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Warum es kein Salutschießen für Professor Patzelt gab

Die Großenhainer Freischützen sollten an der Abschiedszeremonie für den Politologen an der TU Dresden teilnehmen. Doch der Verein will sich von der Politik fernhalten - das wirft viele Fragen auf.

Ende Januar wurde Werner Patzelt an der ZU Dresden verabschiedet. Statt der Großenhainer Freischützen war ein Fanfarenzug der Kamenzer Spielleute Teil der Zeremonie.
Ende Januar wurde Werner Patzelt an der ZU Dresden verabschiedet. Statt der Großenhainer Freischützen war ein Fanfarenzug der Kamenzer Spielleute Teil der Zeremonie. © ronaldbonss.com

Großenhain/Dresden. Man könnte die Episode als alltäglichen Flop der Bürokratie abtun. Der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Fischer hätte es gern gesehen, wenn die CDU den Politikprofessor Werner Patzelt mit einem Salutschießen an der TU Dresden verabschiedet und in ihren Reihen des CDU-Wahlkampfteams begrüßt hätte. Das hatten Patzelts Studenten vorgeschlagen. 

Fischer rief also in Großenhain an. Schließlich hatten die Schützen der Freischützengesellschaft 1860 Großenhain, Abteilung Stadtwache zu Hayn, schon Ministerpräsident Stanislaw Tillich in Ehren mit Salutböllern verabschiedet. Das war an einem Donnerstagabend. Am Montag sollte die Verabschiedung der TU Dresden stattfinden – zu kurzfristig, so das Ordnungsamt Dresden, um alle möglichen Genehmigungen einzuholen. 

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So kam es, dass stattdessen ein Fanfarenzug der Dresdner Spielleute die Zeremonie übernahm. Ein rein zeitliches Problem also? Wohl nicht, denn im Gespräch der SZ mit Michael Enger, erster Vorsitzender der Großenhainer Freischützengesellschaft, zeigt sich schnell, der Konflikt sitzt viel tiefer. Auf die Frage, ob es möglicherweise noch einen Nachholetermin gibt, wie Fischer angeregt hatte, lehnt er ab. „Sicher nicht, ich halte das für keine gute Idee“, so Enger.

Die Abschiedszeremonie an der TU fand ohne Salutschießen statt.
Die Abschiedszeremonie an der TU fand ohne Salutschießen statt. © Klaus Dieter Brühl

Liegt das an der umstrittenen Person von Patzelt, dem AfD-Nähe vorgeworfen wird? „Nein, ich bin rückblickend auch vom Salutschießen bei Tillich nicht begeistert“, antwortet Enger. Die Großenhainer Schützen sollten solche Auftritte meiden und sich ganz auf runde Geburtstage der Schützenbrüder und Schützenfeste konzentrieren, wie es im Statut festgelegt ist. Nur der Vorstand befinde über solche Auftritte. Ein unmissverständliches Zeichen: es gibt dazu unterschiedliche Meinungen unter den Schützen. 

Salutschießen ist Brauchtum, das 2015 sogar als fester Bestandteil des Schützenwesens in Deutschland in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Doch das Brauchtum „Böllern“ hat es schwer in einer Zeit, in der jeder Böllerer als Storchenschreck gilt – schlimmer, er könnte ein Militarist sein. Armin Benicke, Schütze und Vorsitzender des Großenhainer Fliegervereins, ist ein offensiver Verfechter dieses Brauchtums. 

Dafür hat er kürzlich erst einen Rüffel vom Vorstand gefangen, doch er bleibt dabei. „Wie wollen wir den Bürgern denn diese Tradition nahebringen, wenn wir sie selber nicht mehr pflegen?“ fragt er und hofft, dass sich die Schützen auf ihrer Jahresmitgliederversammlung am 16. März im Alberttreff dazu grundsätzlich aussprechen.

Denn die Schützen haben noch eine ganz andere Debatte: den Tag der Sachsen. Der Vorstand der Großenhainer Freischützen möchte ohne Waffen am historischen Festumzug teilnehmen. Andere finden das hinter vorgehaltener Hand schlicht „albern“ nur in Uniformen zu laufen. 

Dabei hat das Kuratorium den sächsischen Schützen unter strengen Auflagen das Tragen der historischen Vorderlader erlaubt. Anzumelden haben sie sich beim Kreisschützenmeister Röder-Mulde, Alois Langwieser aus Sacka. Das Salutschießen ist dagegen nur noch wenigen vorbehalten.

Barbara Korsowski vom Kreisordnungsamt Meißen bestätigt, im Landkreis Meißen haben neben den Großdobritzer Schützen nur die Großenhainer die Genehmigung, den Ehrensalut zu schießen und das auch nicht generell. 

Die Schützen sind namentlich hinterlegt und durchlaufen bei der Überprüfung jedes Mal einzeln einen Sicherheitscheck durch Polizei, LKA und Verfassungsschutz. Außerdem sind Sachkundenachweis und Versicherung vorzulegen und strenge Auflagen vor Ort einzuhalten. Doch dazu muss erst einmal grundsätzlich klar sein, was die Schützen selbst wollen.

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