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Kein Platz für die Blaue Tonne

Die Stadt hat gesterndie Papiercontainer in Weixdorf entfernen lassen. Eine Kompromiss-Idee blockt die Stadt ab.

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Von Sylvia Gebauer

Für den Weixdorfer Gunnar Lahmann beginnt das neue Jahr mit einem Ärgernis. Der Grund: Seit gestern gibt es in der Dresdner Ortschaft keinen einzigen Papiercontainer mehr. Auch Langebrück und Schönborn sind betroffen. In allen drei Ortschaften wurden gestern insgesamt 14 Container entfernt.

Stattdessen sollen sich die Anwohner dort die städtische Blaue Tonne anschaffen. Alternativ können sie den Papiercontainer im benachbarten Klotzsche an der Alexander-Herzen-Straße nutzen. So will es die Verwaltung nach einem Beschluss des Stadtrates. Gunnar Lahmann ist darüber alles andere als begeistert.

Mit seinem Nachbarn Bodo Wildermuth teilt er sich vor seinem Haus im Erich-Ockert-Weg am Hohenbuschcenter einen Stellplatz für die Mülltonnen. Aktuell stehen dort vier Tonnen: Zwei braune und zwei schwarze für Bio- und Restmüll. Gunnar Lahmann und Bodo Wildermuth sehen nicht ein, dass sie nun noch mehr Tonnen auf ihr Grundstück stellen sollen.

Im Dresdner Rathaus können die Verantwortlichen die Verärgerung im Dresdner Norden nicht verstehen. Dort argumentiert man stattdessen mit Zahlen: „Im Jahr 2008 boten private Unternehmen die privaten Blauen Tonnen an. Dieses Sammelsystem wurde besonders in Weixdorf mit 1017 Behältern angenommen“. Gunnar Lahmann hält dagegen, dass die Bewohner seiner Siedlung damals anders reagierten: Die Privatunternehmen sind hier kläglich gescheitert. Die blauen Tonnen wurden allesamt an den Straßenrand gestellt, mussten wieder eingesammelt werden.

„Wir haben um die 160 Quadratmeter an Grundstücksfläche noch zur Verfügung, ein Stück Grün will man ja trotzdem auch haben“, hält Gunnar Lahmann dagegen. Er, sein Nachbar Bodo Wildermuth und die vielen anderen Anwohner des Wohngebietes am Hohenbuschcenter schafften ihr Papier fortan zum Container am benachbarten Hohenbuschcenter.

Keine Ausnahmeregelung

Dieser lag auf dem Weg zur Arbeit und war mitunter so voll, dass Gunnar Lahmann die regelmäßigen Leerungen abpassen musste, damit das Papier noch in den Container passt. Schließlich wird er auch von vielen Besuchern des Hohenbuschcenters genutzt. „Man könnte doch anstelle des Papiercontainers mehrere städtische Blaue Tonnen aufstellen“, schlägt Bodo Wildermuth vor. Schließlich verbleiben die Glascontainer am Hohenbuschcenter „Genug Papier kommt schnell zusammen“, sagt Gunnar Lahmann.

Ein Umstand, den auch Weixdorfs Ortschaftsrat anmerkte. Ortsvorsteher Gottfried Ecke (CDU) und die Räte sprachen sich für den Erhalt dieses Containers aus. „Die bislang bei mir eingegangenen Beschwerden habe ich zum Anlass genommen, nochmals auf meine Bedenken in der Sache hinzuweisen, insbesondere zum Standort Hohenbusch“, teilte Gottfried Ecke mit.

Das Rathaus aber blockt ab: „Wir errichten ein haushaltnahes Sammelsystem mit direkter Zuordnung zum Grundstück. Einzelne Blaue Tonnen an den Wertstoffcontainern sind nicht möglich“, heißt es. Der Ortsvorsteher sieht das Problem auch im Beschluss des Dresdner Ausschusses für Umwelt und Kommunalwirtschaft, im November 2010 das Mischsystem einzuführen. Weixdorf, Langebrück und Schönborn hörte man nicht an. Sie wurden damals vor vollendete Tatsachen gestellt.