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Kinderarzt rechnet mit Ansturm

Allergie, Infekt oder Corona? Kinder dürfen nur gesund in die Kita oder Schule. Bescheinigen muss das Dr. Eckardt Erdmann.

Dr. Eckhardt Erdmann ist seit 1998 Kinderarzt in Döbeln. Zur Praxis gehört eine Zweigstelle in Lommatzsch.
Dr. Eckhardt Erdmann ist seit 1998 Kinderarzt in Döbeln. Zur Praxis gehört eine Zweigstelle in Lommatzsch. © André Braun/Döbelner Anzeiger

„Das wird in den nächsten Wochen viel Unsicherheit, Verwirrung und viele zusätzliche Untersuchungen geben. Aber das ist nicht zu ändern. So sind nun einmal die Auflagen für den Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung in der Corona-Pandemie“, sagt der Kinderarzt Dr. Eckhardt Erdmann aus Döbeln.

Er denkt, dass in der kommenden Woche die Zahl an Patienten in der Praxis wieder steigen wird. Aktuell behandeln er und seine Kollegin Susann Bley an der Grimmaischen Straße im Schnitt 100 Patienten pro Tag. Die Vormittage sind für Akutpatienten vorgesehen, die im Krankheitsfall Hilfe benötigen. Die Nachmittage sind für die gesunden Patienten reserviert, die zur Vorsorge oder zum Impfen kommen. „Diese Termine finden auch statt. Wenn nicht, dann melden wir uns“, sagt Erdmann. 

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Telefonische Nachfragen dazu seien vonseiten der Eltern nicht mehr notwendig. Das Modell mit der Akutsprechstunde und dem Bestellsystem am Nachmittag habe sich bewährt, sagt der Kinderarzt. Dadurch sei es auch möglich gewesen, Vorsorge-, Impftermine und Kontrolluntersuchungen, die im März zu Beginn der Pandemie ausgefallen waren, nachzuholen. „Bis auf einen gewissen Überhang haben wir das schon ganz gut wieder aufgeholt“, sagt der Döbelner. Mindestens bis Sommer solle an dem Prinzip festgehalten werden. Auch die Eltern hätte es sehr gut akzeptiert. Wie sich die Situation allerdings in der kommenden Woche entwickeln werde, weiß er nicht.

„Wir erwarten nächste Woche mit Beginn des Schulstarts und der Kita-Öffnung die Spitze des Eisberges bei Attestanfragen und Infektfreiheitsbescheinigungen . Wie wir das regulieren, müssen wir sehen.“ Denn eine Gesundschreibung sei nur möglich, wenn der Arzt das Kind noch einmal gesehen hat. „Ansonsten müssten wir uns darauf einigen, dass jedes Kind mit Infektionsverdacht 14 Tage zu Hause bleibt. Aber das wird schwer realisierbar sein“, sagt Erdmann.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Ob das Kind nur einen Infekt oder eine Allergie hat, oder Corona hinter den Symptomen steckt, sei auch für den Mediziner rein klinisch schwer zu beurteilen. Denn nachweislich zeigt sich bei Kindern unter 15 Jahren die Coronavirusinfektion nur sehr mild bis symptomfrei. „Typische Symptome wie Fieber und massiv trockener Husten in Kombination mit grippalen Beschwerden sind bei Kindern selten zu beobachten“, meint Erdmann. 

Um wirklich sicher zu gehen, seien Tests notwendig. Doch die würden nicht bei jedem Patienten ausgeführt, erst recht nicht nur auf Wunsch der Schule oder Kita. „Wir führen einen Test durch, wenn der Patient Kontakt zu einem anderen Corona-Patienten hatte, nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes sowie bei den entsprechenden Symptomen“, erklärt Erdmann. Bestehe ein medizinischer Grund für den Test, dann zahle auch die Krankenkasse dafür. Bestehe von einer Schule oder Kita nur der Wunsch nach einem Test, dann müsste diese sich ans Gesundheitsamt wenden. „Das muss die öffentliche Hand zahlen“, meint Erdmann.

Viele Eltern fragen auch, ob sie für ihr Kind, das an Heuschnupfen oder anderen Allergien leidet, jetzt ein Attest benötigen. Das sei jedoch mitunter problematisch, sagt der Döbelner Kinderarzt. Denn: „Ich könnte für das Kind jede Woche ein neues Attest für Heuschnupfen oder Asthma ausstellen. Und am Ende kann es in der Woche an einem Infekt erkranken“, beschreibt er das Problem. Er könne keine „Freifahrtsscheine“ verteilen. Erdmann plädiert dafür, dass die Eltern in den Einrichtungen deutlichmachen, dass ihr Kind an einer Allergie leide. Sollten ungewöhnliche Symptome auftreten oder Infektsymptome hinzukommen, dann sollten die Eltern mit dem Kind nach Voranmeldung zum Arzt gehen.

Bisher hat die Praxisgemeinschaft Erdmann, zu der auch eine Niederlassung in Lommatzsch gehört, insgesamt nur einen Corona-Patienten behandelt, wie Erdmann sagt. Das sei in der Lommatzscher Praxis gewesen, so der Mediziner. „Die Krankheitslast ist aktuell gering, da ist Influenza schon in unserem Alltag saisonal was anderes. Bei der Grippe sind die Kinder die Hauptüberträger und bringen die Krankheit in die Familien“, schildert er. Erdmann vermutet, dass das Coronavirus im Herbst wieder verstärkt auftreten könnte.

Lockerungen im Praxisbetrieb wird es vorerst nicht geben. „Das wird mindestens noch bis zu den Sommerferien so bleiben“, sagt Eckhardt Erdmann. Die Ärzte und Schwestern tragen Mundschutz und es wird auf ausreichend Abstand im Wartezimmer geachtet. Akute Verdachtsfälle könnten in einem abgetrennten Bereich untersucht und behandelt werden.

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