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Kritik und Nutzen: Das sagen Experten

Die Delphintherapie ist umstritten. Hilft sie Kindern oder ist der Effekt nur in der entspannten Atmosphäre? Und was ist mit dem Tierschutz?

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Symbolbild.
Symbolbild. © dpa

Die Delphintherapie soll Menschen geistiger und körperlicher Behinderung, seelischen Erkrankungen dabei helfen, besser oder überhaupt mit der Umwelt zu kommunizieren. Am häufigsten wird sie bei Autismus, Spastik, Down-Syndrom, Neurosen, Hirntraumen und verzögerter Sprachentwicklung eingesetzt. Entweder wird die komplette Therapie im Wasser durchgeführt oder sie funktioniert als Belohnung. Dann soll der Patient bestimmte Aufgaben erfüllen und darf danach mit dem Delfin spielen. Bei beiden Ansätzen sollen die Kinder aufmerksamer, aufnahmebereiter, aktiver, selbstbewusster und mutiger werden. Zudem würden sie aus ihrer Isolation und Apathie geholt. Der Ultraschall, mit dem sich die Tiere verständigen, soll positiv auf die Gehirnwellen wirken.

Ob das wirklich so ist, ist heftig umstritten. Die Faktenlage ist unübersichtlich und dünn. Auf der einen Seite stehen Anbieter und die durchweg begeisterten Eltern, die von teils verblüffenden Erfolgen berichten. So wertvoll und positiv, wie das für diese Familien ist – eindeutige wissenschaftliche Belege für diese subjektiven Eindrücke und Erfahrungen gibt es wohl nicht. Die Kritiker bezweifeln denn auch, dass Erfolge ursächlich auf die Delfine zurückzuführen sind und verweisen zudem auf den Tierschutz.

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Was spricht dafür?

Laut einer Doktorarbeit in Philosophie von Nicole Lämmermann an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahr 2012 wies ein großer Teil der bis dahin veröffentlichten Studien teils erhebliche methodische Mängel auf. So wurden laut dieser Arbeit die Veränderungen der Kinder selbst meist nicht gemessen, oft fehlten Kontrollgruppen und die Nachhaltigkeit der Effekte wurde nur selten untersucht. Auch für die These, dass Delfine neurologische Störungen mithilfe des Sonars erkennen und „behandeln“ können oder dass Ultraschall Einfluss auf die Gehirnwellen haben könnte, fehlten bis dahin schlüssige Beweise. Oft bewerten zwar die Eltern ihre Kinder nach der Delfin-Therapie besser, die Lehrer jedoch nicht, schreibt die Autorin. Trotz allem kommt Lämmermann zu dem Schluss, dass die Therapie wirkt. Die Frage, ob dafür die Delfine oder andere Faktoren ursächlich sind, lässt sie allerdings offen.

In einer Studie von Erwin Breitenbach und Kollegen an der Universität Würzburg heißt es, dass die von den Eltern wahrgenommenen Veränderungen tatsächlich auf die Therapie zurückzuführen sind. Die subjektiven Eindrücke der Eltern würden danach durch objektive Verhaltensbeobachtungen tendenziell gestützt. Zita Stenczel schreibt in einer Studie von 2013, dass Delfintherapie die Informationsverarbeitung aktiviert. Delfine könnten in besonderer Weise die Emotionen der Kinder anregen. Dadurch würden diese empfänglich für die Angebote der Umwelt.

Was spricht dagegen?

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Kritiker wie die Gesellschaft zur Rettung der Delphine, Pro Wildlife (beide München) oder das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum führen Erfolge bei der Delfintherapie lediglich auf die urlaubsähnliche, entspannte Atmosphäre unter Gleichgesinnten und auf die therapeutische Betreuung zurück. Aus Tierschutzsicht seien diese Angebote bedenklich. Es gäbe es viele schwarze Schafe unter den Anbietern, die den teils verzweifelten Eltern das Geld aus der Tasche zögen und denen der Tierschutz herzlich egal sei. Delfine sind wilde Tiere, sagen sie. Ihr Krankheitsrisiko sei in Gefangenschaft mit häufigem Menschenkontakt sehr viel höher als in freier Wildbahn. Teils würden sie mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Selbst wenn sie in relativ großen Lagunen gehalten würden, könnten die Meeressäuger dort aufgrund ihrer Lebensweise niemals artgerecht leben. Meist würden die Tiere jedoch in viel zu kleinen und zu warmen Becken eingepfercht. Außerdem soll die Delfintherapie wildlebende Bestände gefährden, denn die Therapiezentren müssten ihre Bestände mit Wildfängen aufstocken. Dabei stürben viele Tiere und die überlebenden seien massivem Stress ausgesetzt. Nicht zuletzt würden wilde Tiere in Zoos aus gutem Grund durch hohe Zäune oder Mauern von den Besuchern getrennt. Bei der Delphintherapie jedoch hätten Kinder direkten Kontakt und seien damit einem potentiellen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Kratz- und Bisswunden bis hin zu Rippenbrüchen seien zu oft die Folge. Viele Kinder hätten zudem Angst vor den ziemlich großen Tieren. Wissenschaftliche Belege dafür haben die Kritiker meist nicht. 

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