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Kein Stillstand beim Stahlbau Reichenau

Trotz der Insolvenz konnte der Betrieb große Kunden halten. Arbeit ist da. Doch im Hintergrund grummelt es.

© Egbert Kamprath

Von Regine Schlesinger

Reichenau. Das Wichtigste ist, dass Aufträge da sind“, sagt Insolvenzverwalter Lars Birkigt. Und das sind sie. Betriebsleiter Andreas Lohse spricht von zwei bis drei Monaten Vorlauf. Für Siemens liefern die Reichenauer Fundamenteinbauteile für drei Kraftwerke zu, die in Ägypten stehen werden. Für eine völlig neue Generation von Druckern, in Kooperation entwickelt vom Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer und HP, stellt die Stahlbau GmbH den Stahlunterbau her. Auch BASF gehört nach wie vor zu den Auftraggebern.

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Es gäbe auch schon Aufträge fürs zweite Quartal, versichert Andreas Lohse, der im Frühsommer des vergangenen Jahres für das Unternehmen Insolvenz anmelden musste, weil die Zahlungsunfähigkeit drohte. Inzwischen haben neben den Kunden auch die meisten Lieferanten wieder Vertrauen zu den Reichenauern. Die Zeit sei überwunden, in der alle Vorkasse wollten oder kurze Zahlungsziele setzen, sagt der Insolvenzverwalter. „Die Zahlungsziele sind inzwischen wieder so wie beim Unternehmen, die nicht im Insolvenzverfahren sind.“ Was noch läuft, ist die Suche nach einem Investor. Er sei mit einigen im Gespräch, sagt Lars Birkigt. Aber es gebe jetzt keinen zeitlichen Druck. Er geht jedoch davon aus, noch im ersten Quartal dieses Jahres bei der Investorensuche entscheidende Schritte voranzukommen.

Chemie stimmt nicht mehr

Das klingt alles ganz erfreulich – und trotzdem, es grummelt im Hintergrund, und das offenbar schon länger. Bedingt durch ihre Gründungsgeschichte als PGH, also als Produktionsgenossenschaft des Handwerks, hat die GmbH derzeit noch elf Gesellschafter. Zwischen ihnen und dem ehemaligen Geschäftsführer Andreas Lohse stimmt die Chemie nicht mehr und das nicht erst seit der Insolvenz. Weil sich ein mittelständisches Unternehmen mit so vielen Gesellschaftern nicht so gut führen lässt, wollte Andreas Lohse deren Anteile aufkaufen. Doch das wollten diese nicht. Jetzt ist die Situation für die Gesellschafter bitter. Sie haben zwar als Gläubiger auch ihre Forderungen angemeldet. Doch wenn es zu einer Verteilung kommt, sind erst einmal die großen Gläubiger wie die Bank an der Reihe. Die Aussichten, dass für die Gesellschafter noch etwas übrig bleibt, sind schlecht. Auch ein Grund, weshalb sie die Insolvenz gern verhindert hätten und jetzt Andreas Lohse vorwerfen, dass er mit der Anmeldung der Insolvenz vorgeprescht sei. Am gleichen Tag, an dem er beim Insolvenzgericht in Dresden war, war auch eine Gesellschafterversammlung angesetzt. Bernd Kluge, einer der Gesellschafter glaubt, dass man gemeinsam vielleicht einen anderen Weg gefunden hätte.

Insolvenzantrag war richtig

Doch diese Diskussion wollte Andreas Lohse, wie er sagt, nicht noch einmal führen. „Die Insolvenzanmeldung war richtig. So sind wir nicht erst in ein tiefes Loch gefallen und auch der Schuldenberg ist nicht noch größer geworden.“ Wäre das Unternehmen nicht reif für die Insolvenz gewesen, wäre das Verfahren nicht eröffnet worden, ergänzt Lars Birkigt. Als Insolvenzfachmann begrüße er es, wenn die Anträge so zeitig wie möglich gestellt werden.

Doch das ist nicht der einzige Vorwurf, den die Gesellschafter machen. Sie finden auch, dass der ehemalige Geschäftsführer zu viele Versicherungen für eine spätere Pension abgeschlossen hat. Das Geld wäre besser ins Unternehmen geflossen. Auch diesen Vorwurf weist Andreas Lohse von sich. Es sei immer nur darum gegangen, die Pension in der Höhe abzusichern, wie sie von Anbeginn vereinbart war. Was Versicherungen und die Vergütung angeht, werde alles sowohl versicherungsrechtlich als auch gesellschaftsrechtlich geprüft, versichert der Insolvenzverwalter, der sich dafür noch durch etliche Aktenordner kämpfen muss. Diese gründliche Prüfung sei aber auch im Interesse von Andreas Lohse. Denn eine Sanierung des Unternehmens geht aus Sicht des Insolvenzverwalters nur mit Andreas Lohse und dem Know-how, das er einbringen kann.