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Jung und Alt erspielen eigene Meißner Hamletversion

Landesgymnasiastenund die Meißner Senioren- theatergruppe bringenShakespeare gemeinsamauf die Bühne.

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Etwas ist faul im Staate Dänemark!“ Mit kräftiger Stimme schleudert Marcel Kurzidim den berühmten Hamlet-Satz in den Theatersaal. Dass Roland Melchinger als Geist auf diesen Ausbruch darauf viel schneller reagieren muss, ruft Utz Pannicke. „Ich will erreichen, dass du mich rächst!“ Diese Intention muss rüberkommen, so die Regieanweisung an den 64-jährigen Roland, der auf dem Rang steht. Satz für Satz erarbeiten Regisseur und Darsteller diese Szene aus dem Shakespeareschen Drama, in dem der Dänenprinz erkennt, dass sein plötzlich verstorbener Vater einem Mord zum Opfer gefallen ist.

Obwohl das Trauerspiel um 1600 entstand, ist sein Stoff höchst aktuell. Hamlet unter Druck, schwankend zwischen Aufbegehren und Lethargie – wohl auch deshalb gehört es zu den meistgespielten Stücken an deutschen Theatern. Das Besondere am Meißner Hamlet ist, dass ihn zwei Ensembles auf die Bühne bringen: das Seniorentheater Sentha und die Theater-AG des St.Afra-Landesgymnasiums. Auf der Probenbühne findet das Schauspiel zwischen zwei Stuhlreihen statt, auf denen sich die Jungen und die Älteren gegenübersitzen.

Ein Generationen-Projekt

Diesen Hamlet in Meißen als Kampf der Generationen zu inszenieren, war Utz Pannickes Idee. Seit 2002 ist der freie Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge auch künstlerischer Leiter bei Sentha. Aus Kontakten zu den Afranern entstand der Wunsch, etwas gemeinsam zu machen. Mit dem Generationenprojekt verband sich auch die Hoffnung auf Fördermittel. „Im Hamlet geht es auch um Widersprüche und Konflikte zwischen den Generationen“, erklärt Maria Degkwitz, die Leiterin der Afraner-Theater-AG. Da bot es sich an, dies durch Darsteller mehrerer Generationen zu verdeutlichen.

Jeden Dienstag wird geprobt – mal unten im Theater, mal oben auf der Freiheit. Dass sich die Amateurschauspieler dabei auch persönlich näher gekommen sind, ist ebenfalls Teil des Konzepts. Marcel und Roland berichten auch von Konflikten während der Proben.

Eine gute Truppe

Als die Afraner Johann Szönyi und Benjamin Walter als Güldenstern und Rosenkrantz in der Probe eine ganz eigene Version anbieten, ist bei einigen der Sentha-Leute so etwas wie Augenrollen zu spüren. Ruhig und mit argumentativer Kraft wirkt Utz Pannicke auf die Akteure ein, der Text-Interpretation den Vorrang einzuräumen. Mit beiden Ensembles berät er, nimmt Einfluss auf Betonung, Körperhaltung, Bewegung seiner Mimen. Jeder Probe schließt sich ein Kreis auf der Bühne an, in dem alle Rederecht haben.

„Wir haben jetzt ein richtig gutes Verhältnis zueinander“, sagt Siegfried Bruse, der den Polonius spielt. „Die Arbeit würde nicht funktionieren, wenn wir nicht eine so gefestigte Truppe wären“, ist der 67-Jährige überzeugt. Obwohl kurz vor der Premiere alle Stress haben, wurde schon gefragt: Was machen wir als nächstes?Harald Daßler