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Kinoatmosphäre im OP-Saal

Die Freitaler Helios-Klinik setzt auf Filme statt Beruhigungspillen. Das kommt gut an und hat auch einen medizinischen Nutzen.

Chefanästhesist Alexander Popp und Schwester Susann Thomalla haben für ihre Patienten jetzt etwas zur Ablenkung: eine Videobrille im OP-Saal.
Chefanästhesist Alexander Popp und Schwester Susann Thomalla haben für ihre Patienten jetzt etwas zur Ablenkung: eine Videobrille im OP-Saal. © Karl-Ludwig Oberthür

Hilfe, der Arzt kommt. Matthias Popp tritt in grünem Kleidung, Kopfbedeckung und Mundschutz durch die riesige Edelstahltür, über der vielsagen OP-Saal II steht. Jetzt wird es ernst, denn Popp ist Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin an der Helios-Klinik in Freital. Wo er ist, gibt es meist ein schmerzhaftes Problem. Und das muss operiert werden. Popp ist zuständig für örtliche Betäubungen und Narkose – vom einfachen Eingriff nach einem Unfall ebenso wie für komplexe, mehrstündige Operationen. Dabei setzen er und sein Team nun auf die neueste Unterhaltungstechnik. Sie heißt „Happy Med“, was für „glückliche Medizin“ steht, und ist eine Videobrille. Die Videobrille soll Patienten, die lediglich eine örtliche Betäubung bekommen, ablenken. „Viele Patienten wollen ja doch nicht so genau sehen oder hören, was die Ärzte da gerade mit ihnen anstellen.“ Bisher hat Popp in solchen Fällen den Betroffenen eine Schlaftablette verabreicht. Doch die Pillen haben einen Nachteil: Vor allem ältere Menschen über 70 sind beim Aufwachen häufig verwirrt und desorientiert. Um die zusätzlichen Medikamente zu umgehen, ist die Videobrille da. In Kombination mit Kopfhörern wird sie aufgesetzt und verbreitet Kino- statt OP-Atmosphäre. Die Auswahl an Filmen ist groß. Mehr als 90 Streifen unterschiedlicher Länge stehen zur Verfügung. Es gibt entspannende Inhalte wie Naturdokumentationen, unterhaltsame Kurzfilme wie Mr. Bean oder auch Blockbuster wie Mission Impossible. Für besonders kulturell interessierte Patienten haben die Ärzte auch Opern- oder Ballettaufführungen im Programm. Auch an junge Patienten wurde gedacht: So können die Ärzte auch Biene Maja oder Wickie in die kleine Box laden, die an die Videobrille gekoppelt ist und diese steuert.

Damit auch jeder entsprechend scharf sehen kann, lässt sich die Videobrille auf die Sehstärke einstellen. Die Kopfhörer können separat zugeschaltet werden, sodass die Streifen auch ohne Ton gesehen werden können, zum Beispiel bei Naturaufnahmen. Diese Funktion ist auch wichtig, wenn die Ärzte mit ihren Patienten kommunizieren möchten. Die Videobrille kommt bei den meisten gut an. „Die Leute sind ganz begeistert“, berichtet Popp. Derart abgelenkt vergehe für die meisten die OP wie im Flug.

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