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Jakobsweg statt Braukessel

Mit Paul Panglisch hat eine Institution die Radeberger Brauerei verlassen. Aber nicht, ohne Spuren zu hinterlassen.

Einweihung der neuen Fassbier-Abfüllanlage: Paul Panglisch freut sich über die neue Technik, die die Abfüllung von Fässern effizienter macht.
Einweihung der neuen Fassbier-Abfüllanlage: Paul Panglisch freut sich über die neue Technik, die die Abfüllung von Fässern effizienter macht. © Thorsten Eckert

Radeberg. Es ist mehr als nur eine der sprichwörtlichen Fußnoten in der Radeberger Stadtgeschichte, wenn jemand wie Dr. Paul Panglisch seinen Abschied nimmt. der Technische Direktor der Radeberger Exportbierbrauerei. Denn Technische Direktoren sind hier bekanntlich diejenigen, die sichtbare Spuren hinterlassen können. Einer der wichtigsten – Conrad Brüne – erfand beispielsweise eine besondere Anlage zur Malztrocknung und ließ dafür 1911 dann auch gleich noch den bis heute das Stadtbild prägenden Brauereiturm – den Darreturm – direkt an der Dresdner Straße bauen. Und auch Paul Panglisch setzte wichtige Meilensteine in die Radeberger Brauereigeschichte; und der Stadt insgesamt. Jüngst zum Beispiel die neue zusätzliche Fassbier-Abfüllanlage der Brauerei, die nun deutlich effizienter arbeitet und zudem noch bedienerfreundlicher ist.

Neben solchen technischen Spuren sind es aber vor allem die menschlichen, die Paul Panglisch in der Brauerei und der Stadt hinterlässt; nicht zuletzt war er bis 2017 im Vorstand der christlichen Kita „Baumhaus“ und auch lange Jahre Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der katholischen Gemeinde. Er hat also etwas bewegt in der Stadt. In der Brauerei sowieso. Dass nun seine Arbeit endet, wird viele in der Bierstadt traurig stimmen. „Aber ich bleibe ja hier!“ Ein Satz, den er in den letzten Wochen und Tagen regelmäßig sagen musste, wenn er auf seinen Abschied angesprochen wurde, seinen Abschied aus der Brauerei, die längst „seine“ Brauerei geworden ist.

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Ein trister, kalter Novembertag 1995 war es gewesen, als Paul Panglisch gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin und heutigen Frau Gerda der Bierstadt einen ersten Besuch abgestattet hatte. Aber das Wetter konnte ihn nicht schrecken. Die Stadt – erzählt er immer wieder mit seinem so bekannten wie liebenswerten Schmunzeln – habe ihn sofort gefangen genommen. „Und natürlich die Brauerei“, fügt er an. Als Produktionsleiter der Gilde-Brauerei in Hannover hatte er gearbeitet, dann als Betriebsleiter der Eders Familienbrauerei in Großostheim. Im Mai 1996 wurde Paul Panglisch Technischer Direktor der Radeberger Exportbierbrauerei, „diese Chance, bei einer der größten Brauereien des Landes zu arbeiten, war faszinierend“, beschrieb er einmal. Nach dem Vorstellungsgespräch beim damaligen Geschäftsführer Dr. Hans-Wolfgang Lambrecht schaute er sich die Brauereitechnik an „und ich war beeindruckt“. Und natürlich reizte ihn die Möglichkeit, hier eben auch eigene Akzente setzen zu können. Dass das Pilsner in Radeberg durchaus umweltfreundlich gebraut wird, ist beispielsweise einer dieser Akzente. Wurden 1990 noch 17 Liter Wasser gebraucht, um eine Liter Bier zu brauen, sind es heute nur noch um die drei Liter Wasser. Vor allem, weil bei den aufwendigen Reinigungsprozessen während der Bierherstellung nun wesentlich effektiver mit Wasser umgegangen wird, als noch vor Jahren. Zudem wurde im Sommer 2014 ein Blockheizkraftwerk gebaut, das unter anderem die beim Brauen entstehende Wärme komplett nutzt und so Energie sparen hilft.

Aber auch eine kleine augenzwinkernde Spur hat der in Mönchengladbach geborene studierte Lebensmitteltechnologe in Radeberg hinterlassen: im Anfang 2006 eröffneten neuen Sozialgebäude, dem Conrad-Brüne-Haus. Im Obergeschoss gibt es dort einen ganz besonderen Toilettenspiegel. Wer vor einem normalen Spiegel zum Beispiel seinen linken Arm hebt, dem zeigt das Spiegelbild bekanntlich den rechten. Spiegelverkehrt eben. Doch im erwähnten Toilettenspiegel ist das anders. Dort hebt auch das Spiegelbild genau den Arm, den der Betrachter hebt: „Die Physik macht’s möglich“, ist Dr. Paul Panglisch begeistert. Es handelt sich nämlich um zwei Spiegel, die winklig zu einander eingebaut worden sind, so dass der Betrachter sozusagen ins Spiegelbild des Spiegelbildes schaut. „Das hatte ich mal während einer Reise gesehen“, verriet Paul Panglisch damals zur Eröffnung.

Aber wie erwähnt, es werden nicht nur solche Spuren sein, die Paul Panglisch hinterlässt. Es ist der Mensch. Aber der Mensch Paul Panglisch bleibt Radeberg ja erhalten; und er wohnt ja quasi in Sichtweite „seiner“ Brauerei. Hier wird er dann endlich auch die Zeit haben, seine geliebten Krimis zu lesen und häufiger auf die Jagd zu gehen als bisher. „Und im kommenden Frühjahr werde ich zur Pilgertour auf dem Jakobsweg starten“, verrät er.

Nein, langweilig wird es ihm sicher nicht werden.

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