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Müll in Kleidercontainern: Das System bricht zusammen

Wegen Corona wissen die Sammelstellen nicht mehr, wohin mit den Alttextilien. Der Ärger bei den Bürgern in Görlitz und Niesky wächst.

Dieser Altkleidercontainer auf dem Netto-Parkplatz ist gesperrt. Und schon wurde Kleidung daneben entsorgt.
Dieser Altkleidercontainer auf dem Netto-Parkplatz ist gesperrt. Und schon wurde Kleidung daneben entsorgt. © André Schulze

Monika Müller vermisst die Kleidercontainer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Bislang gab die Görlitzer Rentnerin gut erhaltene Bekleidung, die sie aussortierte, in diese Sammelbehälter. Immer schwang dabei die Hoffnung mit, die Sachen könnten jemand anderem noch gute Dienste leisten. Die Frau ahnte nicht, dass nicht jeder Mensch so denkt. Denn manche werfen auch Hausmüll in die Kleidercontainer.

Manchmal sind 80 Prozent der Spende Müll

"Die Qualität der Kleiderspenden hatte sehr nachgelassen", ärgert sich Janet Schulz. Sie ist Vorstand beim Görlitzer DRK. Manche Spende sei zu 80 Prozent Müll gewesen. Auch Restmüll wurde immer wieder in die Kleidercontainer eingeworfen. "Das mussten wir alles entsorgen und hatten deswegen zusätzliche Kosten", erklärt Janet Schulz.

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Aber nicht das war der Grund, warum das DRK die rund 60 Sammelbehälter für Altkleider zwischen Görlitz und Niesky mittlerweile eingezogen hat. Hauptursache ist der weltweit zusammengebrochene Altkleidermarkt. Es werden keine Erlöse mehr erzielt, Altkleider kaum noch abgenommen.

Der Wertstoffcontainerplatz an der Dr.-Kahlbaum-Allee in Görlitz gehört zu den Plätzen, die am häufigsten vermüllt sind. Hier wird gedankenlos weggeworfen, was nicht mehr gebraucht wird. Mitarbeiter von Sapos beräumen die Standorte im städtischen Auftrag.
Der Wertstoffcontainerplatz an der Dr.-Kahlbaum-Allee in Görlitz gehört zu den Plätzen, die am häufigsten vermüllt sind. Hier wird gedankenlos weggeworfen, was nicht mehr gebraucht wird. Mitarbeiter von Sapos beräumen die Standorte im städtischen Auftrag. © nikolaischmidt.de

Hingestellt und weggeworfen

Immer mehr Unternehmen räumen deswegen ihre Kleidercontainer weg oder verschließen sie. Gewerbliche Sammler nehmen immer seltener Alttextilien mit. Ihre Lagerkapazitäten sind begrenzt. Das wiederum lässt die Bürger rätseln, wohin sie ihre Alttextilien bringen sollen. Gerade in den coronabestimmten Monaten hatten viele Menschen Zeit zum Sortieren ihrer Kleiderschränke. Nicht wenige brachten die Sachen zu den Kleidercontainern. Dort wurden die Leute mitunter vom leeren Platz oder vom verschlossenen Sammelbehältnis überrascht. 

Wie viele von diesen Menschen die Altkleidung nicht wieder mit nach Hause nahm, sondern einfach am Containerplatz ablegte, ist nicht bekannt. Die Mitarbeiter von Sapos, die auf ihren Touren durch Görlitz regelmäßig die Containerplätze reinigen, wissen aber, dass die Zahl dieser Bürger zugenommen hat.  Michael Rönisch, Geschäftsführer von Sapos, bestätigt: "Das Aufkommen an Bekleidung an den Wertstoffcontainerplätzen ist in den letzten Monaten stark angestiegen."  Die Bürger seien den Entsorgungsweg über die Container gewöhnt. Daher werde die Kleidung weiterhin dort entsorgt - und das heißt oft, einfach hingestellt und weggeworfen. 

Jeden Monat 21 Kubikmeter zusätzlicher Abfall

Dieses Verhalten sehen weder Sapos noch  Kommunen und auch nicht der Fachverband Textilrecycling des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) gern. Sie alle wissen, dass hierbei zusätzliche Kosten entstehen. Bei Sapos betrifft das die Arbeit der Mitarbeiter und auch die Entsorgung. Jeden Monat sammeln die Sapos-Leute allein in Görlitz etwa 21 Kubikmeter zusätzlichen Abfall ein, darunter zunehmend gebrauchte Kleidung. Das sind etwa drei große Behälter, wie man sie vom Bauschutttransport her kennt.

Kleidersäcke sollen zu Hause bleiben

Wohin aber nun mit den Alttextilien? Eine Antwort darauf hat Michael Rönisch derzeit nicht. Landkreis-Sprecherin Julia Bjar informiert, dass  Alttextilien - aber keine Lumpen -  auf den Wertstoffhöfen in Weißwasser, Niesky, Görlitz, Lawalde oder Zittau abgegeben werden können. Es besteht auch die Möglichkeit, gut erhaltene Kleidung den Second-Hand-Läden oder Sozialkaufhäusern anzubieten.

Der BVSE hat nur einen Rat: "Lassen Sie die Kleidersäcke noch zu Hause. Auf keinen Fall dürfen sie neben die Container gestellt werden", sagt BVSE-Vizepräsident Martin Wittmann. Ausgemusterte Bekleidung und Schuhe sollten zu einem späteren Zeitpunkt zum Recycling gegeben werden.

Wer die Sachen neben die Container stellt, riskiert, dass sie völlig unbrauchbar werden. "Sie verschmutzen und werden nass. Solche Sachen können wir nicht verwenden und müssen sie verbrennen", erklärt Wittmann. Für die Sammelunternehmen bedeutet das wiederum doppelten Verlust. Wertvolle Textilien gehen verloren und durch die Entsorgung entstehen Zusatzkosten. "Das ist weder umweltfreundlich noch wirtschaftlich", betont der BVSE-Vizechef. 

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Monika Müller hat inzwischen zwei neue Wege gefunden, aussortierte Kleidung wieder an die Frau zu bringen. "Es ist ja nichts kaputt, was ich abgeben möchte. Und frisch gewaschen ist es auch", sagt sie und ist froh, dass das DRK Kleiderspenden dennoch annimmt: in der Kleiderkammer in der Hospitalstraße in Görlitz und in einem Container am Pflegeheim in Königshufen. Frau Müllers Enkeltochter nahm sich der Sache an und verkaufte einige Kleidungsstücke über verschiedene Plattformen im Internet. Daran könnte sich die Rentnerin gewöhnen, auch wenn der Verkauf nur kleine Erlöse bringt. 

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