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Soll die Kita kostenlos sein oder nicht?

Ob die Betreuung kostenlos sein soll - wenigstens im Vorschuljahr -, darüber haben die Redakteure Anja Beutler und Jana Ulbrich ein Pro & Contra geschrieben.

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Anja Beutler (links) und Jana Ulbrich.
Anja Beutler (links) und Jana Ulbrich. © SZ

Anja Beutler: "Gebührenfrei ist unfair!"

Um eines ganz klar zu sagen: Ja, die Kinderbetreuungskosten sind für viele Familien ein dicker Batzen Geld, den sie jeden Monat mit Mühe aufbringen oder gar abknapsen müssen. Zugleich wird aber wohl niemand infrage stellen, dass Qualität ihren Preis hat. Und Qualität suchen Eltern ja wohl vor allem, wenn sie nach einem geeigneten Betreuungsplatz für ihre Kleinen suchen. Wenn man vom Personal in den Einrichtungen viel verlangt, dann muss zum einen der Personalschlüssel passen und zum anderen Erzieherinnen - und zunehmend Erzieher - entsprechend gut ausgebildet sein. Beteiligen sich Eltern an dieser Finanzierung, dann haben sie auch das Recht, genau diese Qualität einzufordern, mitzureden und mitzugestalten.

Nur fair ist dies auch für all diejenigen, die als Erzieher im Leben der Kinder täglich eine enorm große Rolle spielen. Es ist eine Frage der Wertschätzung, wenn man ihre Leistung nicht als kostenloses Angebot feilbietet. Schnell kommt dann auch die Schlussfolgerung auf: Kostet ja nichts, kann also auch nicht so schwierig sein.

Natürlich muss Kinderbetreuung erschwinglich bleiben. Vor allem für Alleinerziehende ist das existenziell, denn sie müssen Zeit haben, einer Arbeit nachzugehen, um sich und ihre Kinder zu ernähren. Dafür aber gibt es auch jetzt schon soziale Abfederungen.

Jana Ulbrich: "Im System läuft etwas falsch!"

In vielen Städten und Gemeinden müssen die Gebühren für Kindertagesstätten alle paar Jahre erhöht werden. Logisch! Es steigen ja die Kosten. Aber ist es wirklich immer wieder die selbe logische Konsequenz, Eltern auf diese Weise alle paar Jahre etwas mehr zur Kasse zu bitten? Oder läuft da nicht vielmehr etwas falsch im System? 

Das bisherige System drittelt in etwa die Kosten: Einen Teil zahlt das Land, einen die Kommune, einen die Eltern. So ist das schon immer gewesen, und bisher hat das System auch noch niemand wirklich hinterfragt. Dabei diskutiert ganz Deutschland über ein kostenloses Vorschuljahr und die wachsende Bedeutung von Bildung in einer Welt, in der immer mehr Kopf-, als Handarbeit gefragt ist.

Sachsen ist ein reiches Land. Wenn es wollte, könnte es sich bestimmt auch eine kostenlose Vorschulbildung leisten und die Elternanteile mit übernehmen. Das ist eine Frage des politischen Willens und eine politische Entscheidung. Sie wäre gerade auch denjenigen Kindern aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien zu wünschen. Denn noch immer stehen ihnen weniger Bildungswege offen, bieten sich ihnen weniger Chancen im Leben. Sicher, eine hohe Qualität der Arbeit in den Kindertagesstätten ist auch eine Frage des Geldes. Woher das Geld kommt, ist aber eine ganz andere. 

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