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Kodersdorf will das Ärztehaus

Für das Projekt gibt es neue Hoffnung. Wenn die Finanzen stimmen.

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Von Katja Schlenker

Kodersdorf soll seinen Hausarzt nicht verlieren. „Doktor Baier ist in einem fortgeschrittenen Alter“, sagt Bürgermeister René Schöne (CDU). „Auch wenn er noch ein bisschen weitermachen will, machen wir uns seit Jahren Gedanken, was wir tun können, um die Arztstelle nicht zu verlieren.“ Was passiert, wenn sich kein Nachfolger findet, zeigt ein Beispiel in Waldhufen. Dort ist die Praxis der verstorbenen Allgemeinmedizinerin Elke Reichert ersatzlos geschlossen worden.

Ein weiteres Problem ist, dass die Mehrzahl der Ärzte in und um Niesky zwischen 55 und 65 Jahre alt ist. 41 Prozent der Hausärzte in der Region Niesky sind im Alter 60 plus, sagt Sprecher Ingo Mohn von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Mit Sylvana Kretschmar arbeitet in Kodersdorf derzeit eine potenzielle Nachfolgerin für die Praxis von Allgemeinmediziner Dietmar Baier. In der Praxis von Lutz Diedtemann lässt sich Sylvana Kretschmar seit dem 1. Januar zur Fachärztin für Allgemeinmedizin ausbilden. Zwei Jahre dauert das. „Auf jeden Fall möchte ich hier im Umkreis Niesky–Kodersdorf bleiben“, sagt die Rothenburgerin.

Dafür würde Kodersdorf sogar eine neue Praxis bauen. Bereits 2007 hat die Gemeinde den Wunsch, ein Ärztehaus zu errichten. Ein Nieskyer Planungsbüro bringt damals erste Gedanken zu Papier, auf einem Grundstück an der Schulstraße soll das Gebäude entstehen. „Es gehört der Gemeinde, wir haben das Wohnhaus inzwischen leergezogen und werden es abreißen“, sagte der Bürgermeister damals während einer Sitzung des Gemeinderats. „An seine Stelle wird das Ärztehaus kommen.“ Drei Interessenten gibt es 2007, die sich vorstellen könnten, das Projekt zu verwirklichen. Dass der Neubau zwei bis drei Millionen Euro kosten wird, heißt es. Doch so schnell geht es dann doch nicht.

Als Planer Mathias Hennig dem Gemeinderat im März 2008 zeigt, wie das neue Ärztehaus aussehen könnte, folgt die Ernüchterung, weil die Kosten das Budget sprengen. Ursprünglich sollen in das mehrteilige und dreigeschossige Ärztehaus eine Arzt- und eine Pflegepraxis, eine Ergo- und eine Physiotherapie sowie Kosmetik und Fußpflege, aber auch ein paar Gewerbeeinheiten einziehen. Im Obergeschoss sind vierzehn kleine Wohnungen angedacht. Damals entscheidet die Gemeinde, lediglich ein Drittel des Bauvorhabens anzugehen, das die Praxis einer Kinderärztin und drei Einraumwohnungen umfasst. Die abgespeckte Variante soll schon 375 000 Euro kosten und ist damit zu teuer für die Gemeinde allein. Die legt den Plan daraufhin auf Eis und hofft auf einen Financier. Der wird 2013 gefunden. „Aufgrund einer Ausschreibung hat sich derjenige gemeldet“, sagt Bürgermeister René Schöne. „Er könnte sich vorstellen, das Ärztehaus zu bauen, aber das alles braucht Zeit.“ Die Unterlagen zur Finanzierung und Planung liegen in der Schublade. All das muss geprüft und bewertet werden. Derzeit ist der Interessent im Gespräch mit Banken, wie das Projekt finanziert werden könnte.

Am Standort für das künftige Ärztehaus hat sich nichts geändert. Es soll an der Ecke, wo die Schulstraße von der Bundesstraße 115 abzweigt, entstehen, direkt gegenüber der Praxis von Dietmar Baier. An der Stelle hat die Gemeinde Anfang 2009 das alte Wohngebäude von der Nadebor Baugesellschaft aus Kodersdorf abreißen lassen. Das zirka 3 500 Quadratmeter große Grundstück ist zuvor etwa ein Jahr lang nicht genutzt worden, das Haus hat in der Zeit leer gestanden. Es zu sanieren, hätte sich nicht gelohnt.