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Kita-Neubau kommt

Anders als geplant wird  die Gemeinde Ottendorf-Okrilla Bauherr bei der neuen Kita. Das bedeutet neue Schulden.

Seit 2015 betreibt der Startblock e. V. die Kita Schwalbennest in Ottendorf-Okrilla. Nach der Fertigstellung soll er dann Träger der neuen Kita in Hermsdorf werden.
Seit 2015 betreibt der Startblock e. V. die Kita Schwalbennest in Ottendorf-Okrilla. Nach der Fertigstellung soll er dann Träger der neuen Kita in Hermsdorf werden. © Thorsten Eckert

Ottendorf-Okrilla. Es klang so gut: Ottendorf-Okrilla bekommt eine neue Kita und muss dafür nicht einmal tief in die Tasche greifen. Denn Bau und Trägerschaft sollten vom Startblock e. V. übernommen werden, der derzeit die Kita Schwalbennest in Ottendorf-Okrilla betreibt. Als der Gemeinderat nun über das Projekt zu entscheiden hatte, war dann aber auf einmal alles anders. Statt durch den Verein wird die Kita nun durch die Gemeinde gebaut, die dafür einen Kredit in Höhe von 1,7 Millionen Euro aufnehmen muss.

Ein Grund für das Umschwenken: die Gemeinde bekommt einen wesentlich günstigeren Zinssatz für den Kredit als der Verein. Wie aus der Beschlussvorlage hervorgeht, liegt Ottendorf-Okrilla ein unverbindliches Angebot für ein zehnjähriges Darlehen mit einem Zinssatz von unter einem Prozent vor. Der Verein hätte dagegen 2,3 Prozent Zinsen zahlen müssen. Bei einer solchen Kredithöhe mache das schon was heraus, sagt Bürgermeister Michael Langwald. Die eingesparten Kosten kommen der Gemeinde zugute und den Betriebskosten, die von den Eltern später zu zahlen sind. Wenn die Gemeinde selbst Bauherr ist, habe man außerdem mehr Mitsprache, was mit dem Geld passiere, sagt Langwald.

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Gemeinde beantragt Fördermittel

Gegen eine Kreditaufnahme durch den Verein sprachen aber noch andere Punkte. Nach Auffassung der Kommunalaufsicht wäre diese aufgrund der Rückfinanzierung durch die Gemeinde ein kreditähnliches Rechtsgeschäft gewesen und damit unzulässig. Darüber wurde der Gemeinderat aber erst in der Sitzung informiert. Dort wurde dann der Beschlussvorschlag so abgeändert, dass die Gemeinde der Bauherr ist, das Projekt finanziert und auch Antragsteller für die Fördermittel ist.

Diese hatte der Verein schon 2017 für einen Kita-Neubau mit 65 Plätzen beantragt und es mit dem Vorhaben auf die Prioritätenliste des Landkreises geschafft. Weil dieser bis Ende Januar eine Entscheidung brauchte, musste der Gemeinderat nun einen Beschluss fassen. Andernfalls wären die Fördermittel in Höhe von 815 000 Euro wo anders hingeflossen.

Wie aus dem Beschlussvorschlag hervorgeht, hat der Landkreis eine Erhöhung der Fördermittel auf 875 000 Euro in Aussicht gestellt, um damit eine Kita mit 70 Plätzen zu schaffen. „Wir sind für jeden Platz dankbar“, sagt Langwald. Denn schon jetzt braucht die Gemeinde eigentlich mehr als doppelt so viele Betreuungsplätze. Weil die Baukosten in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert sind, liegt die Förderquote aber auch mit einer Erhöhung der Summe deutlich unter den ursprünglichen 50 Prozent. So schätzt die Gemeinde die Baukosten auf über 2,5 Millionen Euro. Zum Eigenanteil der Gemeinde von 1,7 Millionen Euro kommen dann noch die Kosten für die Einrichtung und die Außenanlagen hinzu. Weil die Gemeinde dieses Geld nicht hat, muss das Projekt über neue Schulden finanziert werden.

Vertrag mit Kirchgemeinde läuft aus

Langwald hofft nun, dass es für die Schaffung von Kita-Plätzen zukünftig vom Freistaat eine höhere Förderung gibt. Denn das Thema ist mit dem nun beschlossenen Neubau nicht abgeschlossen. Zumal von den 70 Plätzen 20 abgezogen werden müssen, die es schon jetzt in der Kita Schwalbennest gibt. Deren Vertrag mit der Kirchgemeinde läuft nämlich im April 2020 aus, weshalb sie dann umziehen muss.

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Bis dahin wird die neue Kita, die an der Nordstraße in Hermsdorf entstehen wird, allerdings noch nicht fertig sein. Man werde deshalb bei der Kirchgemeinde anfragen, ob man den Vertrag um ein paar Monate verlängern könne, sagt der Bürgermeister. Der Bau der Einrichtung soll laut Beschluss zwischen Frühjahr 2020 und Sommer 2021 realisiert werden. Für das reine Gebäude ist eine Bauzeit von einem Jahr vorgesehen. Es soll in modularer Bauweise errichtet und so auf dem Grundstück platziert werden, dass eine spätere Erweiterung möglich ist.