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Konflikt am Schweinemast-Bauzaun

Die Gegner der umstrittenen Anlage in Stolpen warten auf zwei Entscheidungen. Die sollen am Montag fallen.

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, spricht mit Anwohnern am Bauzaun der Schweinemastanlage von Langenwolmsdorf.
Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, spricht mit Anwohnern am Bauzaun der Schweinemastanlage von Langenwolmsdorf. © Daniel Schäfer

Die umstrittene Schweinemastanlage an der Napoleonstraße in Stolpens Ortsteil Langenwolmsdorf steht am Montag auf der Tagesordnung der Stolpener Stadträte. Ihnen liegt der Entwurf eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes vor. Der Eigentümer, Marten Tigchelaar, will hier in der ehemaligen Schweinemastanlage eine industrielle Ferkelzuchtanlage aufbauen.

Ein Vorhaben, das seit Längerem auf Widerstand stößt. Erst kürzlich hat die Bürgerinitiative „Keine Schweinemast in Stolpen“ ihre Petition mit 2 102 Unterschriften an den Beigeordneten des Landrates für Bau und Umwelt, Heiko Weigel, übergeben. Diese wird nun vom Petitionsausschuss des Kreistages geprüft.

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Im Landratsamt wird letztlich die Entscheidung getroffen, wie es an der ehemaligen Schweinemastanlage weitergeht. „Gleichzeitig haben wir Einsichtnahme in sämtliche Dokumente der Anlage seit Inbetriebnahme in den 50er-Jahren beantragt“, sagt Jane Grass von der Bürgerinitiative. Darüber hinaus hatte die Bürgerinitiative die beiden Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Grüne Anton Hofreiter und Stephan Kühn eingeladen.

BI-Mitglied Henry Ruhland, der für Bündnis 90/Grüne im Stolpener Stadtrat sitzt, berichtet von einem emotionsgeladenen Treffen. Reichlich 20 Personen haben sich vor den Toren des Unternehmens getroffen. Auch der Eigentümer, Marten Tigchelaar und einige seine Arbeiter waren anwesend und diskutierten mit den Anwohnern über Rechtslage, Haltungsbedingungen und Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen. Überzeugen konnte der Schweinezüchter offenbar nicht. Denn zwischen ihm, den Anwohnern und der BI gab es lautstarken Disput zum Beispiel auch über die Überdüngung der Böden durch Gülle und die daraus folgende Nitratbelastung des Trinkwassers, die überall in Deutschland zu hoch ist. Nicht umsonst droht die EU nunmehr mit Strafzahlungen von 850 000 Euro pro Tag, falls Deutschland seine Gülleverordnung nicht verschärft.

Darüber hinaus berichtet die Bürgerinitiative, dass Marten Tigchelaar bestätigte, dass er die Anlage so erweitern möchte, sodass 14 000 Ferkel in sechs Umläufen, also 84 000 Ferkel pro Jahr gehalten werden können. Im Januar oder Februar will er die ersten 5 000 Ferkel einstallen. Das ist laut Betriebserlaubnis auch ohne Genehmigung möglich.

Für Aufregung bei der Bürgerinitiative sorgt indessen, dass er keine Abluftanlage mehr einbauen will. Dies widerspräche seinen Aussagen vor einigen Monaten, es werde keine Geruchsbelästigung geben. Die befürchten die Gegner nun sehr wohl und vertrauensbildend ist das sicherlich auch nicht. Denn geplant ist nunmehr nur eine Klimaanlage, welche die wenig appetitliche Luft aus den Ställen absaugt und an die Umgebung abgibt.

An der Anlage haben die Bauarbeiten begonnen. 
An der Anlage haben die Bauarbeiten begonnen.  © Dirk Zschiedrich

Damit bleibe der Gestank so wie beim letzten Betreiber. Damals standen allerdings noch Pappeln rings um die Anlage. Diese wurden inzwischen gefällt, weil sie laut Eigentümer fällreif waren. Das bezweifeln die Mitglieder der Bürgerinitiative. Die Pappeln wurden zu DDR-Zeiten in die Hauptwindrichtung gepflanzt, um die Geruchsbelästigung zu mindern. Darüber hinaus prangert die Bürgerinitiative auch weiter die Haltungsbedingungen in solchen Anlagen an.

So werden zum Beispiel die männlichen Ferkel in den ersten sieben Tagen nach der Geburt betäubungslos kastriert. Die Ringelschwänze werden entfernt. Die Abnehmer von Marten Tigchelaars Ferkeln nehmen diese nach seinen Angaben nur schwanzlos ab. Darüber hinaus hat der Schweinezüchter etwa 200 Hektar Land in Stolpen und Umgebung gekauft beziehungsweise gepachtet. Damit gilt er laut Baugesetzbuch als Landwirt im Außenbereich. Das soll die Erweiterung der Anlage aus seiner Sicht vereinfachen.

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Die Bürgerinitiative weist jedoch darauf hin, dass die angestrebte Erweiterung ein neues Genehmigungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung, emissionsschutzrechtlichem Verfahren sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit erfordere, sagt Gerd Baumann. Die Bürgerinitiative gehe davon aus, dass dieses Verfahren sich über zwei bis vier Jahre hinziehen könne. Und sie hat angekündigt, dass sie gegebenenfalls auch gegen Entscheidungen klagen würde. Am Montag wird sich der Petitionsausschuss mit dem Anliegen der Bürgerinitiative befassen und entscheiden, ob die Petition weiter verfolgt wird.

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