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Können die Dresden Monarchs ihre beste Saison krönen?

Die American Footballer spielen erstmals um den Meisterpokal. Dafür gibt es Gründe.

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Von Alexander Hiller und Maik Schwert

Feiern können die Dresden Monarchs. Dazu hatten sie nach den gewonnenen Heimduellen im Viertel- und Halbfinale auch gute Gründe. Nach dem erstmaligen Einzug ins German Bowl, dem Endspiel um die deutsche Meisterschaft, ließen es die American Footballer beim ersten Pichmännel-Oktoberfest von Feldschlößchen noch mal so richtig krachen. Das erste Finale und die erste Hüttengaudi – das passt doch.

Hoch die Biergläser: Die Dresden Monarchs feiern auf dem Pichmännel-Oktoberfest von Feldschlößchen. Foto: Dehli-News/Frank Dehlis
Hoch die Biergläser: Die Dresden Monarchs feiern auf dem Pichmännel-Oktoberfest von Feldschlößchen. Foto: Dehli-News/Frank Dehlis © Dehli-News

Die Endspielteilnahme ist nach dem Aufstieg in die German Football League 2002 der größte Erfolg in der Geschichte des 1992 gegründeten Klubs. Morgen reisen die Elbestädter nach Berlin. Am Sonnabend treffen sie dort im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark auf die Braunschweig Lions. Das Duell beginnt 18 Uhr.

„Selbstverständlich hat Braunschweig die Favoritenrolle“, betont Monarchs-Geschäftsführer Jörg Dreßler. Die Lions stehen erstmals seit 2008 wieder im Finale. Davor erreichten sie es ab 1997 zwölfmal hintereinander, gewannen bisher siebenmal den Pokal und tragen den Titel des Rekordchampions. Dem Vernehmen nach sollen sie die Ligakonkurrenz mit ihrem Saisonetat deutlich abhängen. Die Dresden Monarchs, die als erster ostdeutscher Verein ins Endspiel einzogen, verloren beide Saisonpartien. „Diese Spiele gehören der Vergangenheit an“, erklärt ihr Trainer Gary Spielbuehler. „Das Finale liegt in der Zukunft und beginnt beim Stand von 0:0. Alles andere zählt da nicht.“ Weder die zwei Niederlagen noch die Tatsache, dass der 63-jährige Kalifornier den German Bowl 2007 mit den Lions holte. „Es gibt eine Theorie, die besagt, dass man nicht dreimal innerhalb einer Saison gegen denselben Gegner verliert“, sagt Assistenzcoach Thomas Stantke.

Die wichtigsten Gründe für die hervorragende Saison seiner Mannschaft heißen Jeff Welsh und Trevar Deed. Beide gehörten 2012 zu den Leistungsträgern bei den Kiel Baltic Hurricanes und führten sie ins Endspiel. Jetzt gelang ihnen das mit den Sachsen. Kapitän Welsh überzeugt als Quarterback. Runningback Deed gilt als herausragender Einzelkönner in der Liga. Er hat mit dem German Bowl zudem noch eine Rechnung offen. Im Vorjahr brach sich der US-Amerikaner im dritten Viertel den Arm, Kiel unterlag daraufhin mit 53:56 gegen Schwäbisch Hall.

„Ihre Routine macht viel aus“, meint Mitspieler Jan Hilgenfeldt über die Führungspersönlichkeiten auf den Schlüsselpositionen. „Sie geben uns das Gefühl, dass wir immer siegen können und nehmen uns die Angst vor dem Scheitern.“ Die Mannschaft sei zu einem unglaublich willensstarken Team zusammengewachsen, in dem alle ihren Job erledigen – egal, ob in der Abwehr oder im Angriff. „Das ist die beste Mannschaft, die wir je hatten – mit einem Teamgeist, der so groß und stark ist wie nie zuvor.“ Der Mix aus erfahrenen und jungen, ausländischen und deutschen, neuen und Spielern, die bereits länger dabei sind, stimmt. Mit einem PR-Gag unterstreichen die Dresdner ihren Teamspirit. Für die Play-off-Partien ließen sie sich T-Shirts mit der Aufschrift „Monarchs-Team – One Heartbeat“ fertigen. Knapp 65 Typen – inklusive Trainerstab – mit dem gleichen Herzschlag also. Das klingt unerschütterlich.

Und schreckt auch vor großen Zahlen nicht. Beim Finale erwartet Hilgenfeldt ein Fest vor bis zu 19 708 Besuchern im Stadion und noch viel mehr Fernsehzuschauern auf Eurosport. „Es ist eine Ehre für uns, unsere Region, unseren Sport und unseren Verein da präsentieren zu dürfen.“

Den Ausrichtern zufolge läuft der Kartenvorverkauf ausgezeichnet. Laut ihren Angaben gibt es für einige Blöcke auf mehreren Tribünen bereits keine Tickets mehr – angeblich mit leichten Vorteilen für die Lions. „Ich kann damit leben, wenn die akustische Übermacht aufseiten der Braunschweiger ist“, sagt Dreßler. „Wichtig ist doch nur, dass wir auf dem Feld am Ende die Nase vorn haben.“ Und noch einen Grund mehr für die nächste Feier.

Immerhin kennen auch fünf Monarchs dieses Siegergefühl: Jeff Welsh, Ladislav Jensik, Josef Fuksa, René Horschig und Dominik Gast holten mit ihren damaligen Teams schon einmal den German Bowl, den kleinen Bruder des weltgrößten Einzelsportereignisses – dem Super Bowl.

TV-Tipp: Eurosport zeigt das Finale am Sonnabend live.