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Kinder üben das Neinsagen

In einem Projekt lernen die Kleinen, sich gegenüber Erwachsenen zu behaupten.

Von Sophie Arlet

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Wenn es darum geht, das Zimmer aufzuräumen und mehr Spinat zu essen, können Kinder meist sehr gut Nein sagen. Gegenüber fremden Erwachsenen oder in unangenehmen Situationen ist das schon schwieriger. In der Bibliothek Strehlen haben die Vorschulkinder der Kita Spielkiste jetzt gelernt, dass sie ihren Unmut laut und deutlich kundtun dürfen.

Dazu hat Bibliotheksleiterin Ute-Kerstin Just ein passendes Buch ausgesucht. Darin geht es um ein Mädchen, das auf einer Parkbank sitzt und Schokolade isst. Immer wieder kommen Leute vorbei, wollen sich daneben setzen oder etwas von der Schokolade abhaben. Das schüchterne Mädchen will das nicht, kann sich aber nicht so richtig gegen die anderen durchsetzen. Lilith hat schnell erkannt, was das Mädchen im Buch falsch macht. „Das Nein muss man laut sagen“, ruft die Fünfjährige.

Die Vorlesestunde in der Bibliothek ist der Auftakt für ein Projekt, das die Kita am Rudolf-Bergander-Ring schon zum fünften Mal durchführt. „Die Kinder werden dabei für bestimmte Situationen sensibilisiert“, sagt Erzieherin Silke Neumann.

In den kommenden Monaten wird ein Trainer den Kindern zum Beispiel beibringen, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie jemand aus einem Auto heraus anspricht. Und auch das Dresdner Polizeipuppenspiel kommt in die Kita.

Die Bibliothek Strehlen ist seit drei Jahren bei dem Projekt dabei. „Es ist eine Gratwanderung“, sagt Ute-Kerstin Just. Das Grundvertrauen der Kinder in Erwachsene dürfe nicht zerstört werden. Das betont auch Meike Freienberg von Shukura, einer Dresdner Fachstelle der Arbeiterwohlfahrt zur Prävention sexualisierter Gewalt. „Solche Projekte sind gut, um das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken.“ Die Verantwortung liege aber bei den Erwachsenen. „Die Kinder dürfen nicht das Gefühl bekommen, selbst für ihre Sicherheit sorgen zu müssen“, sagt die Diplom-Pädagogin.

Shukura führt in Grundschulen ein Theaterstück auf, das Kindern ihre Rechte verdeutlicht. Zudem gibt es in Dresden die Initiative „Bärenstarker August“. Dort machen Geschäfte und Institutionen mit, an denen Kinder oft vorbeikommen. Ein Logo im Schaufenster zeigt, dass sie dort Hilfe finden, wenn ihnen etwas komisch vorkommt. Auch diese Initiative lernen die Kinder von der Kita Spielkiste nun kennen.