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Jugendpsychiatrie in Riesa droht Schließung

Nur noch bis Jahresende werden in der Tagesklinik Kinder und Jugendliche behandelt. Der Betreiber schließt die Einrichtung - und hofft auf Nachfolger.

Die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat ihren Sitz an der Lauchhammerstraße, direkt in Nachbarschaft des Riesaer Amtsgerichts. Der Betreiber LMK trennt sich zum Jahresende von der Einrichtung.
Die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat ihren Sitz an der Lauchhammerstraße, direkt in Nachbarschaft des Riesaer Amtsgerichts. Der Betreiber LMK trennt sich zum Jahresende von der Einrichtung. © Sebastian Schultz

Von Jan Leissner und Christoph Scharf 

Riesa/Mittweida. Es ist nicht das erste Mal, dass die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Riesa mit einem möglichen Aus für ihre Einrichtung konfrontiert werden. Bereits 2016 sah es danach aus: Damals stellte das Mittweidaer Krankenhaus den stationären Betrieb der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein. Die Tagesklinik in Riesa ist eine Außenstelle der Mittweidaer Krankenhausgesellschaft LMK, die wiederum dem Landkreis Mittelsachsen gehört.

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Während damals die Schließung in Mittweida nur für einige Monate galt, ist die Entscheidung nun endgültig: Die Krankenhausgesellschaft LMK gibt den Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie zum Ende dieses Jahres auf. Das bestätigte Geschäftsführer Florian Claus auf Nachfrage. Anfang vergangener Woche waren die betroffenen Beschäftigten aus Riesa und Mittweida informiert worden.

LMK-Geschäftsführer Claus begründete die Entscheidung vor allem mit der über Jahre hinweg schwierigen Personalsituation. Nun geht auch noch die Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie zum Jahresende in Rente. 

Und das ist nicht die einzige Sorge. Die Besetzung von Facharztstellen sei in den vergangenen Jahren ein „stetiger Kraftakt für alle Beteiligten“ gewesen. Aber 2017 sei noch nicht absehbar gewesen, dass die KJP letztlich aufgegeben werden müsse, so Claus. Jetzt würden hohe gesetzliche Vorgaben für psychiatrische Kliniken das Problem aber noch zusätzlich verschärfen. „Die personellen Anforderungen für die Versorgung der Patienten steigen, dabei ist die Situation schon jetzt akut“, so Claus.

Dabei seien die Kapazitäten der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 30 Betten zur stationären Behandlung in Mittweida und zehn Betten der Riesaer Tagesklinik gut ausgelastet. Pro Jahr wurden in dem Bereich rund 300 Kinder und Jugendliche stationär behandelt. Doch es sei schwierig für ein kleines Krankenhaus wie Mittweida, eine solch spezialisierte Fachrichtung zu betreiben. „Wir haben uns die Entscheidung zur Abgabe des Versorgungsauftrages aber nicht leicht gemacht“, erklärte Claus auch im Namen der Aufsichtsräte der LMK. Einem Großteil des von der Schließung der Abteilung betroffenen Personals sollen nun berufliche Perspektiven in der Mittweidaer Krankenhausgesellschaft eröffnet werden.

200 Patienten pro Jahr in Riesa

Und welche Perspektive gibt es für die Mitarbeiter in Riesa? Dort sind laut LMK derzeit zehn Mitarbeiter tätig. Mit den in der Tagesklinik etablierten zehn Behandlungsplätzen versorgen sie etwa 200 Patienten pro Jahr. Die stammen überwiegend aus der Region Riesa/Großenhain/Oschatz, es gebe aber auch vereinzelte Patientenzuweisungen aus Freiberg, Dresden und Leipzig. "Ziel ist es, die Tagesklinik in unveränderter Struktur ab 1. Januar 2021 unter anderer Trägerschaft weiterzuführen", sagt Geschäftsführer Florian Claus. Die Entscheidung fällt aber nicht in Mittweida oder Riesa: Die Krankenhaus-Planungsbehörde im Dresdner Sozialministerium ordne den Versorgungsauftrag neu und vergebe die Trägerschaft. "Für die Mitarbeiter kann es dann Übernahmeangebote durch den neuen Träger geben", so Claus.

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Gleichzeitig strebe man als LMK auch die möglichst lückenlose Weiterbetreuung der Patienten in Riesa an. Wie die Verteilung der bisher in Mittweida und Riesa bestehenden Behandlungskapazitäten auf andere Klinikstandorte erfolgt, liege aber ebenfalls im Ermessen des Ministeriums. (mit FP)

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Die kreiseigene Krankenhausgesellschaft LMK in Mittweida trennt sich von der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Die kreiseigene Krankenhausgesellschaft LMK in Mittweida trennt sich von der Kinder- und Jugendpsychiatrie. © Dietmar Thomas

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