Variante diskutiert worden. „Ich frage mich, was man sich von dieser Art der Kommunikation verspricht“, so Winterhager.


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