merken
PLUS

Kein Retter für die Kalköfen in Sicht

Es gibt 20 Industriedenkmale im Görlitzer Umland. Doch deren Erhalt ist nicht einfach.

Von Steffen Gerhardt

Sie sind die letzten drei Zeugen eines Industriezweiges, der schon im 14. Jahrhundert seinen Ursprung unweit der Neiße hatte: der Kalkbergbau. Die Rede ist von den Kalköfen, die am Rande der ehemaligen Kalkgrube bei Kunnersdorf stehen. Nachdem die Kalkförderung 1989 eingestellt wurde, blieben auch die Öfen kalt und fristen seitdem ihren Dornröschenschlaf. Obwohl sie durch den Denkmalschutz zum Industriedenkmal erklärt wurden, passiert an ihnen nichts. Im Gegenteil. Das Mauerwerk wird brüchig und das Holzdach von dem umgebenden Gebäude ist inzwischen eingefallen. Um der Zerstörung durch Menschenhand vorzubeugen, wurden Tür- und Fensteröffnungen zugemauert, aber das war es schon.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Beispiel 1: Kunnersdorfer Kalköfen verfallen immer mehr

Michael Hantl, der im Kalkbruch seine Tauchschule betreibt, hat eine der Ruinen direkt auf seinem gepachteten Grundstück stehen. „Mich schmerzt der Anblick und die Tatsache, dass der Ofen immer mehr verfällt“, sagt er. Allein kann der Tauchlehrer den Verfall nicht stoppen, obwohl er sich sehr bemüht, in seinem Gelände für Ordnung zu sorgen. Das Industriedenkmal wenigstens zu erhalten, sollte Aufgabe des Landkreises sein, ist seine Meinung.

Auch wenn die Denkmalpflege davon spricht, dass ein Erhalt der Öfen wünschenswert ist, kann sie direkt nicht viel dafür tun. Denn die Initiative muss von dem Eigentümer ausgehen, heißt es von der Unteren Denkmalbehörde. „Er kann einen Antrag stellen, den wir im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalschutz prüfen und genehmigen“, erklärt Friederike Vialon von der Unteren Denkmalbehörde das Prozedere. Dazu wird der Antragsteller über Fördermöglichkeiten beraten – das setzt eigene Gelder voraus. Bisher liegt der Behörde aber nichts vor, auch vom Eigentümer der anderen beiden Kalköfen nicht. Sie gehören einem Nieskyer. Dieser hat das Gelände vor rund zehn Jahren gekauft. Aber mehr, um seinem Hobby als Angler nachzukommen, als für den Erhalt der Öfen etwas zu tun. Gegenüber der SZ sagte er, dass er mit den beiden Öfen nichts vorhat. Außerdem soll es noch einen vierten Ofen geben, der aber nur noch als Steinhaufen zu identifizieren sei.

Beispiel 2: Granitabbau ist eine touristische Attraktion

Während die Überbleibsel des Kalkbergbaus dem weiteren Niedergang geweiht sind, erlebt der Königshainer Granitabbau einen Aufschwung. Nicht industriell, sondern touristisch.

Die ehemalige Abbaustätte ist ein weiteres von insgesamt rund 20 Industriedenkmäler im Görlitzer Umland. Von 1844 bis 1975 brach hier die Steinindustrie Granitgestein. Danach wurde das Objekt zu einem Museum, das heute vom Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund betrieben wird. Geschäftsführer Steffen Menzel verweist auf die im vergangenen Jahr abgeschlossene Neugestaltung des Museums und darauf, dass als nächstes der Lehrpfad neu gestaltet wird. „Zusammen mit der Gemeinde Königshain prüfen wir jetzt Möglichkeiten einer Förderung des Vorhabens“, so der Geschäftsführer. Somit ist der Museumsverbund weiter bestrebt, auch das Gelände attraktiver herzurichten, um einen tieferen Einblick in die Tätigkeit der Steinarbeiter zu geben.

Weiterführende Artikel

Ist die Badesaison wirklich gerettet?

Ist die Badesaison wirklich gerettet?

Es gibt einen Vertrag, einen Sponsor, einen Einsatzplan: Aber dass in diesem Sommer genügend Rettungsschwimmer am See Dienst tun, kann man nur hoffen.

Eng mit dem Granitabbau verbunden ist die ehemalige Kreisbahn und heutiger Radwanderweg. Auf dieser Bahnstrecke wurde der Granit abtransportiert. Was nicht jeder weiß, auch die beiden Bahnhöfe in Königshain und Ebersbach sind Einzeldenkmäler. Sie werden privat bewohnt.