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Kühnichter Autor legt nach

Unlängst ist jetzt das inzwischen dritte Buch von Erich Fischer erschienen.

Erich Fischer nimmt seine Leser mit in das dörfliche Leben der 1940er- und 1950er-Jahre im Örtchen Frauensee in Thüringen.
Erich Fischer nimmt seine Leser mit in das dörfliche Leben der 1940er- und 1950er-Jahre im Örtchen Frauensee in Thüringen. © Foto: Mirko Kolodziej

Kühnicht. Ein Thüringer „in der Fremde“ vermisst seine Heimat. „Immer“, sagt Erich Fischer. Er leitete einst Hoyerswerdas Wohnungsgenossenschaft. Geboren wurde er jedoch vor 85 Jahren in einem Thüringer Ort. Das Dörfchen heißt Frauensee und hat dank des Kühnichters Erich Fischer nun eine Art kleinen literarischen Ruhm. Der Senior ist ein geübter Autor. 

2009 erschien sein Erstling. „Gedächtnisprotokolle“ wurde unter dem Pseudonym Walter Lindenau verlegt. Der Roman erzählt über zermürbende Kämpfe eines Genossenschaftsvorsitzenden mit der örtlichen SED-Kreisleitung im Städtchen Bornstätt. Nach dem Erscheinen, sagt Fischer, seien einstige AWG-Kollegen auf ihn zugekommen. „Wenn wir das gewusst hätten“, sei die Reaktion gewesen. Irgendwie geriet das Buch nach Frauensee. „Dann schreib‘ doch mal über uns“, wurde dort der Wunsch laut. „In Ordnung“, antwortete Fischer. Das Schreiben bereitet ihm durchaus Freude. „Es gibt mir innere Ruhe, Zufriedenheit“, sagt er. Das Büchlein „Frauen im See – Thüringer Dorfgeschichten“ berichtet aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sowie der Nachkriegszeit. Ein Flugzeugabschuss kommt ebenso vor wie ein Tank, der irrtümlich für eine Bombe gehalten wird. Die Kirmes spielt eine Rolle, und ein Kugelblitz auch.

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Fischer hat für den Band aus seinem Erfahrungsschatz geschöpft. „An das Leben der Familie des Autors autobiografisch angebunden“ seien die Kurzgeschichten, fasst der Cottbuser Regia-Verlag zusammen. Die Erzählungen behandeln zwar oft durchaus ernste Themen. Fischer hat sich aber bemüht, mit Augenzwinkern zu schreiben. „Es soll ja so sein, dass man es gern weiterliest“, sagt er. Der Frauenseer Spruch „Der liebe Gott ist überall – nur nicht in Pfarrers Ziegenstall“ zum Beispiel ist Resultat einer kriminellen Handlung, „das letzte, schreckliche Ereignis für Jahre in der Dorfgemeinschaft“, schreibt Fischer. Der Reim habe allerdings für jede Menge Heiterkeit im Ort gesorgt. Als „Frauen im See“ 2018 erschien, gab es aus Thüringen die erhoffte Resonanz, und der Wunsch nach einer Fortsetzung ließ nicht allzu lange auf sich warten. Jüngst erschien also „Frauen im See – Weitere Thüringer Dorfgeschichten“. Fischer meint, sie seien sicher auch für Lausitzer interessant. „So waren die Verhältnisse“ sei vielfach übertragbar – Strohsäcke als Matratzen etwa, schweißtreibendes Getreide-Dreschen oder das einst auf dem Lande allgegenwärtige Vieh.

Erich Fischer ist trotz seines Alters ein aktiver Mann. Täglich fährt er mit seinem Fahrrad zum Scheibe-See. Gern beschäftigt er sich mit diverser Fachliteratur. Und das Schreiben? Er sei gern produktiv, sagt er. Mit den Dorfgeschichten sei er fertig, fügt er an. Aber: „Ich bin im Unruhestand.“

„Frauen im See - Thüringer Dorfgeschichten“, Regia-Co-Work, 112 Seiten, ISBN 978-3869293974; „Frauen im See – Weitere Thüringer Dorfgeschichten, Regia-Co-Work, 45 Seiten, ISBN 978-3869294605

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