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Kaminöfen wegen Holzschwemme gefragt

Herr Gnaudschun, Grundstücksbesitzer, die nun nach dem Tornado viel Bruchholz haben, kaufen sich kleine Öfen, umdamitzuheizen. Brauchen sie eine Genehmigung? Ja, sie sind dazu verpflichtet. Doch das wissen manche Kunden nicht, oder wollen es nicht wissen.

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Herr Gnaudschun, Grundstücksbesitzer, die nun nach dem Tornado viel Bruchholz haben, kaufen sich kleine Öfen, umdamitzuheizen. Brauchen sie eine Genehmigung?

Ja, sie sind dazu verpflichtet. Doch das wissen manche Kunden nicht, oder wollen es nicht wissen. Etwa 30 Prozent der Besitzer einer Feuerstätte versuchen die Genehmigung derzeit zu umgehen. Die Leute sind Holzhamster geworden. Aber jede neue Anlage braucht eine Tauglichkeitsbescheinigung für den Schornstein. Und schließlich das Zertifikat für die sichere Benutzbarkeit der Esse. Beides kann nur der Bezirksschornsteinfegermeister ausstellen.

Die Kunden wollen ja Heizkosten sparen, auch die Kosten des Schornsteinfegers. Sind die Genehmigungen eigentlich teuer?

Sie kosten jeweils von 40 bis 60 Euro, je nach Zeitaufwand. Beides kann auch gleichzeitig erteilt werden. Meist sind aber noch Hinweise für den Betrieb nötig. Außerdem sind ein bis zwei Kontrollen des Schornsteinfegers pro Jahr vorgeschrieben. Das sind nochmal rund zehn, bei vorrangiger Elektroheizung bis zu 30 Euro pro Jahr.

Was kann passieren, wenn ein neuer Ofen oder Kamin einfach an einen vorhandenen Schornstein angeschlossen wird?

Die Nutzer können in der Regel selbst nicht einschätzen, ob ein Schornstein noch tauglich ist, ob die Brandschutzabstände eingehalten sind, ob der Querschnitt des Schornsteins ausreicht. Kommt es dann zu einem Brand, verlangt die Versicherung die Abnahmepapiere. Liegen keine vor, muss der Besitzer den Schaden selbst bezahlen. Ärger kann es auch bei Rauchbelästigung geben. Seit 23. März ist das Umweltrecht verschärft. Kommt es zu einer Anzeige durch Nachbarn und ist keine Genehmigung vorhanden, kann das Bußgelder von bis zu 5000 Euro nach sich ziehen.

Werden Kunden beim Kauf von Feuerstätten auf die nötige Abnahme hingewiesen?

Die Hersteller schreiben das meist in die Aufbauanweisung. Aber das steht im Kleingedruckten. Außerdem muss die Holzfeuerstätte für Deutschland zugelassen sein. Das ist bei Verkäufen im Internet nicht immer gegeben. Ich hatte schon Fälle, in denen Geräte nicht den deutschen Bestimmungen entsprachen. Im Interesse der Sicherheit ihres Gebäudes haben die Nutzer sich dann zähneknirschend für einen anderen Ofen entschieden.

Kann beim Pfingst-Tornado angefallenes Bruchholz überhaupt schon verfeuert werden?

Auf keinen Fall. Das Holz muss erst zwei bis drei Jahre in gespaltenem Zustand getrocknet werden. Bei Weichholz können eventuell auch ein- bis anderthalb Jahre ausreichen. Wird feuchtes Holz verfeuert, kann der Schornstein verrußen und brennen. Außerdem ist das energetischer Unsinn. Weil die Feuchtigkeit verdampfen muss, wird nur ein Teil des Holzes effizient zu Wärme.

Es fragte Kathrin Krüger-Mlaouhia.

Edmund Gnaudschun und Kollege Jens Bileck sind für die Region Großenhain und die ehemaligen Gemeinden Wildenhain/Zabeltitz zuständig.