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Kripo ermittelt Baukran-Kletterer

Ein Radebeuler hat ein Plakat als Protest gegen Bauvorhaben angebracht. Jetzt muss er sich dafür verantworten.

Auf diesen Kran an der Hausbaustelle Augustusweg 78 ist ein Radebeuler geklettert, um mit einem Plakat zu protestieren.
Auf diesen Kran an der Hausbaustelle Augustusweg 78 ist ein Radebeuler geklettert, um mit einem Plakat zu protestieren. © Peter Redlich

Radebeul. Wie viel Wut muss man im Bauch haben, um dreimal auf einen 20 Meter hohen Baukran zu klettern? Mit 56 Jahren. Der Mittfünfziger aus Radebeul hat Ende September auf der Baustelle Augustusweg 78 ein Stoffplakat aufgehängt – mit der Aufschrift „Rettet unsere Gartenstadt“. Das haben die Kriminalisten vom Revier Meißen in Radebeul ermittelt.

Kripochef Jörg Kretzschmar: „Die Baufirma hat Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet. Meine Kollegen haben in der Gegend Bürger befragt und schließlich herausgefunden, wer das Plakat da oben angebracht hat.“ Der Mann, der in Radebeul wohnt, habe die Tat eingeräumt. Er sei dreimal hochgeklettert – das erste Mal, um das Plakat aufzuhängen, das zweite Mal, weil es schief hing, und zum dritten Mal, um es wieder abzunehmen. Kretzschmar sagt, der 56-Jährige habe seine Tat selbst eingestanden und erkenne auch an, dass dies nicht die richtige Protestform sei.

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Die Akten mit den Vernehmungsprotokollen gehen jetzt an die Staatsanwaltschaft. Bei Hausfriedensbruch kann es Geldstrafen und bis zu einem Jahr Gefängnis geben. Der Kripochef: „Ich weiß nicht, wie der Staatsanwalt reagiert. Möglicherweise ja auch milde, weil der Bürger sich sehr einsichtig gezeigt und bei der Aktion nichts kaputtgemacht hat.“

In jedem Fall wolle die Polizei betonen, dass dies eine sehr gefährliche Form des Protestes sei, die nicht geduldet werden könne. Damit bringe der Betreffende sich selbst und andere in Gefahr, so Jörg Kretzschmar. Zumal es viele weitere Möglichkeiten des Protestes gibt – in Foren, Versammlungen wie dem Stadtrat und auch, indem direkt an die Stadträte herangetreten werde.

Das Plakat hängt inzwischen unweit der Baustelle.
Das Plakat hängt inzwischen unweit der Baustelle. © Peter Redlich

Einer der Radebeuler Räte, Martin Oehmichen vom Bürgerforum/Grüne, war einer der Ersten, der die Protestaktion am Kran in den sozialen Medien verbreitet hat. Oehmichen sagt: „In der Sache ist der Protest in jedem Fall gerechtfertigt. Über die Form des Protestes kann man diskutieren.“ Er habe gehört, dass der betreffende Bürger sich selbst der Polizei gestellt habe. Ein Beitrag zu den Unmutsbekundungen der Bürger in Radebeul lief ebenfalls im MDR.

Anlass für diesen Protest, inzwischen von vielen Bürgern in der Stadt getragen, sind Bauvorhaben und verwirklichte Bauten, welche den Charakter der Gartenstadt Radebeul zerstören würden. Reaktionen zu dem Problem gab es auch von Bauunternehmer Robert Bialek, der konkrete im Bau befindliche Gebäude und Vorhaben benannte, die nach seiner Ansicht nicht zu Radebeul passen.

Auf die Proteste und Einwände gab es eine Reaktion in der Oktober-Stadtratssitzung im Rathaus. Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) erklärte dazu in der Quintessenz, dass die Stadt überall dort, wo die Gesetze nach den Bauparagrafen eingehalten würden, keinerlei Handhabe habe, dagegen vorzugehen. Dies betreffe auch die Bauten am Augustusweg. Müller verwies auf eine Gestaltungsanleitung, nach welcher sich Bauherren möglichst richten sollen. Die Anleitung ist allerdings keinerlei Zwang. Allenfalls eine Bitte von Stadt und Räten.

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Jens Baumann, Vorsitzender des Radebeuler Denkmalschutzvereins und auch Stadtrat für die CDU, will sich mit den bisherigen Möglichkeiten und dem Stück-für-Stück-Zubauen der Gartenstadt keinesfalls zufriedengeben. Er fordert für die besonders sensiblen Gebiete eine Gestaltungssatzung, eben für den Erhalt der grünen Areale Radebeuls.

Das Plakat mit der Aufschrift „Rettet unsere Gartenstadt“ hängt inzwischen gegenüber der Baustelle, gegen die protestiert wurde.

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