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Keulahütte Krauschwitz verklagt Ravon

Die Gießerei zahlt 500 000 Euro Entsorgungskosten. Dagegen wehrt sich die Firma. Aber es gibt noch andere Probleme.

Von Sabine Larbig

Ein angeleuchteter Barbaraturm, Fackelträger, Reden, Salutschüsse, Steigerlied und Gottes Segen. Das alles gehört zur Barbarafeier der Keulahütte Krauschwitz. Was nicht dazugehört: gedrückte Stimmung trotz voller Auftragsbücher für das Traditionsunternehmen mit Weltruhm.

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Nur wenige Stunden vor der Barbarafeier erhielt das Unternehmen mit 282 Mitarbeitern und 13 Lehrlingen einen 1,4 Millionen-Euro-Auftrag aus Moskau. Für russische Auftraggeber werden Großarmaturen produziert. Ein weiterer Schritt in Richtung 38 Millionen Euro Jahresumsatz 2014, Ausbau der Industriegussproduktion und Erschließung weiterer Exportmärkte.

Trotzdem überwiegen Wut und Ärger bei der Barbarafeier. „Wir haben erstmalig auf die Einladung von Vertretern der Regional- und Bundespolitik verzichtet“, erklärt Geschäftsführer Mario Mackowiak. „Wer die Keulahütte durch maschinell erstellten Gebührenbescheid mit jährlich einer halben Million Euro Mehrkosten für die Entsorgung belastet, ist nicht Partner der Regionalwirtschaft“, sagt er.

Hintergrund ist, dass die Keulahütte seit Schließung ihrer Betriebsdeponie im Jahr 2010 stetig höhere Entsorgungskosten für Gießereisande an den Regionalen Abfallverband Oberlausitz-Niederschlesien (Ravon) zahlt. Lagen die Kosten 2011 noch bei rund 200 000 Euro, sind es 2013 bereits eine halbe Million Euro. Tendenz steigend. „Die Gesamtkosten seit Schließung unserer Deponie betragen schon rund 2,1 Millionen Euro“, weiß Mackowiak. Besonders ärgert es ihn, dass die Keulahütte im April 2012 – ohne Ankündigung – den maschinellen Gebührenbescheid für 2013 erhielt, der eine 179 prozentige Kostensteigerung beinhaltet. „Durch die drastischen Kostensteigerungen machen wir Verluste“, bekennt der Geschäftsführer der Keulahütte. Die Verluste gleiche der Eigentümer aus. Allerdings fehle so Geld für dringend benötigte Anlagen und Maschinen. Noch deutlicher wird Hans-Joachim Freiherr von Rothkirch, Generalbevollmächtigter der Vattenfall-Europe-Mining-Gruppe, zu der die Keulahütte seit 17 Jahren gehört. „Im Oktober haben wir Klage eingereicht mit dem Ziel, zu viel bezahlte Entsorgungsbeträge zurückzuerhalten.“ Laut dem Geschäftsführer der Muttergesellschaft VEM-Holding Falk Lehmann hat der Eigentümer der Keulahütte bei der Staatsanwaltschaft Görlitz außerdem eine Anzeige gegen die Ravon-Geschäftsführung und den Aufsichtsratsvorsitzenden erstattet.

Die immensen Entsorgungskosten sind nicht das einzige Problem des Gießereibetriebes in Krauschwitz. Gesetzlich festgelegte Gebühren wie Stromsteuer oder die Abgabe für erneuerbare Energien kosten das Unternehmen jährlich weitere 500 000 Euro. Und dies, obwohl der „Warmbetrieb“ nicht mehr Strom verbraucht als zuvor. Laut Freiherr von Rothkirch seien die Folgen verheerend. „Zehn Gießereien sind in Insolvenz, weitere Warmbetriebe wackeln.“ Das Unternehmen sucht daher das Gespräch mit der Politik.

Ob die Keulahütte dadurch künftig weniger Kosten hat, ist offen. Für die Belegschaft gibt es seit diesem Monat trotzdem zwei Prozent mehr Lohn und Gehalt. Auch 26 Leiharbeiter sind nun fest angestellt. Das motiviert. Denn um Kostenexplosionen auszugleichen, müssen Absatz und Produktion steigen. Das geht nur mit genug Fachpersonal.