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Klotzsche wird an die Fernwärme angeschlossen

Die Drewag verlegt derzeit eine 33 Meter lange Röhre. Nächstes Jahr soll das Großbauprojekt abgeschlossen sein.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Kathrin Kupka-Hahn

Ein großer Kran zeigt schon seit Tagen an: Es tut sich was in Klotzsche. Genauer gesagt an der Kreuzung von der Königsbrücker Landstraße zur Karl-Marx-Straße. Hier stehen auf dem Gelände der Diakonie mehrere große orangefarbene Baumaschinen. Der etwa 30 Meter hohe Kran hebt immer wieder Rohre und sperrige Teile umher. Lkws liefern an. Metallisches Klopfen ist zu hören. Doch zu sehen gibt es nichts. Denn hier wird unterirdisch gebaut – in sieben Metern Tiefe.

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Für Spezialist Frank Schmidt sind die Tunnelarbeiten bereits Routine. Hier kontrolliert er die Rohranschlüsse in der riesigen Bohrmaschine. In sieben Meter Tiefe werden dann die großen Rohre für die Fernwärme verlegt. Fotos: Steffen Füssel (2)
Für Spezialist Frank Schmidt sind die Tunnelarbeiten bereits Routine. Hier kontrolliert er die Rohranschlüsse in der riesigen Bohrmaschine. In sieben Meter Tiefe werden dann die großen Rohre für die Fernwärme verlegt. Fotos: Steffen Füssel (2) © steffen füssel, steffen fuessel

Ein Tunnel muss gegraben werden, von der Diakonie hinüber zur nächsten Baugrube in der Karl-Marx-Straße. Durch ihn sollen später die neuen Fernwärmeleitungen verlaufen. Sie gehören zur neuen Trasse, die die Drewag momentan vom Industriegelände in der Albertstadt durch die Heide nach Klotzsche baut. Damit es die Klotzscher und die ansässigen Firmen künftig immer schön warm haben.

Baugrube direkt vor dem Altenheim

Bereits seit August wird der aufwendige Tunnelbau vorbereitet. Eine offene Baugrube, um die Leitungen quer über die Kreuzung zu verlegen, kam nicht infrage. Der Verkehr wäre zu stark beeinträchtigt worden. Also musste eine unterirdische Lösung her. 33 Meter sind es von der Diakonie bis zum Anschluss in der Karl-Marx-Straße.

Die große Grube wurde deshalb direkt vor dem Altenheim der Diakonie gegraben. Sie ist sechs Meter breit, 14 Meter lang und sieben Meter tief. Stahlwände stützen das Bauwerk ab. Unzählige Leitungen und Rohre führen hinein. Sie enden an einer großen Maschine, die am Boden der Grube thront. „Damit werden in einem Arbeitsgang der Tunnel gebohrt und die Stützrohre eingezogen“, erklärt Marco Braun. Der Bauingenieur vom Büro Ingenieur Consult Leipzig leitet im Auftrag der Drewag die Arbeiten für die neue Fernwärmetrasse.

Neu ist der aufwendige Tunnelbau für ihn nicht. Der 40-Jährige hat schon mehrere Projekte dieser Art betreut, zuletzt in Halle, wo ein großer Abwasserkanal gebaut wurde. Mit geübtem Blick beobachtet er, wie die Spezialisten den Bohrer samt Maschine einsatzbereit machen. „Es dauert nicht mehr lange, dann geht es los“, sagt er schließlich.

Der Bohrkopf arbeitet sich durch das Gestein und zieht dabei auch gleich das erste, drei Meter lange, Stahlrohr ein. Sobald dieses in Position ist, wird das nächste Rohr angeschweißt und hinterhergezogen. Etwa zehn Meter schafft der Bohrer täglich. „Bis zum Wochenende dürfte der Tunnel fertig sein“, sagt der Bauleiter. Die eigentlichen Fernwärmeleitungen werden erst später eingezogen.

Das Gestein, welches beim Bohren ausbricht, wird mit einer Flüssigkeit herausgespült. Rohre leiten es aus der Grube heraus. Sie führen zu der großen orangefarbenen Maschine, die oberirdisch neben der Startgrube steht. In dieser werden die flüssigen und festen Stoffe voneinander getrennt. Während Lkws das Gestein abtransportieren, gelangt die Flüssigkeit wieder in den Bohrkreislauf zurück.

Damit das ohne Probleme klappt, überprüft Tunnelfachmann Frank Schmidt noch einmal das Rohrsystem der riesigen Bohrmaschine und auch, ob alle Leitungen und Anschlüsse sitzen. Schließlich wird der Bohrkopf elektrisch gesteuert. Dafür klettert er in die Maschine am Grubenboden hinein. Keine leichte Aufgabe für den rund 1,95 Meter großen Spezialisten. Aber Schmidt ist ebenso wie seine vier Kollegen von der Firma Rohrleitungsbau Petzold aus dem thüringischen Rauschwitz darin geübt. Nur wenige Minuten später setzt sich der Bohrer in Bewegung, und langsam dreht sich das Rohr.

Wenn der Tunnel planmäßig bis zum Wochenende gegraben ist, werden die verschiedenen Maschinenteile danach wieder aus der Grube herausgehoben. Das soll in der kommenden Woche geschehen. Doch die Grube an der Diakonie bleibt zunächst bestehen. In diese wird ein neun mal vier Meter großer Schacht eingebaut. Er verbindet die Fernwärmeleitungen, die aus der Heide kommen, mit denen, die durch den Tunnel verlaufen. Auch der Höhenunterschied zwischen den Leitungen wird durch ihn ausgeglichen. „Die Leitungen aus der Heide liegen rund 2,50 Meter unter der Erde, die im Tunnel jedoch sieben Meter“, erklärt Braun. Die Tiefe war notwendig geworden, da oberhalb zu lockere Gesteinsmassen sitzen. „Der Bohrer hätte sonst nicht richtig arbeiten können“, sagt Braun.

19 Millionen Euro werden investiert

Sobald der Schacht fertig ist und die entsprechenden Verbindungsrohre liegen, wird das riesige Loch verfüllt. Das soll bis zum Jahresende geschehen. „Dann erinnern nur noch zwei quadratische Einstiege an der Oberfläche an diese riesige Grube“, erklärt Braun. Er ist optimistisch, dass die fünf Kilometer lange neue Fernwärmetrasse im September kommenden Jahres fertig ist. Etwa 19 Millionen Euro investiert die Drewag in den Bau.

Bislang wird Klotzsche mit Fernwärme aus dem Heizkraftwerk vor Ort versorgt. „Allerdings reichen dessen Kapazitäten nicht aus, um die geplanten Neubauten und die Firmen im Industriegebiet zu versorgen“, erklärt Braun. Deshalb musste eine neue Lösung her: die Fernwärmetrasse. Trotzdem bleibt das bisherige Klotzscher Heizkraftwerk erhalten.