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Jugend hat Oberwasser

Nachgefragt. Ferienzeit ist Badezeit. Wie fit sind die Schüler im Schwimmen?

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Von Jörg Stock

Einen Pfiff nur braucht Jürgen Fischer loszulassen um „die Jugend zu befrieden“, wie er sagt. Der hünenhafte Schwimmmeister steht auf der Veranda vom Dorfhainer Erlebnisbad, und seine sonnenbebrillten Augen spähen rüber zur Wildwasserbahn. „Ich muss aufpassen, dass da keiner auf die Steine kracht beim Rumalbern.“ Der akustische Rüffel wirkt sofort. Die Jungs benehmen sich.

Rumalbern statt schwimmen – die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) schlägt Alarm. In Spaßbädern werde die Schwimmfähigkeit der Jugend nicht genügend trainiert, heißt es in einer jüngst veröffentlichten Studie. Danach kann ein Viertel der Bevölkerung nur schlecht oder gar nicht schwimmen. Bei den schulpflichtigen Kindern sieht es noch trüber aus. Dort wurde sogar einem Drittel die mangelhafte Schwimmfähigkeit bescheinigt.

Ab der Zweiten ins Wasser

Als Ursachen für den vermeintlichen Niedergang der Schwimmkünste führt die DLRG die Vernachlässigung des Schwimmunterrichts in den Schulen an. Hallenschließungen und weite Anfahrtswege täten ihr Übriges. Lars Tschirner ist Schwimmmeister in Freitals „Hains“ und obendrein bei der Wasserwacht. Die Ergebnisse der Studie kann er aber nicht bestätigen. „95 Prozent der Jugendlichen hier können auf jeden Fall schwimmen“, sagt er. Das werde durch den obligatorischen Schwimmunterricht in der Grundschule abgesichert. „Und die Qualität der Lehrkräfte ist sehr gut“, sagt Tschirner. „Da macht es Spaß zuzugucken.“

Das „Hains“ fungiert zusammen mit dem „Nixi“ in Paulsdorf als Schulschwimmzentrum. In einem der beiden Bäder muss also jeder Grundschüler im Landkreis schwimmen lernen. Bisher stand das in Klasse drei auf dem Programm. Ab dem kommenden Schuljahr geht es schon in der zweiten Klasse los. Für Schwimmmeister Tschirner kann der erste Kontakt mit dem Wasser nicht früh genug kommen, am besten schon im Baby- oder Kleinkindalter. „Diese Jugendlichen haben später sehr gute Erfolge beim Schwimmen“, sagt er.

Für Jürgen Fischer im Dorfhainer Bad ist an der DLRG-Studie trotz allem einiges dran. „Die Schwimmlust lässt nach“, bestätigt er. Rutschen, plantschen, spritzen, vielleicht noch etwas Ball spielen, das sei die Hauptbeschäftigung der Jugendlichen in den Becken. „Es schwimmt doch kaum noch jemand eine Bahn.“ Daran sei auch die wachsende Körperfülle des Nachwuchses schuld. Die Folge: zunehmende Unbeweglichkeit, auch im Wasser.

Damit haben Claudia und Kristin keine Probleme. Die beiden fünfzehnjährigen Mädels von der Klingenberger Mittelschule sind heute mit ihrer Klasse im Dorfhainer Bad. Und die Gelegenheit kosten sie richtig aus. „Rutschen, springen und tauchen macht am meisten Spaß“, sagt Claudia. „Aber wir schwimmen auch unsere Bahnen.“

Dabei sind die Mädels vielseitig. Brust-, Rücken- und Kraulschwimmen haben sie drauf. Die ersten Züge machten die beiden aber nicht erst beim Schulsport. „Mein Vati hat mir das Schwimmen beigebracht“, sagt Claudia. Mit sechs Jahren paddelte die Colmnitzerin schon im Grillenburger Badeteich. Und auch ihre Freundin Kristin lernte unter elterlicher Aufsicht.

Für Schwimmmeister Fischer ist ein solcher Anfang in Familie ideal. „Die Eltern haben eine große Verantwortung“, sagt er. Doch er appelliert auch an die Lehrer, das Schwimmbad für den Sportunterricht zu nutzen. „Oft fehlt an den Schulen die nötige Initiative.“

Mit der Klingenberger Mittelschule kann er da nicht meckern. Die Schüler halten ein Badfest in Dorfhain ab, und treten regelmäßig im August zu einer kleinen Schwimmprüfung an. Bisher, so sagt Sportlehrer Albrecht Schönfeld, war das alles noch machbar. Doch der Einzugsbereich seiner Schule wird sich rasant vergrößern, wenn andere Standorte demnächst schließen. Ob solche „Extrawürste“ dann noch organisierbar sein werden, bezweifelt der Pädagoge.