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Kinderschloss ist kein Kinderspiel

In Waldhufen setzen sich Bürger für ein Millionenprojekt ein. Denn allein mit Fördergeld sind nicht alle Wünsche umsetzbar.

© André Schulze

Von Alexander Kempf

Wenn Julia Liebig durch die alten Postkartenmotive vom Schloss Jänkendorf blättert, kann sie in die Zukunft schauen. In drei Jahren soll das Gutshaus wieder in altem Glanz erstrahlen. Falls die Sanierung gelingt, ist das auch ihr Verdienst. Denn die 25-Jährige leitet den Förderkreis Kinderschloss Waldhufen. Die Initiative setzt sich für den Ausbau des Hauses zu einer Kindertagesstätte ein. Julia Liebig hat selbst keine Kinder. Dafür aber noch sehr gute Erinnerungen an ihre Schulzeit im Schloss Jänkendorf. Dort ist sie in die Grundschule gegangen. Als diese 2010 nach Nieder Seifersdorf in einen schmucklosen Bau aus DDR-Tagen umzieht und das Schloss fortan leer steht, stimmt sie das traurig. „Der Leerstand tat mir weh“, sagt Julia Liebig.

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Ihr Freund Manuel Schmidt kann das nachvollziehen. Auch er ist noch im Schloss zur Schule gegangen. Als beide erfahren haben, dass das Gutshaus in ein Kinderschloss umgewandelt werden soll, sind sie begeistert. Im sozialen Netzwerk Facebook haben sie bereits eine Seite für das Vorhaben eingerichtet. „Alte Mauern – Neues Leben im Schloss Jänkendorf“ heißt die Gruppe mit 164 Unterstützern.

„Die jungen Leute müssen voran“, sagt Gemeinderätin Edina Nitsche. Sie lobt das Engagement von Julia Liebig und ihrem Freund. Aus seiner Sammlung stammen die historischen Postkarten vom Schloss Jänkendorf, die der Förderkreis zu einem Kalender zusammengestellt hat. Der Erlös soll dem Kinderschloss zugute kommen. Die ersten 110 Stück sind bereits vergriffen. Edina Nitsche gefällt, dass gute Ideen im Förderkreis schnell umgesetzt werden.

Der Gemeinderat hat sich mit seiner Entscheidung pro Kinderschloss schwerer getan. Einstimmig ist der Beschluss nicht gefasst worden. Zweieinhalb Millionen Euro kostet der Ausbau. Mindestens. „Natürlich ist das ein Batzen Geld. Da hat man auch Bauchschmerzen“, gesteht Edina Nitsche. Trotzdem hat die Oma von zwei Enkeln für das Vorhaben votiert und engagiert sich leidenschaftlich im Förderkeis.

Erzieherin Jana Mühle von der Kindertagesstätte in Nieder Seifersdorf verspricht sich viele Vorteile vom Kinderschloss. Gerade für die Krippe, die sich im Erdgeschoss befinden soll. Die Kleinkinder müssten dann keine Treppen mehr steigen. „Für die Kinder ist das die beste Entscheidung“, sagt sie. Die Erzieherinnen freuen sich darauf, die Kleinen künftig länger zu begleiten. Auch darum bringt sich Jana Mühle beim Förderkreis ein. Kürzlich haben die Erzieherinnen in Nieder Seifersdorf zugunsten des Kinderschlosses mit den Kindern Weihnachtsdekoration gebastelt und diese auf dem Weihnachtsmarkt im Ort angeboten.

Angesichts der hohen Kosten für die Sanierung erscheinen diese Beträge jedoch wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Braucht es für das Vorhaben also tatsächlich einen Förderkeis? „Den braucht es auch die nächsten 100 Jahre noch“, sagt Waldhufens Bürgermeister Horst Brückner. Denn Bildung kostet Geld. Allein für Feste fallen schnell Kosten in Höhe von 1000 Euro an.

Zudem ist die Wunschliste von Eltern und Erziehern für das Kinderschloss Waldhufen lang. „Wir wollen das Beste für die Kinder“, sagt Erzieherin Jana Mühle. Die für die Sanierung veranschlagte Summe reiche zwar für den Standard aus, nicht aber für Sonderwünsche. Die Erzieherinnen hoffen auf einen Turnraum und einen Krippenspielplatz. „Dafür brauchen wir jeden Cent.“

Tatsächlich hätte die Gemeinde für deutlich weniger Geld eine neue Kindertagesstätte bauen können. Verglichen mit einem Neubau kostet die Sanierung des Jänkendorfer Schlosses rund eine Million Euro mehr, räumt Bürgermeister Horst Brückner ein. Außerdem soll die Kindertagesstätte in Nieder Seifersdorf erhalten bleiben. Im Förderkreis herrscht dennoch Einigkeit, dass das Kinderschloss eine nachhaltige Investition ist. Denn das leerstehende Gebäude, das der Gemeinde gehört, sei aufgrund seiner Größe nur schwer zu vermarkten, sagt Heike Hübner vom Bauamt des Verwaltungsverbandes Diehsa.

Bei der Vermarktung des Kinderschlosses jedoch könnte sich die Geschichte des Gutshauses als Glücksfall erweisen. Denn die einstige Hausherrin Eleonore von Reuss soll sich bereits im 19. Jahrhundert in einer Kleinkinderschule, einer Vorform der Kindertagesstätten, für die Jänkendorfer Kinder eingesetzt haben.

Damit will der Förderkreis bald auf einem Flyer werben, der weltweit verschickt werden soll. Auf Julia Liebig und ihre Mitstreiter kommt in den nächsten Monaten also noch eine Menge Arbeit zu, ehe das Schloss wieder ein Postkartenmotiv wird.