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Kraft, Mut, Liebe und vieeele Fans

Wundersam wie wunderbar ist die Geschichte der Dynamos und ihrer Spiele in der Münchner Arena.

© Dehli-News

Von wegen schwarze Serie. Olaf Janßen kann damit nichts anfangen. Wenn für die Dresdner Dynamos am Sonntag in der Münchner Allianz-Arena das nächste Auswärtsspiel ansteht, hat der Trainer nichts dagegen, wenn die Serie hält, also die Serie in dem Stadion. „Die Jungs hatten dort immer positive Erlebnisse, das sollte zumindest kein Nachteil sein“, sagt Janßen.

Er ist zwar neu bei der SGD, kennt aber deren beachtliche Bilanz in der Arena. Von drei Spielen haben die Dresdner zwei gewonnen und einmal Remis gespielt. Dass beim 1:1 im vergangenen Dezember ausgerechnet Cheikh Gueye, von dem man noch immer nicht weiß, ob er mehr Mittelfeldspieler mit Defensivschwäche oder eher Abwehrspieler mit Offensivqualität ist, getroffen hat, passt zur wunderbaren wie wundersamen Historie. Das Tor durch die Schlabberhose von Gabor Kiraly ist Gueyes bislang einziges in gut zwei Jahren für Dynamo. Schiedsrichter damals wie am Sonntag, auch der Deutsche Fußball-Bund spielt also mit, ist Christian Dingert.

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Mickael Poté hat ebenfalls richtig gute Erinnerungen. „Ich liebe das Stadion. Natürlich möchte ich es gern noch mal so machen wie damals“, sagt der Angreifer und meint jenen 2. Oktober 2011, der ihn in einem Spiel zum Liebling der Fans werden ließ. Mit drei Toren sorgte er fast im Alleingang für den 4:2-Erfolg bei 1860 – und den ersten Auswärtssieg. „Im Fußball ist immer alles möglich. Ich denke nicht vorher darüber nach, ob ich treffe. Aber ich glaube an meine Qualität und an die Stärke der Mannschaft“, sagte er damals auf Englisch nach der in vielerlei Hinsicht denkwürdigen Begegnung. Inzwischen spricht Poté Deutsch und meint: „Ich hoffe, wir kommen mit drei Punkten zurück. Und warum nicht auch mit einem Tor von mir?“ Seine Woche sei jedenfalls gut verlaufen und er nach seinem Treffer gegen Energie Cottbus sehr glücklich.

So selbstbewusst und zuversichtlich hat man den von der Torkrise befreiten Angreifer, aber auch Dynamo speziell vor Spielen in der Fremde lange nicht erlebt. Die Vorfreude auf das Duell bei einem Gegner, dem man im Vergleich von Etat, Kader und Perspektive unterliegt, ist deutlich spürbar. In Janßens Worten, Potés Augen und natürlich auch in der Statistik.

„Es gibt sehr viele Ansatzpunkte, warum wir uns freuen können. Ich habe meinen Jungs gesagt, wir spielen im Nabel der Fußballwelt. Hier spielt die beste Vereinsmannschaft der Welt“, betont Janßen und meint natürlich nicht den TSV 1860. Trotzdem warnt er vor zu hohen Erwartungen. „Es wird vielleicht das schwerste Spiel unter meiner Regie. Aber wir werden trotzdem nicht zurückweichen.“ Der 47-Jährige setzt dabei auch auf Dynamos Fans, die aus diesem Auswärts- wieder ein Heimspiel machen sollen. Rund 7.000 und damit inzwischen schon traditionell so viele wie bei keiner anderen Partie in der Fremde, werden in der Arena sein. „Das ist nicht alltäglich. Das gibt uns Kraft und Mut“, meint Janßen.

Davon berichtet auf Dynamos Homepage auch Marco Vorbeck. Der Mann also, der die Erfolgsgeschichte begründet hat. Beim 2:1 am 9. September 2005, dem ersten Auswärtssieg überhaupt in dem im Mai 2005 eröffneten Stadion, erzielte er beide Tore. An die rund 20.000 mitgereisten Dresdner erinnert er sich noch immer. „Wir hatten im Stadion den Eindruck, dass gefühlt 90 Prozent Schwarz-Gelb sind.“ Es sind eben viele gute Gefühle, die in diesen Tagen zusammenkommen.

Was stört da schon die Wut des in der Saison bislang enttäuschenden Gastgebers, die Janßen erwartet, und die länger gewordene Verletztenliste. Der gerade wieder in die Stammelf gerutschte Filip Trojan fehlt mit Kniebeschwerden ebenso wie Tobias Müller wegen einer Muskelverhärtung. Weil mit Tobias Kempe, Cristian Fiel und Marco Hartmann drei weitere Mittelfeldspieler ohnehin ausfallen, wird Janßen einen Spieler der zweiten Mannschaft nominieren. Die gute Laune lässt er sich deshalb jedoch nicht nehmen.

Auch für ihn persönlich ist dieses Spiel gegen 1860 ja etwas Besonderes. Vor zehn Jahren arbeitete er als Co-Trainer unter Falko Götz für die Münchner, kennt die Arena aber nur als Baustelle. „Wir sind mit der Mannschaft öfter da gewesen, um den Baufortschritt zu beobachten“, erzählt Janßen und hofft auch diesmal auf Fortschritte – in der Tabelle. Gelingt tatsächlich ein Sieg, wäre der bis zur Winterpause erhoffte Anschluss ans Mittelfeld vorzeitig geschafft. Und dann, meint Janßen, vergeht ihm das Lächeln, das er seit Tagen im Gesicht trägt. Dann werde daraus ein breites Grinsen.

Dynamo und der Deutsche Fußball-Bund haben sich nun auch offiziell auf die Fristverlängerung in Sachen Pokalausschluss geeinigt. Bis 30. November hat der Verein Zeit, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.