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Kleines Büchlein würdigt großen Künstler

Im Görlitzer SZ-Treffpunkt gibt es eine neue Drucksache: Christian Henke stellt in bunten Episoden den Künstler Avenarius vor.

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Von Ralph Schermann

In Görlitz lagert ein Schatz. Nicht anders kann man den künstlerischen Nachlass des Johannes Maximilian Avenarius bezeichnen. Das Graphische Kabinett des Kulturhistorischen Museums hegt und pflegt ihn und hat damit gut zu tun: Denn Avenarius hinterließ aus seinem mehr als 40-jährigen Schaffen über 500 Druckgrafiken und Handzeichnungen. Was man über den Künstler selbst wissen muss, das hat Christian Henke aus Niesky jetzt beschrieben.

Die Malereien in der Hauptmann-Villa in Agnetendorf zählen zu den bekanntesten Arbeiten von Johannes Avenarius.
Die Malereien in der Hauptmann-Villa in Agnetendorf zählen zu den bekanntesten Arbeiten von Johannes Avenarius.

Malte Hauptmann-Villa aus

Herausgekommen ist ein ebenso informatives wie unterhaltendes Büchlein. Schon die sorgfältig ausgewählten Illustrationen setzen Avenarius ein Denkmal, gut ausgewogen zwischen dessen eigenem Schaffen und Reproduktionen über ihn. Christian Henke arbeitet mit biografischen Skizzen und reiht ansonsten Episoden und auch Anekdoten aneinander. Es scheint zunächst jede Ordnung zu fehlen, doch bald schon macht gerade das dieses Büchlein so lesenswert und fordert vorwärtstreibend, es nicht so schnell aus der Hand zu legen.

Wer weniger den Lebenslauf abrollen möchte, findet viele Stationen eindrucksvoll geschildert, auch anhand von Zeitzeugen und literarisch fiktiven Briefen. So bildet die Unordnung bald eine Reihe, formiert sich beim Leser zu all den Facetten des Künstlerlebens dessen Theaterwirken und dessen Görlitz-Liebe. Es fehlt nicht die berühmte Ausmalung der Wände der Hauptmann-Villa in Agnetendorf (1922/23) und seine Verehrung für den Schriftsteller. Solide und wertfrei bringt der Autor auch das Schaffen von Avenarius in der NS-Zeit ein. Johannes Maximilian Avenarius lebte von 1887 bis 1954. Er war ein expressionistischer Maler, Grafiker und Illustrator. Sein Onkel Ferdinand vermittelte ihm 1905 eine erste künstlerische Ausbildung beim Dürerbund-Stipendiaten Karl Hanusch. Später studierte er in Dresden und München.

Liegt begraben in Görlitz

Avenarius schuf viele Wandbilder für Kirchen. Neben seiner Tätigkeit als bildender Künstler schrieb er Gedichte und Erzählungen in schlesischer Mundart. 1918 heiratete er Elisabeth, Tochter der Schriftstellerin Gabriele Reuter. Der gemeinsame Sohn starb fünf Wochen nach seiner Geburt 1919. Die Ehe hielt nur bis 1922. Zwei Jahre darauf wurde Avenarius zum Professor an der Leipziger Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe mit Lehrverpflichtung in Plauen berufen. Wegen seines Engagements für Künstler wie Kandinsky, Klee und Feininger wurde er 1933 inhaftiert. Fünf Jahre nach dem Tod 1954 in Berlin fand seine Urne ihre letzte Ruhestätte auf dem Nikolaifriedhof Görlitz und sein Nachlass hier ins Museum.