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Radebeul

Karl-May-Museum: „Wir müssen reden“

Kuratoriumspräsident Robert Straßer redet im SZ-Gespräch Klartext: Die Kommunikation zwischen Stiftungsvorstand und Personal war schlecht.

Die große Vitrine mit der Darstellung einer Indianerfamilie im Karl-May-Museum kennen alle Besucher. Jetzt muss die Krise zwischen Museumsmitarbeitern und Stiftungsvorstand behoben werden.
Die große Vitrine mit der Darstellung einer Indianerfamilie im Karl-May-Museum kennen alle Besucher. Jetzt muss die Krise zwischen Museumsmitarbeitern und Stiftungsvorstand behoben werden. © Norbert Millauer

Radebeul. Der Museumschef des Karl-May-Museums, Christian Wacker, hat gekündigt. Herbe Kritik seinerseits richtet sich gegen das fehlende Einbeziehen der Museumsmitarbeiter in das Zehn-Millionen-Neubauprojekt. Die Mitarbeiter akzeptieren geschlossen den Träger des Museums, die Karl-May-Stiftung und deren Vorstand nicht mehr. Der Förderverein protestiert und verlangt Aufklärung.

In aller Eile haben diese Woche Stiftungsvorstand (Dienstagabend) und das Kuratorium als Aufsicht über die Stiftung (Mittwochabend) beraten. Die SZ sprach unmittelbar danach mit dem Präsidenten des Kuratoriums, dem promovierten Münchner Rechtsanwalt und Karl-May-Freund Robert Straßer.

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Dr. Robert Straßer, Präsident des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung
Dr. Robert Straßer, Präsident des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung © privat

Herr Straßer, sind Sie sich im Kuratorium einig geworden, wie mit der Krise ums Karl-May-Museum jetzt umgegangen werden soll?

Wir haben uns grundsätzlich eine Meinung gebildet und sind zu dem Schluss gelangt, dass die Situation in einer großen Sitzung von Stiftungsvorstand und Kuratorium am 27. Juni bewältigt werden soll. Wir sammeln dazu noch Hintergrundinformationen in den nächsten Tagen und Wochen.

Welche Veränderungen gibt es in der Stiftung als Träger des Museums?

Wir werden am 27. Juni über zwei große Themenkomplexe reden. Erstens: Wie der Vorstand der Stiftung neu zu besetzen ist. Derzeit besteht er aus vier Personen. Es gibt die Möglichkeit, den Vorstand auf sieben Personen zu erweitern.

Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche ist jetzt neu als Vorsitzender gewählt worden?

Ja, auf der Vorstandssitzung am Dienstagabend.

Das zweite große Thema ...

... ist das satzungsgemäße Verhältnis zwischen Vorstand und Museums GmbH. Das Verhältnis wollen wir neu regeln. Damit wir in Zukunft Probleme, die in der Vergangenheit entstanden sind, vermeiden.

Das Verhältnis von Museumsmitarbeitern und Stiftungsvorstand ist derart zerrüttet, dass die Mitarbeiter zuletzt komplett den Vorstand als Träger so nicht mehr anerkennen. Wie soll das gelöst werden?

Oberbürgermeister Wendsche wird als neuer Vorsitzender zuerst Kontakt zum Personal aufnehmen. Zudem haben wir im Kuratorium unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die Leistung des Personals in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Museum an entscheidenden Stellen verändert und modernisiert wurde. Etwa im digitalen Auftritt, mit dem neuen Veranstaltungs-Tipi, der Außenwerbung und Besuchergewinnung. 

Das sehen wir als Kuratorium mit großer Freude. Wir schätzen diese Leistung und bedanken uns auch dafür. Und wir werden, insbesondere Herr Wendsche, wird versuchen, die Spaltung aufzulösen und die Kontinuität wieder herzustellen. Das soll integrativ passieren. In Zukunft soll das Museum in Kontinuität weitergeführt werden. Zwangsläufig und auch auf dessen Wunsch ohne Dr. Wacker, der sich ja einer neuen Aufgabe stellt.

Ich muss auch sagen, wenn ich gewusst hätte, dass sich eine derartige Schieflage entwickelt, wäre ich persönlich eingeschritten. Wir werden in Zukunft Wert darauf legen, dass Personen aus dem Kuratorium, die vor Ort sind, und auch ich persönlich Kontakt mit dem Personal halten.

Die Ziele von Museumsmitarbeitern und Stiftung sind die gleichen. Nur der Umgang miteinander ist in grobe Schieflage geraten.

Die Tätigkeit von Christian Wacker im Museum war innovativ und museal professionell. Leider Gottes in den letzten Tagen nicht, wie in der Vergangenheit praktiziert, gemeinsam mit allen Gremien nach außen dargestellt. Ich will noch herausfinden, was da genau passiert ist.

Es gibt Gerüchte, die Museums GmbH könnte aufgelöst, die Mitarbeiter entlassen werden. Und damit aus der einen Sicht das Problem gelöst werden. Stimmt das?

Nein. Kann ich ganz klar dementieren.

Wie soll das Projekt Neubau Karl-May-Museum weiter vorangetrieben werden?

Kuratorium und Vorstand wollen das Projekt ohne Einschränkungen vorantreiben – mit den drei Partnern, die Stadt Radebeul, das Land Sachsen und der Bund. Wir wissen ja, dass es Behinderungen und Verzögerungen gab. Oberbürgermeister Wendsche hat gestern klargestellt, dass er das Vorhaben mit voller Energie weitertreiben wird. 

Sowohl was die Kommunikation mit dem Land und dem Bund betrifft, als auch bezüglich dessen, was er in der Stadt leisten kann. Sollte allerdings der Grundstücksankauf für den Neubau an der Meißner Straße scheitern, auch das hat Herr Wendsche deutlich gemacht, droht das ganze Projekt zu scheitern.

Warum hat es die letzten Jahre, wie von Christian Wacker kritisiert, keine Fortschritte gegeben?

Es hat einen Formalfehler bei der Beantragung der Fördermittel gegeben.

Sie meinen den Generalvertrag mit einem Architekturbüro, der bei dieser Kostenhöhe nicht hätte unterschrieben werden dürfen.

Ja. Dieser Fehler musste behoben werden. Was zeitaufwendiger war als vorher gedacht. Dafür mussten rechtliche Bewertungen eingeholt werden. Zu allem Überfluss ist auch noch der letzte Termin im März mit den Fördermittelgebern wegen Corona ausgefallen. Das wird hoffentlich im Frühsommer nachgeholt.

Für die Fehlerbehebung sollen rund 60.000 Euro an Anwaltskosten angefallen sein.

Die genauen Zahlen müsste ich nochmals nachfragen. Zur Klärung solch komplexer Fragen des Bau-, Stiftungs- und Vergaberechts entstehen leider immer hohe Anwaltskosten – die aber hier unvermeidbar waren, weil wir das aus den Bordmitteln der Stiftung nicht leisten konnten. Dabei mussten Fachkanzleien helfen.

Haben Stiftung und Kuratorium in den letzten drei Jahren Fehler gemacht?

Was ganz klar festgestellt werden kann, ist, dass die Kommunikation zwischen Stiftungsvorstand, Kuratorium und Personal im Museum nicht optimal gelaufen ist. Das muss verbessert werden. Wir müssen miteinander reden. Sicherlich wurde nach meiner persönlichen heutigen Einschätzung in allen Gremien der Stiftung, aber auch in der Geschäftsleitung des Museums unterschätzt, in welches neues Fahrwasser wir uns mit dem Museumsprojekt begeben haben, einem Millionenprojekt. Das Vorgehen muss nun offensichtlich nochmals strukturell umgestellt werden. Deswegen wird die Sitzung am 27. Juni eine lange werden und ihre Vorbereitung viel Aufwand bei allen in Anspruch nehmen.

Ist das Neubauprojekt für die Stadt Radebeul eine Nummer zu groß?

Was Neubauten und insbesondere Museumsbauten mittlerweile an Kosten verschlingen, sehen wir alle. Aber wir denken, dass es mit vereinten Kräften sowie Landes- und Bundesunterstützung zu stemmen ist.

Zum Umgang mit Dr. Wacker und seiner Kritik. Stimmt es, dass er, weil er einer Mitarbeiterin, die unterbezahlt sein soll, 100 Euro Monatslohn mehr zugestanden hat, gerügt werden soll? Und stimmt es, dass man jetzt als Retourkutsche nach Fehlern in seiner Doktorarbeit sucht?

Das kann ich jetzt aus dem, was bisher im Kuratorium bekannt geworden ist, nicht bestätigen.

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Christian Wacker hat einen Vertrag in Kuweit. In einem Brief kritisiert er die Stiftung.

Können Sie sich vorstellen, dass das Museum mit Dr. Wacker – wie er es vorgeschlagen hat – auf irgendeine Art und Weise, etwa als Berater, nochmals zusammenarbeitet?

Diese Frage müssen Sie mir nochmals stellen, wenn ich das endgültige Meinungsbild von Kuratorium und Vorstand bis zur Sitzung am 27. Juni gesammelt habe.

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