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Viel Arbeit auf Kriebsteiner Wegen

Wegewart Marco Augustin werkelt täglich dort, wo andere ihren Urlaub an der Talsperre verbringen. Das birgt so manche Überraschung. Teil 6 unserer Sommerserie.

Nicht nur die Reparatur von Bänken und Handläufen gehört zum Aufgabengebiet vom Marco Augustin. Oft muss er die auch umgestürzte Bäume beseitigen.
Nicht nur die Reparatur von Bänken und Handläufen gehört zum Aufgabengebiet vom Marco Augustin. Oft muss er die auch umgestürzte Bäume beseitigen. © Dirk Westphal

Talsperre Kriebstein. Im Büro von Thomas Caro, Geschäftsführer des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre, klingelt das Telefon. Allerdings ist in diesem Fall nicht er selbst gefragt, sondern Wegewart Marco Augustin. Der hatte für den Tag eigentliche andere Pläne. Nun muss er – kurz vorm Wochenende – in der Falkenhainer Jugendherberge Feuerwehr spielen. Eine riesige Weide ist umgekippt.

Direkt auf den Bootsanleger der Ruderkähne und die Grillplätze. Schnelles Handeln ist gefragt, denn das Wetter ist schön. Da erwartet die Jugendherberge reichlich Gäste. Und auch wenn das nicht zu den direkten Aufgaben des Zweckverbandes gehört – Marco Augustin sorgt für eine Lösung. Man hilft sich untereinander an der Talsperre.

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Marco Augustin setzt sein Basecap verkehrt herum auf, schwingt sich in den Hundefänger mit dem Werkzeug und macht sich rasant auf die Fahrt von Kriebstein nach Falkenhain. Die Zeit ist knapp, das Wochenende naht. Vorbei an der Burg, über Ehrenberg, Erlebach durch den Wald. Für die Schönheit der Gegend, den herrlichen Blick über die breiteste Stelle des Stausees, hat er zumindest in diesem Moment keine Nerven. Vielmehr überlegt er schon, wie er das Problem „Weide“ lösen wird.

Bäume fallen fast täglich an der Talsperre Kriebstein um

„Ich kann nicht jeden Tag um die Talsperre herum die Wege begehen“, erklärt der 58-Jährige. „So, wie von der Jugendherberge bekomme ich auch von Anwohnern Infos, wenn etwas passiert ist.“ Das sei derzeit fast täglich der Fall. 

Bäume fallen um, teilweise wird der Weg mit in den Fluss gerissen,  erzählt Augustin. Problematisch werde es, wenn an Privatgrundstücken Gefahr besteht. „Dann musst du dich erst mit dem Eigentümer kurzschließen, ob man etwas wegschneiden kann“, sagt der Wegewart.

Normalerweise ist der Mittweidaer dafür verantwortlich, dass die Talsperrenwanderwege in Ordnung sind. Das sind etwa 20 Kilometer nur um den Stausee. Das Wanderwegenetz ist aber noch größer. Dabei wird Augustin von der Gemeinde Kriebethal oder der Stadt Mittweida unterstützt.

 „Wenn größere Sachen zu beheben sind“, sagt er. Damit er seine Aufgaben bewältigen kann, steht ihm neben seinem Fahrzeug auch ein Arbeitsboot zur Verfügung. Die Wanderwege muss er allerdings ablaufen.

Um die Talsperre herum gibt es einen attraktiven Rundweg, der gut zu wandern, aber auch recht anspruchsvoll ist.
Um die Talsperre herum gibt es einen attraktiven Rundweg, der gut zu wandern, aber auch recht anspruchsvoll ist. © Dietmar Thomas

„Da komme ich ja mit dem Auto nicht hin“, sagt er und fügt an: „Es gibt natürlich spezielle Stellen wo immer etwas passiert.“ Mittlerweile kennt er die und weiß, wo er suchen muss, wenn es einen Orkan gab oder auch Starkregen. 

Ärgerlicher sei es dagegen, wenn es Randale gab. Bänke zerstört wurden, Geländer beschädigt oder die Landschaft vermüllt. Deshalb ist das Wandern durch die mittelsächsische Natur für ihn eher kein Freizeitspaß.

 „Du musst ja immer dein Werkzeug mithaben“, erklärt Marco Augustin. Ansonsten packt er am Fahrzeug oder Boot das ein, was er für die Reparatur an den Wanderwegen benötigt. „Es ist schon verhältnismäßig viel zu laufen, denn du kommst ja sonst nicht hin“, sagt er.

Jobwechsel aus Liebe zur Natur

Vor fünf Jahren hat sich der gelernte Kfz-Mechaniker für den Job als Wegewart beim Zweckverband beworben. „Einmal, weil ich etwas für die Natur übrig habe, andererseits, weil mir das Handwerkliche liegt, einfach auch das Improvisieren unterwegs“, sagt Marco Augustin. 

Von Kindheit an sei der 58-Jährige mit seinen Geschwistern am Mittweidaer Stadtrand im Wald „herumgehirscht“. „Und das ist so geblieben. Ich hatte schon immer Interesse für die Natur, die Tierwelt und die gilt es doch auch zu schützen“, sagt Augustin. Mittlerweile ist er in der Jugendherberge angekommen und sieht das ganze Ausmaß des Schadens. Mit Improvisieren ist bei diesem Projekt nicht viel zu machen. 

So fordert er weitere Unterstützung bei einem ansässigen Waldbesitzer an, der die nötige Technik für die Beseitigung des Schadens hat. „Das passiert immer öfter. Durch die trockenen Sommer haben die Bäume keinen Halt mehr und kippen einfach um“, erklärt der Wegewart. Unterdessen fahren zwei angelnde Rentner mit dem Boot ans Ufer heran. Man kennt und schätzt sich. Einer der Angler berichtet Augustin, wie es am Vorabend erst gekracht hat und die Weide dann umgestürzt ist. 

Marco Augustin ist nicht nur zu Fuß unterwegs, um die Wanderwege zu kontrollieren. Oft nimmt er auch das Arbeitsboot, um sein Werkzeug zu transportieren.
Marco Augustin ist nicht nur zu Fuß unterwegs, um die Wanderwege zu kontrollieren. Oft nimmt er auch das Arbeitsboot, um sein Werkzeug zu transportieren. © Dietmar Thomas
Sandra Nikolai, Carsten Seidel und Töchterchen Lina nutzen die herrliche Gegend um den Kriebsteinsee zu Wanderunge.
Sandra Nikolai, Carsten Seidel und Töchterchen Lina nutzen die herrliche Gegend um den Kriebsteinsee zu Wanderunge. © Dietmar Thomas
Insgesamt etwa 20 Kilometer gut ausgeschilderte Wanderwege gibt es rund um die Talsperre Kriebstein. 
Insgesamt etwa 20 Kilometer gut ausgeschilderte Wanderwege gibt es rund um die Talsperre Kriebstein.  © Dietmar Thomas
Ein besonderer Anziehungspunkt ist die Aussichtsplattform auf dem Wappenfelsen.
Ein besonderer Anziehungspunkt ist die Aussichtsplattform auf dem Wappenfelsen. © Dietmar Thomas
Teilweise gestalten sich die Wege rund um die Talsperre recht anspruchsvoll, gehört die Gegend doch zum Mittelgebirgsvorland.
Teilweise gestalten sich die Wege rund um die Talsperre recht anspruchsvoll, gehört die Gegend doch zum Mittelgebirgsvorland. © Dietmar Thomas
Ein Geheimtipp von Wegewart Marco Austin ist das Ringethaler Raubschloss auf dem Pfaffenstein.  Von dort gibt es einen wunderbaren  Blick. 
Ein Geheimtipp von Wegewart Marco Austin ist das Ringethaler Raubschloss auf dem Pfaffenstein.  Von dort gibt es einen wunderbaren  Blick.  © Dietmar Thomas
Die wunderbare Landschaft rund um die Talsperre lädt zum Wandern ein.
Die wunderbare Landschaft rund um die Talsperre lädt zum Wandern ein. © Dietmar Thomas
Ausgangspunkt für viele Wanderungen rund um die Talsperre ist Kriebstein. 
Ausgangspunkt für viele Wanderungen rund um die Talsperre ist Kriebstein.  © Dietmar Thomas

Der Wegewart nickt kurz, er hat das in jüngster Zeit häufig sehen. Vor allem im Wald sei das an der Tagesordnung. Wenn er sich nicht gerade um die Wege der Talsperre kümmern muss, ist Marco Augustin mit seiner Familie in ganz Europa unterwegs. 

Mit dem Fahrrad oder wandern. „Wir haben schon viel gesehen“, erklärt er und fügt an: „So etwas wie die Talsperre findest du aber ganz selten.“ Die sei – ohne zu übertreiben – von der Anlage her eine der schönsten Talsperren in ganz Europa. „Ich arbeite gern hier, das macht schon Spaß“, sagt Marco Augustin, schränkt dann aber ein: „Es sei denn, es kippen gerade Bäume um. Oder man ärgert sich mit den Eigentümern herum."

Wanderungen um Talsperre sind anspruchsvoll

Dass ändere daran nichts, dass es rund um die Talsperre prinzipiell sehr schön ist. „Man kann flussaufwärts an der Burg Kriebstein mit dem Wandern beginnen, dann in Lauenhain übersetzen und läuft auf der anderen Seite zurück. Diese Wege sind sehr gut zu laufen“, sagt Marco Augustin, der diese Wanderung aber auch als sehr anspruchsvoll einschätzt.

 „Man denkt, dass man an einem Fluss wandert und es sachte dahingeht. Aber es ist schon Vormittelgebirge, und da geht es schon mächtig auf und ab.“ So zum Beispiel auch auf den Wappenfelsen, von dem es eine wunderschöne Aussicht auf die Talsperre gibt. Aber das ist nicht alles. Es gebe noch mehr lohnenswerte Ziele mit traumhaftem Blick in die Landschaft. 

Ein Tipp vom Wegewart ist da der Pfaffenstein auf der Falkenhainer Seite. „Ein äußerst seltener, schöner Blick“, sagt Marco Augustin. „Da kann die Elbe nicht mithalten.“

Ruhiger als an der Elbe sei es hier im Winter, oder wenn es regnet. „Da gehen nur die Hardcorewanderer“, weiß Augustin. Am häufigsten trifft er auf seinen Kontrollgängen bei etwa 25 °C und leicht bewölktem Himmel auf Wanderfreunde aus allen Gegenden Deutschlands und auch darüber hinaus. 

Für die ist der Wegewart noch im Winter aktiv, damit sich die Steige auch in der nächsten Saison in einem guten Zustand befinden. „Es macht Spaß und wenn es Spaß macht, sieht man über vieles hinweg, wie im gesamten Leben“, sagt Marco Augustin. Er hat an der Talsperre Kriebstein praktisch seinen Traumjob gefunden.

Nächste Folge der Sommerserie erscheint am 20. August

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Die nächste Folge unserer Sommerserie lesen Sie ab 20. August auf Sächsische.de.

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