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Als Marienthal zu Ostritz gekommen ist

Der Ort verlor vor 70 Jahren die Eigenständigkeit. Dabei war er erst 1922 aus drei Verwaltungseinheiten entstanden - einem eigenartigen Gebilde.

Die Klosterschenke um 1910: Sie war das Zentrum der bis 1922 selbstständigen Gemeinde Klosterfreiheit. Das Gebäude links war eine Materialwarenhandlung. Das
Foto stammt aus „Ostritz und seine Dörfer beiderseits der Neiße“ (2006, Lusatia-Verlag Bautzen).
Die Klosterschenke um 1910: Sie war das Zentrum der bis 1922 selbstständigen Gemeinde Klosterfreiheit. Das Gebäude links war eine Materialwarenhandlung. Das Foto stammt aus „Ostritz und seine Dörfer beiderseits der Neiße“ (2006, Lusatia-Verlag Bautzen). © SZ-Repro

Von Josefine Schmacht

Im Mai 1950 berieten die Stadtverordneten über die Eingemeindung des bisher selbstständigen Ortes Marienthal nach Ostritz. Das war nicht die erste Veränderung für die Einwohner. Marienthal war erst 1922 aus drei Verwaltungseinheiten entstanden: Klosterdominium, Klosterfreiheit und Rusdorf. Das Klosterdominium war bis dahin eine eigenständige Einrichtung.

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Die Verantwortung lag bei der Äbtissin. Ihr zur Seite stand der Propst. Er war als Ordensgeistlicher zuständig für die geistliche Betreuung des Schwesternkonvents. Gleichzeitig war er Berater in den Bauangelegenheiten und der "Außenminister" des Klosters. In der Propstei standen ihm Gästezimmer zur Verfügung und ein bemerkenswert ausgemaltes Speisezimmer. Die Klosterwirtschaft leitete ein Verwalter.

Die selbstständige Gemeinde Klosterfreiheit war ein eigenartiges Gebilde. Es gab keinen Dorfplatz und keine eigene Kirche, aber einen Gemeinderat und bis zum Jahr 1900 eine eigene Schule. Eigentlich bestand die Gemeinde nur aus zwei Straßenzügen, dem sogenannten Haseldorf und den Häusern der Klosterstraße bis zur Grenze von Ostritz-Altstadt. Hier wohnten Handwerker, die vor allem für das Kloster tätig waren. Bekannt ist, dass Joseph Gareis – Großvater des begabten Malers Franz Gareis – als Bierbrauer nach Klosterfreiheit kam. Franz' Vater verrichtete das Tischlerhandwerk. 

1810 verstarb in Klosterfreiheit der Stuckateur und Staffierer Johann Nepomuk Schlappack. Im Unterschied zum Tüncher konnte ein Staffierer Landschaften und Tiere malen. 1897 starb der Schuhmachermeister Joseph Schönfelder in Klosterfreiheit, ein Verwandter des Ostritzer Heimatforschers Julius Rolle. Er reparierte das Schuhwerk der Klosterschwestern und fertigte auch neue Schuhe für sie. Allerdings durfte nur seine Frau bei den Nonnen Maß nehmen. 

Eigene Haltestelle seit 1875

Die dritte Gemeinde war Rusdorf östlich der Neiße. 1273 wurde der Ort als Rudunchsdorf in einem in Prag unterzeichneten Dokument erstmals erwähnt. Als Rudungisdorf kam es 1346 mit dem Städtchen Ostritz in den Besitz des Klosters St. Marienthal. Seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Zittau–Görlitz 1875 hatte das Dorf eine eigene Haltestelle, von der aus die Wanderer gern über die Klosterbrücke zum Neißetal liefen. Neben der katholischen Schule bestand seit 1898 ein evangelisches Schul- und Gebetshaus. 

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Die Rusdorfer wurden am 22. Juni 1945 von sowjetischen und polnischen Soldaten vertrieben. Der Ort heißt heute Posada. Damit bildeten nur noch die übrig gebliebenen Gemeinden Klosterfreiheit und Klosterstift (Klosterdominium) den Ort Marienthal. Er wurde 1950 zu Ostritz eingemeindet. Auch der Ortsteil Bergfrieden (an B 99) gehörte nun zu Ostritz. Bereits 1933 war die Gemeinde Altstadt zu Ostritz gekommen. 1994 erfolgte die Eingemeindung des Dorfes Leuba.

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