merken
PLUS

„Jugendliche dürfen nicht zu kurz kommen“

Der Verein Pro Jugend unterstützt Jugendklubs und berät Schüler. Diese Hilfe wird gebraucht, sagen zwei Sozialpädagoginnen.

Frau Böhme, seit Kurzem hat der Pro Jugend e.V. eine Beratungszeit an der Kreischaer Oberschule eingerichtet. Welche Probleme beschäftigen die Schüler heute?

Sandy Ungermann ist 26 Jahre alt. Die Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin ist für Bannewitz, Kreischa und Rabenau zuständig.Foto: privat
Sandy Ungermann ist 26 Jahre alt. Die Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin ist für Bannewitz, Kreischa und Rabenau zuständig.Foto: privat

Daniela Böhme: Die Schüler kommen mit sehr verschiedenen Problemen zu mir. Zum Beispiel haben sie persönliche Probleme oder Stress mit den Eltern, es gibt Konflikte in der Klasse oder Streit mit Mitschülern. Ich bin vertrauliche Ansprechpartnerin für die Schüler und versuche, gemeinsam mit ihnen eine Lösung zu erarbeiten und sie dabei zu begleiten. Das ist dann, je nach Problemlage, sehr individuell.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Ist es nicht eigentlich Aufgabe der Lehrer und Eltern, sich den Problemen der Schüler zu widmen?

Daniela Böhme: Es geschieht ja auch, dass sich Lehrer und Eltern um die Probleme der Schüler kümmern. Es gibt allerdings auch Schüler, die sich nicht ihren Lehrern anvertrauen wollen, oder Problemlagen, die eine intensivere Unterstützung benötigen. So etwas kann ein Lehrer in dem Falle nicht leisten. Auch ist eine sozialpädagogische Beratung gar nicht die Aufgabe eines Lehrers. Wichtig ist natürlich, dass die Kommunikation zwischen Eltern, Lehrern und mir als Sozialarbeiterin funktioniert.

Frau Ungermann, was für Kreischa neu ist, gehört in Bannewitz schon zum Alltag. Welche Erfahrungen konnten Sie hier machen?

Sandy Ungermann: Unser Ansatz ist, als Ansprechpartnerinnen für die Jugendlichen direkt in ihren Lebenswelten zur Verfügung zu stehen. Das können die Straße, der Jugendklub, soziale Netzwerke oder auch die Schule sein. Durch den unmittelbaren Kontakt in der Schule kann zeitnah gemeinsam nach Lösungen geschaut werden. Einige Schüler, Lehrer oder Eltern würden nicht nach Unterstützung suchen, wenn wir nicht direkt vor Ort tätig wären. Daher arbeiten wir präventiv, wirken möglichen weitergehenden Hilfen oder der Entstehung von „Brennpunkten“ entgegen.

Sie sprachen gerade die Jugendklubs an. Viele Kommunen lassen diese aufwendig sanieren. Aber ist das im Internet-Zeitalter noch zeitgemäß?

Sandy Ungermann: Jugendliche verlangen genau wie auch vor fünf oder zehn Jahren immer noch nach Räumen, in denen sie sich ungestört treffen können. Daran hat sich nichts geändert.

Wie unterstützt der Verein solche Jugendklubs?

Sandy Ungermann: Unserer Aufgabe ist es, die Jugendlichen in ihrem ehrenamtlichen Engagement zu stärken. In einigen Clubs ist die Nachwuchsfindung gerade ein aktuelles Thema. Hier benötigen vor allem die Jüngeren intensivere Begleitung, da sie einen Klub aus rechtlichen Gründen nicht alleine leiten können.

Immerhin gibt es solche Angebote. Es ist ja bekannt, dass die Bevölkerung im Landkreis immer älter wird. Nicht sehr attraktiv für Jugendliche oder?

Sandy Ungermann: Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt viele Faktoren, die eine Region für Jugendliche attraktiv erscheinen lassen oder eben nicht. Besonders im ländlichen Raum, wo die Fahrtwege lang sind und auch die öffentlichen Verkehrsmittel fehlen, gibt es kaum altersspezifische Angebote für Jugendliche. Daher sehen viele vorerst ihre Zukunft an Orten, welche mehr für ihre Interessen zu bieten haben.

Aber Angebote schafft auch der Verein Pro Jugend. Welche Projekte konnten denn zum Beispiel in diesem Jahr umgesetzt werden?

Sandy Ungermann: Großprojekte des Vereins 2013 waren „Crea(k)tiv grenzenlos“. Das ist eine Workshop-Woche für deutsche und tschechische Jugendliche, welche in der Oberschule Dippoldiswalde durchgeführt wurde. Kurz danach nahmen 32 Jugendgruppen aus unserem Arbeitsgebiet an der 48-Stunden-Aktion teil, welche wir zusammen mit dem KJV Freital und dem Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge organisierten. Von Juni bis September führten wir Seminare und die U-18- Wahl mit 145 Schülern an vier Oberschulen durch.

Was hat der Verein im kommenden Jahr geplant? Welche Projekte werden wiederholt?

Daniela Böhme: Wir stecken bereits mitten in den Vorbereitungen für „Cre(a)ktiv grenzenlos“ und die 48-Stunden-Aktion, welche Anfang Mai stattfinden wird. Im September feiert der Pro Jugend e.V. sein 15-jähriges Jubiläum, die Planungen hierzu laufen auch schon, jedoch wollen wir dazu noch nicht zu viel verraten.

Das Gespräch führte Marleen Hollenbach.