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Polizei zieht Wohnwagen auf A4 aus dem Verkehr

Zum Ferienauftakt haben die Beamten Wohnmobile und Gespanne kontrolliert. Häufig stimmt die Beladung nicht.

Mit dem Motorrad waren die Beamten auf der Autobahn 4 in Richtung Dresden unterwegs, um die Fahrer mit ihren Wohnwagen oder Wohnmobilen zur Kontrolle auf die Raststätte Auerswalder Blick zu holen.
Mit dem Motorrad waren die Beamten auf der Autobahn 4 in Richtung Dresden unterwegs, um die Fahrer mit ihren Wohnwagen oder Wohnmobilen zur Kontrolle auf die Raststätte Auerswalder Blick zu holen. © haertelpress

Döbeln. Nur noch knapp 30 Kilometer, dann haben sie es geschafft. Annett und Ronny Schardt sind auf dem Rückweg von Korsika. Braun gebrannt nähern sich die beiden Mittvierziger ihrer Heimat Arnsdorf bei Hainichen. Mit dabei: zwei Räder und ein nagelneuer Wohnwagenanhänger.

„Es war unser erster Urlaub mit dem Anhänger. Wir waren sonst immer mit dem Wohnmobil unterwegs“, sagt der 48-Jährige. Das Fahrgefühl sei schon ein anderes. Statt mit 120 km/h ging es dieses Mal eben nur mit 80 bis 90 km/ vorwärts. Kurz vor dem Rastplatz Auerswalder Blick wird das Paar auf der Autobahn 4 am frühen Freitagnachmittag von zwei Polizeimotorrädern abgefangen. „Bitte folgen!“ ,verdeutlicht der Schriftzug auf dem Fahrzeug der Verkehrspolizeiinspektion Chemnitz.

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Auf dem Rasthof wird das Gespann zum Stützpunkt der Beamten gelotst. Mit mehreren Einsatzfahrzeugen ist die Polizei am Freitag vor Ort, um pünktlich zum Beginn der Sommerferien Urlauber mit Wohnmobilen und -anhängern aus dem Verkehr zu ziehen und zu kontrollieren.

Auch in den kommenden Wochen werden die Beamten bei ihrer Streifentätigkeit vermehrt auf diese achten, sagt Doreen Göhler von der Pressestelle der Polizeidirektion (PD) Chemnitz. Und das mit gutem Grund: Denn sind die Fahrzeuge zu schwer, steigt durch verschlechtertes Bremsverhalten sowie Fahrstabilität das Unfallrisiko. Und unsicher verstaute Ladung kann beim Bremsen zum gefährlichen Geschoss werden. Verrutscht die Ladung, besteht die Gefahr, dass das Fahrzeug ins Schleudern kommt. All das wollen die Beamten verhindern.

Um festzustellen, ob die Wohnmobile oder Gespanne überladen sind oder nicht, haben die Beamten der Verkehrspolizeiinspektion Chemnitz die Fahrzeuge gewogen. 
Um festzustellen, ob die Wohnmobile oder Gespanne überladen sind oder nicht, haben die Beamten der Verkehrspolizeiinspektion Chemnitz die Fahrzeuge gewogen.  © haertelpress
Auch ein Blick ins Innere der Fahrzeuge gehörte mit zur Kontrolle dazu. 
Auch ein Blick ins Innere der Fahrzeuge gehörte mit zur Kontrolle dazu.  © haertelpress

Abdeckung im Kofferraum fehlt

Nacheinander leiten die Kollegen auf den Motorrädern Reisende auf den Rasthof. Eine junge Familie mit zwei Kindern ist ebenfalls mit Wohnwagenanhänger unterwegs. Das Modell der Bad Staffelsteiner ist schon etwas älter. Das Gespann muss, in voller Besetzung mit allen Mitfahrern, mit Schrittgeschwindigkeit über zwei Streifen fahren. Dabei wird das Gewicht von Fahrzeug und Anhänger erfasst. 

Zuvor erfolgt ein kritischer Blick der Beamten sowohl in die Papiere des Fahrers und der Fahrzeuge als auch ins Innere des Hängers. Die Familie ist auf dem Weg in den Urlaub. Geplant sei eine Tour durch den Spreewald, erzählt die Mutter kurz. „Wir haben keine Abdeckung beziehungsweise kein Netz im Kofferraum“, sagt sie. Ansonsten sind die Beamten zufrieden. Die Familie kann ihre Fahrt fortsetzen.

Bis zum Nachmittag sind 21 Fahrzeuge mit Wohnanhänger sowie 14 Wohnmobile von den elf Einsatzkräften kontrolliert worden. Insgesamt drei Verstöße wurden geahndet. In einem Wohnmobil waren unter anderem ein Elektrogerät sowie eine Feuerschale nicht ordnungsgemäß gesichert. Der Fahrer musste das Problem beheben und ein Verwarngeld zahlen, dann durfte er weiterfahren. „Zwei Pkw mit Wohnanhängern waren ohne Spiegelverlängerung unterwegs“, sagt Göhler. Die sei jedoch nötig, damit der Fahrer auch alles gut im Blick habe. „Die Fahrer mussten 15 Euro Verwarngeld zahlen und wir haben sie zu einem nahe gelegenen Caravan-Handel geschickt“, sagt Sven Krahnert.

Warnweste im Kofferraum

Der Beamte leitet die Verkehrsüberwachung an diesem letzten Schultag in Sachsen, mit dem zugleich die Reisewelle beginnt. Seiner Erfahrung nach gebe es die meisten Verstöße in Bezug auf das zulässige Gewicht der Fahrzeuge und Gespanne. Ein Hinweis darauf gibt meist schon die Hinterachse. Hängt diese zu weit drin, ist das für die Beamten auf den Motorrädern auf der Autobahn ein Grund, die Fahrzeuge zur Kontrolle mitzunehmen. „Für Verstöße gegen das Gewicht gibt es meist ein Verwarngeld und die Fahrer müssen ihre Ladung sichern“, so Krahnert. 

Erst bei einer Überladung von zehn Prozent sei eine Weiterfahrt nicht mehr möglich. „Aber da gibt es auch noch Tricks, wie zum Beispiel das Ausleeren des Wassertanks“, sagt der Beamte. Festgestellt werde hin und wieder auch, dass die Fahrer die zulässige Geschwindigkeit überschreiten. Gefährlich sei zudem die mangelnde Fahrpraxis mit Anhänger. „Hier gibt es auch spezielle Fahrsicherheitstrainings“, sagt Krahnert.

Er und seine Kollegen kontrollieren neben den Papieren die Technik an den Fahrzeugen, checken die Beleuchtung, die Bremsen, die Reifen. Sie schauen sich an, wie die Fahrzeuge, die Anhänger und die Wohnmobile beladen sind. Lassen sich auch Sanikasten und Sicherheitsweste zeigen. Wer dafür, wie Familie Schardt in den Kofferraum geht, bekommt den Hinweis mit auf den Weg, die Weste doch vorn zu deponieren. „Dann müssen sie nicht erst ohne Weste aussteigen“, so ein Beamter zu den Reisenden. Mehr finden die Kontrolleure nicht bei dem Paar. Auch die Arnsdorfer können daher ihre Fahrt so kurz vor der Heimat ungehindert fortsetzen.

Verständnis für Kontrollen

Dass Schardt seine Heimfahrt für die Kontrolle kurz unterbrechen musste, stört den Arnsdorfer nicht. „Ich finde das grundsätzlich in Ordnung“, sagt der 48-Jährige, der selbst ein sicheres Gefühl hat, was sein Gespann betrifft. Viele Fahrzeuge, die unterwegs seien, vor allem Lkw, seien aber grenzwertig, meint der Urlauber. „Wenn erklärt wird, warum das hier gemacht wird, ist das in Ordnung“, sagt auch die junge Mutter aus Bad Staffelstein, für die der Urlaub an diesem Freitag erst beginnt. 

Auf viel Verständnis stoßen die Beamten bei einem Amtskollegen aus Fürstenfeldbruck aus Bayern. Benjamin Krois ist mit seiner Partnerin Julia und Hund Monti ebenfalls in den Spreewald unterwegs, „Wir kommen gerade aus Erfurt, machen eine kleine Deutschlandtour“, so der 32-Jährige, der mit Anhänger unterwegs ist. Zu beanstanden haben die Polizisten bei ihm nichts. „Ich finde solche Kontrollen total in Ordnung“, sagt er.

Die Mehrheit der Kontrollen im Rahmen der länderübergreifenden Aktion unter dem Motto „Safe Holiday“ lief an diesem Freitag ruhig ab. Die Fahrer hatten sich an die verkehrsrechtlichen Vorschriften gehalten. Schon nach kurzer Zeit konnten die meisten der Kontrollierten daher ihre Fahrt in den Urlaub oder schon wieder zurück nach Hause mit einem sicheren Gefühl fortsetzen.

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