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Kein Hänger mehr bei der Stema

2013 hat die Firma die Marktführerschaft verloren, nun soll sie zurückgewonnen werden, sagt der Chef.

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© Anne Hübschmann

Die Insolvenz der Baumarktkette „Praktiker“ mit ihrem Ableger „Max Bahr“ im vergangenen Jahr hat auch den Großenhainer Hersteller von Pkw-Anhängern „Stema“ getroffen. In diesem Jahr wird alles wieder besser, ist Geschäftsführer Michael Jursch überzeugt. Die SZ hat nachgefragt.

Herr Jursch, was hat die Insolvenz von Praktiker und Max Bahr für Ihr Unternehmen bedeutet?

Die Baumarktkette war einer unserer Großkunden, der 15 Prozent unseres Absatzes ausgemacht hat. Ihre Insolvenz ging natürlich nicht spurlos an uns vorüber, wir haben einiges an den Kostenschrauben drehen müssen, um uns auf die neue Situation einzustellen. Wir haben unsere Lieferanten und die Belegschaft mit ins Boot geholt und uns gefragt, was wir gemeinsam machen können. Andere Großkunden wie Bauhaus, Obi und Toom haben einige der Praktiker-Filialen übernommen und eröffnen sie nach und nach wieder, was wir positiv am Auftragseingang spüren.

Wie schätzen Sie die finanzielle Lage der Stema ein?

Ich möchte herausstellen, dass die Stema immer mit Skonto bezahlt hat und das auch bis heute tut. Wer mit Skonto bezahlt, der kann es, das weiß jeder. Das heißt, dass die finanzielle Lage der Stema, auch durch die Eigenkapitalausstattung, super ist. Die Finanzierung der Firma für dieses Jahr steht. Wir haben auch 2013 trotz der Umsatzeinbußen einen Gewinn im operativen Geschäft gemacht.

Könnten Sie dies mit Zahlen belegen?

Wir haben 2012 in den Baumärkten rund 14,8 Millionen Euro umgesetzt. 2013 waren es noch 13,1 Millionen, aber der Umsatz über den Fachhandel ist von 3,2 Millionen auf 4 Millionen Euro Umsatz gestiegen, wobei dort die Erträge höher als im Baumarktgeschäft sind. Das hat uns insgesamt ein positives Ergebnis beschert. Forderungsverluste sind durch Eigenkapital gedeckt – also wir sind absolut stabil und seriös unterwegs.

Über Fachhändler Anhänger zu verkaufen, ist sicher schwieriger als über den Baumarkt, weil die Kunden sehr anspruchsvoll sind und es um höherpreisige Angebote geht. Setzen Sie für die Zukunft dennoch verstärkt auf den Fachmarkt?

Der Fachhandel ist für uns das Wachstumsfeld der Zukunft. Bei Anhängern bis 750 Kilogramm Gesamtgewicht ist der Markt bei den Baumärkten gesättigt, die Zulassungszahlen gehen zurück. Wachstum gibt es bei speziell auf die Wünsche des Kunden zugeschnittenen Anhängern. Wir sind weggekommen von der Produktion in großen Stückzahlen, haben heute Nestfertigung und bauen im Bedarfsfall auch nur einen einzigen Hänger von einer Variante, wenn es der Kunde wünscht. Wir haben vergangenes Jahr 30 neue Fachhändler hinzugewinnen können, und zwar aufgrund unserer Produkte.

Wie ist das Jahr 2014 für die Stema angelaufen?

Im Januar und Februar 2013 hatten wir im Fachhandel einen Umsatz von 333 000 Euro. Im gleichen Zeitraum diesen Jahres waren es bereits 595 000 Euro. Momentan werden wir vom Markt überrascht. Wir haben für den Januar konservativ die Produktion von 1 319 Anhängern geplant. Ausgeliefert haben wir 2 133. Der Februar ist noch deutlicher von der im vergangenen November vorgenommenen Planung abgewichen. Statt geplanter 2 650 Anhänger haben wir 4 929 ausgeliefert. Im März werden wird 5 375 ausliefern, geplant waren hier etwa 3 000. Und diese Unterschiede kommen nicht zustande, weil wir unseren Plan von vornherein klein gerechnet haben.

Worauf führen Sie diese enormen Steigerungen dann zurück?

Wie gesagt, wir sind vom Markt überrascht. Vielleicht liegt es am Wetter. Letztes Jahr hatten wir ja bis in den April Winter. Wir haben ein Saisongeschäft, wenn die Sonne rauskommt, wollen die Leute schaffen und tun. Unsere 165 Mitarbeiter arbeiten momentan neun Stunden am Tag, auch sonnabends.

Liegt also der momentane Erfolg zuerst am Wetter?

Natürlich nicht allein. Unsere Produkte kommen gut an bei den Kunden, sonst würden sie sie uns ja nicht abkaufen. Und wir haben im Vergleich zur Konkurrenz die kürzesten Lieferzeiten, teils nur sieben Tage vom Eingang der Bestellung bis zur Auslieferung.

Sie werben analog zu VW:  „Volkswagen – das Auto“, „Stema – der Anhänger“. Sind Sie noch Marktführer in Deutschland?

Nein, Ende 2013 fehlten uns 400 Anhänger. Die Jahre zuvor waren wir Marktführer bei den Zulassungszahlen. Das hängt mit dem Ausfall von Praktiker zusammen. Aber ich bin guten Mutes, dass wir Ende des Jahres die Marktführerschaft zurückgewonnen haben werden, weil wir diese großen Auftragseingänge haben.

Wie würden Sie die Gesamtsituation der Stema zusammenfassen?

Nach einer schwierigen Zeit im vergangenen Jahr haben wir uns so gut aufstellen können mit Zukunftsprodukten, dass wir jetzt weitaus stabiler dastehen, als absehbar war. Momentan strotzen wir vor Kraft – das merkt man auch: Die Mannschaft hat Lust, die zieht, weil sie merkt, dass das, was sie produziert, erfolgreich am Markt ist.

Die Fragen stellte: Udo Lemke